STRATEGIE31. Oktober 2019

Legacy-IT und gescheiterte IT‑Projekte: Untote zehren an der IT-Infrastruktur

Für Pegasystems sind gescheiterte IT-Projekte wie Untote zu Halloween
vladimircaribb/bigstock.com

Halloween in der IT? Anstatt gescheiterte IT-Projekte endgültig zu begraben, lassen sie Banken und Versicherer öfter als blutsaugende Untote weiter leben. Das ist keine gute Idee, denn sie belasten die IT-Landschaft und ziehen Ressourcen ab, sagt Pegasystems.

von Carsten Rust, Senior Director Client Innovation EMEA Pegasystems

Obwohl Unternehmen die Wirtschaftlichkeit und technische Machbarkeit von IT-Projekten oft sehr akribisch evaluieren, …

… schaffen es 50 bis 70 Prozent der neu entwickelten Systeme nicht, den versprochenen Mehrwert zu liefern.

Ein Hauptgrund ist, dass Anwendern erst das „fertige“ System vorgesetzt wird – ohne dass sie die Möglichkeit hatten, es im Vorfeld zu testen oder gar zu akzeptieren. Ein Scheitern wird damit in aller Regel viel zu spät erkannt, und die erhoffte Produktivitätssteigerung bleibt aus.

Trotzdem machen die meisten Unternehmen keinen Rückzieher: aufgrund der getätigten Investitionen ist kaum jemand bereit, ein neues System endgültig zu begraben.“

Der Vampir ist unsterblich, und ebenso ist es mit vielen IT-Systemen. Wegen der hohen Investitionen halten sie Unternehmen künstlich am Leben, obwohl sie die IT belasten und unnötig Ressourcen abziehen. Die Systeme werden zu untoten Vampiren. Schlimmer noch: Oft bessern Unternehmen auch noch nach und investieren weiter. Die untoten Blutsauger werden damit nicht lebendiger, ziehen immer mehr Ressourcen ab und binden Mittel, die für wichtige Innovationen fehlen.

Autor Carsten Rust, Pegasystems
Carsten Rust, Senior Director Client Innovation EMEA PegasystemsCarsten Rust ist seit 2006 bei Pegasystems (Website) und Senior Director Client Innovation. In sei­ner fast 20jäh­ri­gen IT-Kar­rie­re hat er nam­haf­te Un­ter­neh­men bei der Um­set­zung ih­rer pro­zess­zen­trier­ten Vor­ha­ben be­ra­ten und un­ter­stützt. Vor Pe­ga­sys­tems war er als Di­rec­tor of Fi­nan­ci­al So­lu­ti­ons bei der ab­a­XX Tech­no­lo­gy AG tä­tig. Sei­ne Kar­rie­re star­te­te er als Berater für Group­ware und Work­flow bei der USU Soft­ware AG. Er stu­dier­te In­for­ma­tik an der Uni­ Stutt­gart.
Die Ineffizienzen und Ressourcenbelastung der Vampir-Systeme sind das eine, die Mitarbeiterunzufriedenheit das andere. Sie führt dazu, dass eine Schatten-IT wuchert, also kleine Systeme, die sich die Anwender mit gängigen Office- oder Cloud-Anwendungen selber bauen, um ihre Arbeit im Rahmen der Vorgaben erledigen zu können. Damit entsteht gewissermaßen ein Friedhof der IT-Systeme, der immer mehr Monster anzieht.

Wenn diese Monster bereits ihr Unwesen treiben, ist an einen schnellen Ausstieg aus dem Dilemma kaum noch zu denken. Unserer Meinung nach gilt aber trotzdem: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende – meint Pegasystems. Viel wichtiger noch sei, dass ein Unternehmen erst gar nicht in eine solche Situation kommt. Das Heilmittel lautet, nicht den Verlockungen von Technologien hinterherzurennen, sondern von Anfang an die Bedürfnisse der potenziellen User des neuen Systems in den Mittelpunkt zu stellen, etwa durch den Einsatz von Design Thinking. Damit stellen Unternehmen die Akzeptanz neuer Systeme sicher.Carsten Rust, Pegasystems

 
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