STRATEGIE20. Oktober 2017

IoT, Chatbots, Blockchain – neue Technologien krempeln Banken und Versicherer grundlegend um

Rahul Singh, Präsident HCLHCL

Das Internet der Dinge (IoT) spielt eine Schlüsselrolle bei der Transformation der Finanzbranche. Die Basis hierfür bilden riesige Datenmengen, die in Echtzeit verfügbar sind und ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Wie können künftige Anwendungsfälle von IoT-Lösungen in der Versicherungsbranche und Bankenwelt aussehen? Vor welchen Herausforderungen stehen Unternehmen in diesem Sektor und welche weiteren Branchentrends neben dem IoT beeinflussen die Finanzindustrie?

von Rahul Singh, Präsident HCL

Das Internet der Dinge hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Finanzbranche. Die Herausforderungen für die Unternehmen sind meist recht ähnlich. Am wichtigsten ist oft die Entscheidung, welche Geschäftsprozesse von der Einführung des Internets der Dinge profitieren können – und welche nicht.

IoT für KfZ-Versicherer

Das Internet der Dinge spielt vor allem bei der Transformation der Versicherungsbranche eine Schlüsselrolle, da hier sehr viele Daten verarbeitet werden. Hier gibt es zahlreiche Anwendungsfälle, um die Finanzleistung durch eine Verbesserung von Rating, Preisgestaltung, Verlustvermeidung oder Betrugsbekämpfung zu verbessern. Auch die Kundenbindung lässt sich durch Mehrwertdienste erhöhen.

Ein Anwendungsfall ist der Einsatz von Telematik bei Autoversicherungen. Fahrparameter wie starkes Bremsen oder enges Kurvenfahren, aber auch Tageszeit und Fahrtdauer werden zur Analyse und Korrelation mit Versicherungsfällen erfasst. Versicherer können dann besonnene Fahrer mit günstigeren Prämien belohnen und damit sicherere Fahrgewohnheiten fördern.

Zudem ermöglichen IoT-Lösungen eine exakte Anpassung der KfZ-Versicherungsprämien an das Verhalten des Fahrers. Mit Hilfe riesiger Datenmengen, die dank vernetzter Autos in Echtzeit zur Verfügung stehen, können Versicherungsunternehmen immer mehr Faktoren für ihre leistungsfähigen statistischen Analysen berücksichtigen. So kann zum Beispiel mobile Telematik eine Telefonnutzung während der Fahrt erkennen. Gerade dieses Fehlverhalten hat in den letzten Jahren zu immer häufigeren und schwereren Schäden geführt.

Gebäudeschäden vermeiden

Einen weiterer wichtiger Anwendungsfall ist die Nutzung von Smart-Home-Geräten und Wetterdaten, um Schäden an Häusern zu mindern sowie den Kundenservice zu verbessern. Laut einer Studie von ISO sind Wind/Hagel und Frost-/Wasserschäden die Hauptursachen für Versicherungsfälle im Bereich Wohngebäude.

Autor Rahul Singh, HCL
Rahul Singh ist Präsident der Finanzdienstleistungen im vertikalen Markt sowie der Business Services-Division (BPO – Geschäftsdienstleistungen) bei HCL. Er führt die beiden Geschäftszweige von Vertrieb und Auslieferung sowie von der Beschaffung bis zur Auslieferung.

Eine IoT-basierte Lösung nutzt Temperatursensoren, Wasserleck-Suchgeräte und Wetterdaten, um durch proaktives Handeln vor einem schweren Unwetter Verluste zu reduzieren. Sie zielt auch darauf ab, die Schadensintensität durch schnelle Maßnahmen nach einem solchen Ereignis zu verringern. Detaillierte ortsbezogene Wetterdaten dienen dabei zur Schätzung der Anzahl betroffener versicherter Objekte für die Planung des Aufwands sowie die Verbesserung der Schadensfallmeldung und -regulierung.

Mit der zunehmenden Verbreitung des Internets der Dinge im täglichen Leben werden immer mehr Quellen für solche Informationen zur Verfügung stehen. So erhalten Versicherer ständig weitere Möglichkeiten, um persönliche Prämien auf der Grundlage von Lebensgewohnheiten und persönlichen Situationen anzubieten.

Zum Beispiel bietet schon heute das US-amerikanische Versicherungsunternehmen Allstate einen Rabatt von bis zu 25 Prozent auf Prämien, wenn intelligente Überwachungssysteme für die Absicherung eines Hauses installiert sind.“

Trends bei Banken

Auch Banken können von IoT-Prozessen profitieren. Zum Beispiel werden hier zunehmend Chatbots mit Künstlicher Intelligenz (KI) genutzt. Dieser Trend zeigt sich nicht nur bei Banken in Industrienationen, sondern weltweit. So hat vor kurzem die in Kasachstan beheimatete digitale Bank B1NK einen Chatbot gestartet, der mit Kasachisch, Englisch und Russisch drei Sprachen spricht. Er beantwortet Fragen zu Geldautomaten, Bankstandorten, Wechselkursen, Kundenhistorie sowie Kartensaldo und hilft dabei, Karten zu sperren, Ausgabelimits festzulegen oder mobile Geldüberweisungen zu tätigen.

Ein Grund für diesen Trend ist die zunehmende Frustration der Kunden durch lange Wartezeiten in der Filiale und bei Call Centern. Sie haben heute oft nicht mehr die Geduld, sich in einer echten oder virtuellen Warteschlange anzustellen. Sie erwarten stattdessen eine sofortige Antwort, auch wenn diese von einem automatischen Chatbot kommt. Dieser Trend dürfte sich in den kommenden Jahren durchsetzen.

Blockchain ist ein weiteres wichtiges Thema. Die Technologie basiert auf speziellen Datenbanken, die Transaktionsdaten ohne zentrale Kontrollinstanz und vollständig transparent verwalten können. Aufgrund des bereits erkennbaren hohen Interesses dürfte sie in den nächsten drei bis fünf Jahren die Finanzbranche ähnlich stark verändern wie das Internet. Dabei gehen die Anwendungsmöglichkeiten weit über das derzeit bekannteste Beispiel, die digitale Kryptowährung Bitcoin, hinaus. So möchten Banken damit Prozesse schneller und kostengünstiger gestalten.

Zudem suchen Banken weiterhin nach Möglichkeiten, mit der neuen Generation von FinTech-Unternehmen zusammenzuarbeiten. Sie werden heute nicht mehr als Konkurrenten angesehen, sondern als Partner, um ohne großen Zeit- und Kapitalaufwand Zugang zu neuen Technologien zu erhalten. Auch hier spielen IoT-Prozesse häufig eine wichtige Rolle.

Erwägungen auf dem Weg zu IoT, Bots und Blockchain

Die Auswahl des richtigen Technologiepartners ist ein wichtiger erster Schritt, damit die Implementierungen in der Praxis erfolgreich sind. Unternehmen sollten einen Partner wählen, der in Zusammenarbeit mit der eigenen IT-Abteilung die besonderen individuellen Herausforderungen kennt und dabei hilft, die Bereiche zu identifizieren, die vom Internet der Dinge am meisten profitieren.

Eine weitere zentrale Herausforderung bildet das Thema Sicherheit. Wenn die Prozesse korrekt implementiert sind, spielt diese in der Regel jedoch keine allzu große Rolle. Dabei müssen die Standards für die Netzwerksicherheit eingehalten und ausgebaut werden, wobei Bereiche wie Geräte-Patching, Datenverschlüsselung, Datenschutz und Zugriffsmanagement vor der Einführung von beispielsweise IoT zu überprüfen sind.aj

 
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