FINTECH23. April 2019

Braucht die Szene wirklich einen FinTechRat? Vorsitzender Chris Bartz im Interview

Chris Bartz, Vorsitzender FinTechRat<q>Elinvar
Chris Bartz, Vorsitzender FinTechRatElinvar

Chris  Bartz ist der neue Vorsitzende des FinTechRates. Im Interview mit Rudolf Linsenbarth stellt der neue Vorsitzende nicht nur sein Gremium vor, sondern erklärt, warum Deutschland den FinTechRat (Website) braucht.

Herr Bartz, wie lange gibt es den FinTechRat schon, wer sind die Mitglieder und was sind die Ziele, die verfolgt werden?

Der FinTechRat wurde im März 2017 vom Bundesministerium für Finanzen ins Leben gerufen. In diesem Jahr – zwei Jahre nach Gründung – hat sich der FinTechRat neu aufgestellt und zählt 29 Mitglieder, alle Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft.

Der Rat hat zwei Aufgaben: Zum einen beraten wir das Ministerium zu aktuellen Fragen rund um digitale Finanztechnologien.

Unser Schwerpunkt liegt dabei auf technologischen Entwicklungen, sowie den Potenzialen, Chancen und Risiken. Zum anderen unterstützen wir das Ministerium durch Stellungnahmen und Empfehlungen.

Es gibt ja bereits Vertretungen von Interessensgruppen wie den Bitkom und die Deutsche-Kreditwirtschaft. Wo liegt jetzt der differenzierende Schwerpunkt des FinTechRates?

Um es ganz klar zu sagen: Der FinTechRat ist keine Interessenvertretung. Wir sind ein Gremium aus Expertinnen und Experten, die ausschließlich beratend tätig sind.“

Das sieht man auch bei den Themen, mit denen wir uns beschäftigen. Es geht nicht darum zu überlegen, wie genau ein konkretes Gesetz auszusehen hat. Unser Ziel ist es, relevante Themen und Handlungsgebiete im Finanztechnologie-Kontext aufzuzeigen und Schwerpunkte zu setzen.

Im FinTechRat sitzen jetzt auch Vertreter klassischer Banken und sogar die Vertreter der Bankenverbände BdB, BVR und DSGV. Macht das Sinn?

Über die Hälfte der Mitgliederinnen und Mitglieder sind hauptberuflich bei Startups tätig. Zudem sitzen Im FinTechRat weder der BdB, BVR noch der DSGV.“

Zu den persönlichen Mitgliedern gehören auch Andreas Krautscheid, Andreas Martin und Joachim Schmalzl. Experten aus der Finanzindustrie, die ihre Fachkenntnisse auch an andere Stelle beweisen. Ihre Meinung wird genauso geschätzt wie beispielsweise die Meinung von Carolin Gabor, Iris Kremers und Miriam Wohlfahrt. Durch die unterschiedlichen Perspektiven identifizieren wir gemeinsam die relevanten Themen, mit denen man sich beschäftigen sollte.

Im Netz gab es Irritationen, dass das BMF, die Bundesbank und die BaFin als Mitglieder aus dem FinTechRat ausscheiden. Können sie hier etwas zu den Hintergründen dieser Entscheidung sagen?

Jörg Kukies, Staatssekretär beim BMF, BaFin und Bundesbank sind von der Mitgliedsrolle in eine formale Beobachterrolle gewechselt. Das bedeutet: wir sitzen bei unseren Treffen immer noch in einem Raum, gemeinsam in einer Runde.

Aber das Ministerium gehört nicht mehr zu den Absendern, wodurch die Rolle des FinTechRats als Absender bewusst gestärkt wurde.“

Diese Unabhängigkeit ermöglicht es uns, uns noch stärker als Ratgeber zu positionieren und deutlichere Empfehlungen aussprechen.

Vom Verbraucherberater Hermann Josef Tenhagen gab es den Einwurf, dass in diesem Gremium die Verbraucherseite nicht ausreichend berücksichtigt wäre. Wie stehen Sie zu diesem Vorwurf?

Wir alle denken klar vom Kunden, vom Verbraucher her – etwas anderes ist auch im Kontext der Digitalisierung gar nicht mehr möglich. Unser Fokus im Rat liegt aber eindeutig auf der Klärung von Fragen zur Finanztechnologie. Für andere Fragen gibt es andere Gremien und Veranstaltungen, beispielsweise seitens des BMJV. Ich kann daher gut nachvollziehen, dass wir aktuell so aufgestellt sind, wie wir es sind.

Welche Inhalte vertritt denn der FinTechRat? Im aktuellen Postionspapier zur Cloud-Regulierung stehen vor allem Infrastruktur-Themen und deren Regulierung im Fokus. Was folgt als nächstes?

Die Regulierung des Cloud Computings ist ein ganz elementarer Bestandteil der Digitalisierung und birgt enorme Chancen für den Standort Deutschland, beziehungsweise Europa.

Wir haben jetzt die Möglichkeit, Standards zu definieren, die Sicherheit, Skalierbarkeit, Verantwortung auf Basis klarer Kernkompetenzen und weitere relevante Kriterien optimal verbinden.“

Das macht für die Anwender – und das dürften im Finanzbereich bald alle sein – einen erheblichen Unterschied und fördert das Ökosystem genauso wie den Standort enorm. Weitere aktuelle Beispiel sind die Diskussion einer Europäischen FinTech-Roadmap sowie die Stellungnahme zur Blockchain-Strategie der Bundesregierung, die ebenfalls bereits veröffentlicht ist.

Glauben Sie, dass der FinTechRat in 5 Jahren noch benötigt wird, oder ist FinTech dann ein „New Normal“, das wie selbstverständlich in den Alltag der Finanzbranche integriert ist?

Ich bin überzeugt, dass der FinTechRat noch eine ganze Weile Mehrwert bringen kann. Denn die Digitalisierung wird in 5 Jahren nicht durch sein. Im Gegenteil:

Wir stehen ganz am Anfang, da kommt noch viel auf uns zu, was wir uns heute im Zweifel noch gar nicht vorstellen können.“

Das gilt für die Digitalisierung im Allgemeinen und eben auch für Themen, die die Finanztechnologie betreffen. Umso wichtiger ist es, dass wir genau jetzt die richtigen Grundlagen schaffen, um Deutschland und Europa als wichtigen Standort für Finanztechnologie zu etablieren.

Herr Bartz, vielen Dank für das Interview.Rudolf Linsenbarth

 
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Quelle: Enterprise Ireland
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