STRATEGIE16. Juli 2026

Open Banking: Waffe der Fintechs oder Chance für Banken?

Schwerpunkt: Fintech – Kooperation & Konkurrenz
Arne Roetzmeier, Leiter Value Added Services bei Visa Zentraleuropa, thematisiert die Rolle von Open Banking im Kontext der Beziehung zwischen Fintechs und Banken, die sowohl als Konkurrenten als auch als Partner agieren können.
Arne Roetzmeier, Leiter Value Added Services, Visa Zentraleuropa Visa

Open Banking steht wie kaum ein anderes Thema exemplarisch für die Frage, ob Fintechs und Banken künftig eher Konkurrenten oder Partner sind. Denn durch offene Schnittstellen erhalten Fintechs Zugang zu denselben Kontodaten wie etablierte Banken – und damit die technische Grundlage, um traditionelle Bankdienstleistungen direkt anzugreifen. Doch gleichzeitig können Banken genau diese Infrastruktur nutzen, um mithilfe spezialisierter Plattformen wie Tink selbst kundenzentrierter zu werden, statt sich von Fintechs abhängen zu lassen. Damit wird deutlich: Open Banking ist kein Nullsummenspiel zwischen Banken und Fintechs, sondern ein Katalysator, der je nach Strategie sowohl Wettbewerbsdruck als auch neue Kooperationsmodelle hervorbringen kann.

von Arne Roetzmeier, Leiter Value Added Services, Visa Zentraleuropa

Bankkunden von heute erwarten, dass ihre Banking-App genauso intelligent und personalisiert ist wie digitale Services in anderen Lebensbereichen. KI-gestützte Anwendungen und datenbasierte Empfehlungen treiben diese Entwicklung zusätzlich. Für Banken entstehen daraus sowohl Herausforderungen als auch die Chance, vorhandene Finanzdaten in relevante Einblicke, Services und Mehrwert zu übersetzen.

Open Banking hat sich von einer regulatorischen Anforderung zu einem Wettbewerbsfaktor entwickelt.

Wer Open Banking primär als Pflichtaufgabe betrachtet, verpasst die Möglichkeit, daraus einen strategischen Hebel für bessere Kundenerlebnisse und zusätzliche Ertragspotenziale zu machen.“

Vom Budgeting-Tool bis zur schnellen Kreditlösung

Die entscheidende Frage ist nicht, ob Daten verfügbar sind, sondern wie sie genutzt werden. Dabei sind die Anwendungsfälle vielseitig. Mithilfe von Transaktionsdaten können Banking-Apps deutlich aufgewertet werden – etwa durch automatische Ausgabenkategorisierung, Budgetübersichten oder Prognosen zur Kontostandsentwicklung. Auch Finanzcoaching-Ansätze lassen sich darauf aufbauen und so die Relevanz der Banking-App im Alltag erhöhen.

Ein weiterer wichtiger Anwendungsfall ist die Kreditvergabe. Open Banking ermöglicht es Kreditgebern, Einkommen, Ausgabeverhalten und finanzielle Spielräume auf Basis aktueller Kontodaten zu bewerten. Die Chance: schnellere Entscheidungen, geringere Abbruchquoten und potenziell fairere Bonitätsprüfungen.

Auch im Zahlungsverkehr entstehen zusätzliche Möglichkeiten. Mit Pay by Bank können Kunden direkt aus ihrem Onlinebanking heraus bezahlen. Damit können Banken ihre Rolle beim digitalen Bezahlen um kontobasierte Optionen erweitern.

Eine konsistente Datenbasis als Voraussetzung

Open Banking schafft den Zugang zu Kontodaten. Damit nutzbare Services entstehen, müssen Daten verarbeitet und vereinheitlicht werden. Transaktionsdaten sind häufig uneinheitlich, unstrukturiert und schwer vergleichbar. Erst wenn sie intelligent angereichert werden – etwa durch Kategorisieren, Normalisieren und Kontextualisieren –, entsteht ein konsistentes Bild für Services und Analysen.

Hier können spezialisierte Plattformen wie die Visa Lösung Tink eine zentrale Rolle spielen. Sie bündeln den Zugang zu Kontodaten aus verschiedenen Quellen, bereiten diese für konkrete Anwendungen auf und stellen sie über eine standardisierte Schnittstelle zur Verfügung. Für Banken reduziert sich damit die Komplexität der Anbindung an unterschiedliche Institute.

Autor: Arne Roetzmeier, Visa
Arne Rötzmeier, Head of Value Added Services für Zentraleuropa bei Visa, präsentiert sich in einem professionellen Umfeld. Seine Rolle umfasst die Integration von Open Banking in innovative Zahlungsdienstleistungen.
Arne Roetzmeier, Leiter Value Added Services, Visa Zentraleuropa Visa

Arne Rötzmeier ist Head of Value Added Services für Zentraleuropa bei Visa (Website) und verantwortet die Bereiche, die über die klassische Zahlungsabwicklung hinausgehen. Die von ihm verantworteten Lösungen unterstützen Kunden insbesondere bei der Umsetzung moderner Zahlungssysteme – mit Fokus auf Betrugsprävention, technischer Agilität und der Optimierung der Customer Experience.

Entscheidend ist die Qualität der API. Hochwertige Schnittstellen zeichnen sich durch Zuverlässigkeit, stabile Performance und eine konsistente Nutzererfahrung aus. Sie helfen dabei, digitale Banking-Angebote effizient weiterzuentwickeln und im Wettbewerb zu differenzieren.

Strategische Perspektive für Banken

Das Open-Banking-Ökosystem hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Zunehmende Standardisierung und leistungsfähigere Lösungen zur Datenanreicherung markieren den Übergang in eine reifere Phase, in der sich genannte Anwendungsfälle zunehmend skalieren lassen. Das Zusammenspiel aus Open Banking und Datenanreicherung verbessert das Kundenerlebnis und eröffnet Finanzinstituten neue Möglichkeiten, um die Beziehung zur Primärbank zu festigen: von optimierten Onboarding- und Kreditprozessen über personalisierte Zusatzservices bis hin zu datenbasierten Finanzangeboten.

Banken können so in einem zunehmend fragmentierten Markt ihre bestehende Kundenbasis gezielter aktivieren und ihre Position gegenüber Fintechs und anderen Marktteilnehmern stärken. Zugleich schaffen sie die Grundlage für die nächste Evolutionsstufe: Mit Open Finance entsteht ein erweitertes Ökosystem, in dem Daten aus unterschiedlichen Finanzprodukten und von verschiedenen Anbietern zusammengeführt werden können. Das ermöglicht einen umfassenderen Blick auf die finanzielle Situation und schafft die Basis für noch relevantere und stärker personalisierte Angebote. Arne Roetzmeier, Visa/dk

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