ANWENDUNG4. November 2026

Ripple erhält US-Banklizenz für Stablecoin-Geschäft – Kritik aus dem Bankensektor

Ripple erhält US-Banklizenz für Stablecoin-Geschäft
ChatGPT

Das Blockchain-Unternehmen Ripple hat von der US-Bankenaufsicht OCC die endgültige Genehmigung zur Gründung einer eigenen Bank erhalten. Die Ripple National Trust Bank (RNTB) wird daher in Zukunft die Reserven des Dollar-Stablecoins RLUSD verwalten. Institutionelle Kunden sollen so die Verwahrung digitaler Vermögenswerte umsetzen können. Eine Einschränkung gibt es aber: Denn die neu gegründete Bank ist keine klassische Geschäftsbank, sondern eine spezialisierte Trust Bank unter bundesstaatlicher US-Bankenaufsicht.

Mit der Entscheidung hat Ripple ein Zulassungsverfahren durchlaufen, das vor knapp anderthalb Jahren begonnen hat. Schon Ende 2025 hatte die OCC eine vorläufige Genehmigung erteilt, allerdings noch einige organisatorische und aufsichtsrechtliche Punkte angemerkt. Die neue Bank soll vor allem das Geschäft mit dem unternehmenseigenen Stablecoin Ripple USD (RLUSD) regeln und unterstützen. Laut der Entscheidung gehören zu den genehmigten Aufgaben die Verwaltung der getrennt gehaltenen Reservevermögen, die treuhänderische Verwaltung dieser Sicherheiten gegenüber und zugunsten der RLUSD-Inhaber sowie die Verwahrung digitaler Vermögenswerte für institutionelle Kunden. Diese Dienstleistung darf die Bank nach Aufnahme ihres Geschäftsbetriebs anbieten.

Stablecoin RLUSD unter New Yorker Aufsicht

Der Herausgeber des Stablecoins ist dabei weiter die Ripple-Tochter Standard Custody & Trust Company – diese wird schon von der New Yorker Finanzaufsicht NYDFS reguliert. Die Bank ist deshalb als zusätzliche bundesstaatliche Aufsicht durch die OCC zu verstehen. Die Bank of New York Mellon (BNY) bleibt nach Angaben von Ripple der wichtigste Verwahrer der RLUSD-Reserven.

Der Ende 2024 aufgelegte Stablecoin hat nach Unternehmensangaben aktuell eine Marktkapitalisierung von etwa 2,5 Milliarden US-Dollar erreicht. Der Stablecoin ist durch US-Dollar-Einlagen, US-Staatsanleihen und andere liquide Mittel abgesichert. Ripple veröffentlicht monatlich entsprechende unabhängige Bestätigungen über die umlaufenden Token und die jeweils dafür hinterlegten Reservevermögen. Eingesetzt wird RLUSD unter anderem in der Zahlungsinfrastruktur des Unternehmens sowie als Sicherheit innerhalb der Handelsplattform Ripple Prime.

Eine nationale Trust-Bank-Lizenz schafft eine noch stärkere Grundlage für RLUSD und unsere institutionellen Produkte in den Bereichen Zahlungsverkehr, Verwahrung und Kapitalmärkte.“

Brad Garlinghouse, CEO von Ripple

Kritik aus der Bankenbranche – auch in den USA

Allerdings bedeutet eine solche Zulassung nicht, dass Ripple künftig ein gewöhnliches Bankgeschäft betreiben darf. Denn klassische Kundeneinlagen können ebenso wenig entgegengenommen werden wie die Bank keine Kredite vergeben kann. Zudem besteht keine Einlagensicherung durch die amerikanische FDIC. Es handelt sich also vielmehr um eine Lizenz auf Treuhand-, Vermögensverwaltungs- und Verwahrdienstleistungen.

Übrigens sind Ripple nicht die ersten, die in der Kryptobranche eine solche Zulassung bekommen. Der Stablecoin-Anbieter Circle hatte im Juli 2026 die Genehmigung zur Gründung seiner Circle National Trust erhalten – und auch Unternehmen wie Bitgo, Paxos und Fidelity Digital Assets haben ähnliche Bankzulassungen beantragt oder schon erhalten. Dennoch bleibt all das innerhalb der US-Bankenwelt umstritten. Aus Sicht des Verbandes Independent Community Bankers of America (ICBA) könnten Kryptounternehmen damit bankähnliche Dienstleistungen anbieten, ohne denselben regulatorischen Anforderungen und Sicherungssystemen wie klassische Banken zu unterliegen.

Das Ganze zeigt aber auch, wie Grenzen zwischen klassischen Bankdienstleistungen und blockchainbasierter Finanzinfrastruktur verschwimmen. Aber für die Anbieter von Stablecoins und digitalen Vermögenswerten wird die direkte Einbindung in die Bankenaufsicht zunehmend zu einem Vertrauen stiftenden Bestandteil ihres Geschäftsmodells. Ob das in Europa in absehbarer Zeit ähnlich abläuft, darf angezweifelt werden. Doch zumindest in den USA entstehen so neue Schnittstellen zwischen Kryptounternehmen und reguliertem Bankensektor.tw

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