STUDIEN & UMFRAGEN8. Mai 2020

Finanzdienstleister stellen Prozessdesign auf den Prüfstand

Corona wird deutliche Bremsspuren in der Wirtschaft hinterlassen. Umso wichtiger wird es, Kosten zu senken und Margen zu verbessern. Der Maßnahmen-Mix von Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistern unterscheidet sich deutlich von anderen Branchen, fand Sopra Steria heraus.

Technische Maßnahmen und Veränderungen der Unternehmenskultur tragen gemeinsam zu mehr Effizienz bei.<q>Sopra Storia
Technische Maßnahmen und Veränderungen der Unternehmenskultur tragen gemeinsam zu mehr Effizienz bei.Sopra Storia

 

Die Digitalisierung hat für die deutsche Wirtschaft zwei Gesichter. Auf der einen Seite ermöglicht sie ein effizienteres Arbeiten. Auf der anderen Seite zwingt sie auch dazu, denn sie reißt schonungslos künstliche Marktbarrieren ein und verschärft die Wettbewerbssituation.

Die Marktforscher von Sopra Steria fragten daher in den Unternehmen nach den Potenzialen zur Erhöhung der operativen Effizienz und welche Maßnahmen präferiert werden.

Selbstkritische Bewertungen

Ausgedient hat offensichtlich die Regel „Das haben wir schon immer so gemacht“. Eine Mehrheit sieht in überkommenen Traditionen ein Hemmnis auf dem Weg zu höherer Effizienz und bemängelt, dass die gelebten Geschäftsprozesse im eigenen Haus überaltert seien. Ein Re-Engineering der Abläufe und Regeln steht deshalb bei 71 Prozent der Unternehmen an erster Stelle, um den Kosten-Nutzen-Quotienten positiv zu beeinflussen.

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Wo finden sich die Problemfelder der Effizienz? Sopra Steria

Auf die Frage, wo die Abteilungen mit der geringsten Effizienz zu finden sind, geben die Befragten der Finanzbranche kein einheitliches Bild ab. Mit den wenigsten Nennungen darf sich Supply Chain Management als Effizienz-Sieger sehen, die anderen acht Antwortoptionen rangieren mit jeweils geringem Abstand zwischen 36 und 23 Prozent.

Auffällig sind jedoch drei Abteilungen. IT (36 Prozent), Compliance (29 Prozent) und Geschäftsleitung (28 Prozent) sind nicht nur die Bereiche mit den höchsten Nennungen. Sie werden hier auch mit Abstand negativer gesehen als von anderen Branchen, die zu 12 Prozent die IT, zu 14 Prozent die Geschäftsleitung und die Compliance-Abteilung zu 10 Prozent nannten.

Konkrete Maßnahmen

Die wichtigsten Ziele zur Steigerung der operationalen Effizienz sehen Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister in einem höheren Automatisierungsgrad (70 Prozent), der Steigerung der Umsatzrendite (48 Prozent) und einer stärkeren Kundengewinnung (46 Prozent).

Fragt man nach den Wegen, um diese Ziele zu erreichen, findet man auf den vorderen Plätzen die üblichen Maßnahmen mit weitem Abstand: die weitere Digitalisierung des Geschäftsmodells wird von 78 Prozent der Befragten genannt, eine stärkere Standardisierung von Produkten und Leistungen von 74 Prozent.

Was Digitalisierung wirklich bedeutet

Gerade die Digitalisierung bietet allerdings eine Reihe von Chancen. Jens Rohde, Experte für digitales Prozessmanagement bei Sopra Steria Next, mahnt Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an. Nur so können es gelingen, mit Hilfe der Digitalisierung seine Geschäftsmodelle neu- und weiterzuentwickeln.

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Sopra Steria Next

„Für viele Unternehmen stand bereits vor Corona – angesichts einer sich abzeichnenden Eintrübung der Konjunktur – fest, dass sie ihre internen und externen Abläufe grundlegend anpassen müssen. Die Pandemie hat den Handlungsdruck für viele Firmen nun nochmals deutlich erhöht.“

Jens Rohde, Sopra Steria Next

 

Unter den Finanzdienstleistern herrscht offensichtlich Zuversicht, dass die Unternehmen mit dem nötigen Mut ihre Prozesse konsequent neu gestalten. 72 Prozent von ihnen nennen dieses Re-Engineering als wichtigste Maßnahme. Im verarbeitenden Gewerbe meinen dies sogar 76 Prozent, deutlich weniger häufig sehen öffentliche Verwaltung und Versorgungsunternehmen hier noch Potenzial (63 Prozent).

In der Finanzbranche werden zudem der Prozess-Automatisierung (72 Prozent) und dem Process-Mining (56 Prozent) jeweils die höchsten Potenziale zugesprochen, ebenso der Schaffung digitaler Prozess-Schnittstellen zu externen Partnern (50 Prozent). Letzteres ist unerlässlich, wenn FinTechs und InsurTechs nahtlos angebunden werden sollen.

Weitere Details

Zu den weiteren Untersuchungsfeldern der Studienautoren zählen Erfolgsfaktoren und -hemmnisse, Erfolgskontrolle und -methoden. Die Details finden Sie in der Studie „Potenzialanalyse Operative Effizienz“. Sie kann kostenlos auf der Website von Sopra Steria abgerufen werden. hj

 
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://itfm.link/105210 
 
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