STRATEGIE21. August 2018

Innovationen für das Banking von morgen – Teil 2: Drei neue Rollenmodelle

Innovationen
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Wie können Banken mittels Innovationen mit der Markt­ent­wicklung, die ihre Rolle als „Hüter des Geldes“ zunehmend infrage stellt, Schritt halten? Bleibt als Ausweg nur der Wandel in reine Technologie- oder Soft­ware­un­ter­neh­men oder ste­hen an­de­re Al­ter­na­ti­ven zur Ver­fü­gung – wie z.B. in Form neu­er Or­ga­ni­sa­ti­ons- und Ge­schäfts­mo­del­le? Drei Va­ri­an­ten für zu­kunfts­fä­hi­ge Ban­ken: Star­ke Mar­ken als Platt­form­be­trei­ber, Per­so­nal Da­ta Bank un­d ­Cy­ber-Se­cu­ri­ty-as-a-Ser­vice.

von Ralf Keuper

Starke Marken als Plattformbetreiber

Das vielleicht lukrativste Geschäftsmodell, nicht nur im Banking, beruht auf der Attraktivität einer Marke, die durch ihren Vertrauensvorschuss die Kunden an sich bindet und deren Bereitschaft steigert, höhere Preise als für vergleichbare Angebote der Mitbewerber zu bezahlen.

Das Konzept der Bank als digitale Plattform lässt sich auch mit dem Konzept der starken Marke verbinden. Sofern es einem Betreiber gelingt, unter seinem Markennamen eine Plattform mit hoher und nicht nachlassender Anziehungskraft zur Verfügung zu stellen, sind hier z.T. hohe Einnahmen möglich. So könnten Plattformen entstehen, auf denen verschiedene Anbieter (FinTech-Startups aus den unterschiedlichen Bereichen, IoT-Plattformen, Payments, Identity Services) ihre Leistungen und Innovationen zur Verfügung stellen.

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Ein Beispiel ist der Apple Store. So etwas ist auch für Banken denkbar.“

Die Bank würde hier auf die Einhaltung der Governance, der Policy und die Attraktivität der Plattform achten und sich dafür bezahlen lassen. Nur solche Anbieter haben Zugang zur Plattform, die zuvor erfolgreich eine Zertifizierung/Akkreditierung durchlaufen haben.

Permission Based Marketing / Personal Data Bank

Autor Ralf Keuper, Bankstil
Ralf Keuper ist Bank- und Di­plom­kauf­mann und seit rund 15 Jah­ren in ver­schie­de­nen Po­si­tio­nen be­ra­tend im Ban­ken­um­feld tä­tig. Er be­rät Ban­ken bei der di­gi­ta­len Trans­for­ma­ti­on so­wie Fin­Techs bei ih­rem Markt­ein­tritt. Ke­u­per hat un­ter an­de­rem als Se­ni­or Con­sul­tant Ban­king bei der COR&FJA AG und Se­ni­or Con­sul­tant Ban­king & Fi­nan­cing bei Ste­ria Mum­mert Con­sul­ting AG ge­ar­bei­tet. Er kom­men­tiert auf sei­nem Blog Identity Economy die Ent­wick­lun­gen in den Be­rei­chen In­dus­trie 4.0, In­ter­net of Things (IoT) und Di­gi­ta­le Iden­ti­tä­ten, die gro­ße Aus­wir­kun­gen auf das Ban­king ha­ben. Mehr noch: Ban­king wird Teil der Da­ten- und Platt­formöko­no­mie. In ver­schie­de­nen Beiträgen und Veranstaltungen hat er dazu Position bezogen. Alle Beiträge von Ralf Keuper finden Sie hier.
Wenn Daten das neue Öl sind, wie können Banken davon profitieren und Kunden entsprechende Lösungen anbieten?

Eine Möglichkeit besteht darin, sich als Trusted Advisor der Kunden zu po­si­tio­nie­ren, als ei­ne In­stanz, die dar­auf be­dacht ist, die Da­ten der Kun­den vor un­be­rech­tig­tem Zu­griff zu schüt­zen und ei­ne mög­lichst ho­he Da­ten­di­vi­den­de zu er­zie­len.“

Die Banken könnten den Kunden auf Basis der vorhandenen Daten Möglichkeiten aufzeigen, wie sie an bessere Produkte oder Services gelangen können, z.B. beim Hauskauf oder bei der Buchung einer Reise. Die Kunden haben für diese Zwecke zuvor ihre Einwilligung gegeben, die sie jederzeit widerrufen können. Die Bank würde für ihre Vermittlungsdienste und die sichere Verwahrung der Daten entsprechende Provisionen/Gebühren berechnen.

Cyber Security as a Service

Ein weitere Möglichkeit besteht darin, die Kunden, Privatpersonen wie Unternehmen, mit Innovationen in Fragen der Cybersecurity zu unterstützen.

Noch immer genießen Banken in Fragen der Datensicherheit hohes Ansehen.“

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Wenn es ihnen gelingt, ihre Expertise in der Cybersecurity u.a. für die Abwehr von Phishing oder Fraud als Service für Unternehmen, aber auch für Privatpersonen zur Verfügung zu stellen, könnte sich hier ein lukratives Geschäftsfeld erschließen. Weiterhin könnte Banken sich als Hub für vertrauenswürdige digitale Identitäten, sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen und technische Geräte, etablieren. Für diese Form des Risikomanagements würden die Banken entsprechende Gebühren oder Provisionen verrechnen.

Innovationen: Mehr als Back End – Besinnung auf alte Stärken: Risikomanagement und Intermediär

Die verschiedenen Modelle können sich – in Maßen – überschneiden. Wenn die Banken sich nicht auf die Rolle reiner Infrastrukturdienstleister im Back End beschränken, sondern in ihrer Funktion als Risikomanager und Intermediäre sichtbar sein und bleiben wollen, dann bedarf es eines neuen Selbst- und Rollenverständnisses.

Die personellen und technischen Potenziale sind in weiten Teilen vorhanden. Was noch fehlt, ist die Anpassung der Organisationsstrukturen und der Unternehmenskultur an die neuen Realitäten der digitalen Ökonomie.“Ralf Keuper

 
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