FINTECH15. März 2021

Pockid startet Banking-Angebot für Jugendliche mit Mastercard-Debitkarte

Pockid

Ein spezielles Digitalbankangebot nur für die Generation Z? Das hat doch schon vor Jahren nicht wirklich funktioniert (erinnert sich noch wer an den N26-Vorläufer Papayer?). Und doch versucht es mit der Neobank Pockid jetzt ein neues Banking-Angebot eines Hamburger FinTechs – mit im Boot als Provider der Debitkarte: Mastercard. Doch angesichts der Konditionen und Features dürfte es das Angebot gegen andere Banken schwer haben.

Die Generation Z, also junge Menschen, die zwischen Mitte der 90er Jahre und 2010 geboren wurden, haben, so das Narrativ der Marketer, besondere Ansprüche an ihr Bankkonto: In Zusammenarbeit mit Mastercard bietet das Hamburger FinTech Pockid ein neues – man ahnt es – vornehmlich digitales Bankprodukt. Das sei, zusammen mit der Generation Z erdacht und entwickelt worden und solle ab April verfügbar sein. Das Pockid-Angebot besteht aus Bankkonto, Banking App (iOS und Android) und einer virtuellen und physischen Debit Mastercard, wahlweise aus Kirschholz. Eine Banking-Karte aus Holz hat uns die Tomorrow-Bank schon in Aussicht gestellt – und die hat wenigstens mit ihrem nachhaltigen Ansatz einen guten Grund für derlei Extravaganz.

Wie eine kürzlich im Auftrag von Pockid durchgeführte Umfrage unter mehr als 1000 Jugendlichen zeigt, geht man davon aus, dass gerade jetzt die Zeit für ein solches Angebot reif sein könnte. Denn obwohl die Jugendlichen in vielen Bereichen ihres Lebens digitale Services nutzen, sei das bei Finanzprodukten bislang deutlich seltener der Fall. So besitze knapp ein Drittel der Befragten (30 %) bislang gar kein eigenes Bankkonto und mehr als die Hälfte der Jugendlichen (58 %) erhält ihr Taschengeld weiterhin ausschließlich in bar. Gleichzeitig geben sie inzwischen das meiste Geld online aus (53 %). In dem Fall müssen viele auf die Zahlungsmittel ihrer Eltern zurückgreifen (33 %) oder Gutscheine und Geschenkkarten (28 %) nutzen.

Pockid: Eltern haben Möglichkeiten, Einblick zu nehmen

Mit dem Angebot von Pockid will man für Jugendliche eine zeitgemäße Lösung schaffen, die dazu beiträgt, digital und analog selbständig mit den knappen finanziellen Mitteln umzugehen. Das Konto funktioniert ausschließlich auf Guthabenbasis, so dass Nutzende es nicht überziehen können. Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren erhalten Eltern zudem einen eigenen digitalen Zugang – ob das jetzt im Sinne der Jugendlichen ist und ob beispielsweise Eltern von Jugendlichen knapp vor der Volljährigkeit so etwas vernünftig finden, sei mal dahingestellt.

Ob die junge Generation wirklich noch über kein solches Bankangebot verfügt, sei einmal dahingestellt. Schülerkonten gibt es reichlich, auch wenn erwartungsgemäß nicht alle so digital sind wie ein Vivid- oder N26-Konto. Dennoch sind sich die Macher von Pockid sicher, eine Marktlücke gefunden zu haben:

Jess Hennig / Pockid

Mit Pockid wollen wir diese Lücke schließen und bieten eine Kombination aus Bankkonto, Banking-App und einer Debit Mastercard an, mit der junge Menschen online wie offline selbständig und sicher bezahlen können. Dabei haben Jugendliche und Eltern gleichermaßen jederzeit einen Überblick über die Finanzen.“

Jes Hennig, Mitgründer und CEO von Pockid

Das Start-up bietet ein Jugendkonto für Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 18 Jahren, dessen volldigitaler Prozess mit Hilfe eines Elternteils binnen Minuten durchlaufen sein soll. Dabei erhält der Kunde einen eigenen Web-Zugang, mit dem er das Konto in Echtzeit aufladen, Bargeldabhebungen hinzufügen und einen wiederkehrenden Taschengeld-Assistenten nutzen kann. Über das Dashboard lässt sich die Debit Mastercard einfrieren oder sperren. Wer über 18 ist, kann das Konto natürlich auch ohne Zustimmung der Eltern eröffnen. Zum Konto gehört eine App mit den üblichen Monitoring-Features für die Finanzen, Einnahmen und Ausgaben. Zudem können Pockid-Nutzer untereinander Geld anfragen und versenden oder Überweisungen tätigen.

Pockid: Wahl zwischen Neo Beginner und Neo Pro

Zwei Kontomodelle stehen zur Auswahl: Neo Beginner und Neo Pro. Bei beiden Produkten erhalten die Nutzer eine Debit Mastercard, wobei sie zwischen einer Karte im klassischen Design sowie, als einer der ersten deutschen FinTechs, einer Karte aus Kirschholz wählen können, die aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt. Passend für die Generation Z sind die Karten „selfie-ready“: Auf der Frontseite der Karten stehen also keine persönlichen Informationen, so dass die Nutzenden ihre Einkäufe ohne Risiko mit dem Smartphone dokumentieren und auf Social Media posten können.

Die Gebühren variieren je nach Produkt, starten bei 2,99 EUR monatlich (Details teilt das Unternehmen noch nicht mit) und werden für Nutzer unter 18 Jahren von deren Eltern getragen. Doch das Beginner-Konto ist extrem beschnitten: Es ermöglicht weder SEPA-Überweisungen, hat ein Konto-Guthabenlimit von 150 Euro und ein Auszahlungslimit von 150 Euro (maximal 50 pro Abhebung).

Bei der Debit Mastercard werden die bezahlten Beiträge, man ahnt es, direkt vom Konto abgebucht – das ermögliche, so heißt es in einer Unternehmensmitteilung, Kontrolle über ihre Kosten, was vielleicht auch tatsächlich ein guter Ansatz ist. Die Debit-Mastercard unterstützt Online- und Offline-Handel sowie das kontaktlose Bezahlen via NFC-Funktechnologie, welches im vergangenen Jahr einen starken Anstieg in der Nutzung verzeichnete.

Mastercard

Pockid gibt der GenZ die Möglichkeit, ihr eigenes Konto zu führen und mit der Debit Mastercard digital und kontaktlos zu bezahlen – und das bei voller Kostenkontrolle. So wird jungen Menschen ein sicherer, selbstständiger und zeitgemäßer Umgang mit dem eigenen Geld ermöglicht. Wir freuen uns sehr, dieses Angebot gemeinsam mit pockid zu starten.“

Peter Bakenecker, Division President für D/CH Mastercard

Der konkrete USP der Neobank für Jugendliche fehlt noch

Ob das Angebot im Jahr 2021 erfolgreich ist, bleibt abzuwarten. Marketingtechnisch erschließt es sich nur begrenzt, Jugendliche spezifisch anzusprechen, wenn man nicht wie etwa Vivid, Klarna oder die Comdirect mit Features rund um den Einkauf oder Kickback-Programme anbieten kann. So wirklich erschließt sich der USP des Anbieters angesichts von Paypal, Klarna und Co. auf der einen und den etablierten Banken, die freilich auch alle eine App bieten, nicht.

Ein Konto, das 2,99 Euro monatlich kostet und derart beschnitten ist wie das Beginner-Kontomodell, dürfte für die Wenigsten attraktiv sein, der Preis des vollwertigen Kontos mit Überweisungsfunktion (eigentlich ein Must-Have selbst für Jugendliche) soll „unterhalb des Preises für ein Netflix-Abo“ liegen, was immer das auch genau heißt. Der Hinweis in den FAQ, dass der Kunde immer dann selbst das Produkt ist, wenn er nicht dafür zahlt, ist für potenzielle Kunden da nur ein sehr schwacher Trost und ein Argument, das nicht verfangen wird.

Demnach wird es das Hamburger Start-up auf einem Markt, der heute deutlich voller ist als noch vor ein paar Jahren, nicht leicht haben, sich ohne ein klares Profil, das noch dazu einen gewissen Coolness- und Haben-will-Faktor ausstrahlt, zu behaupten. Die berühmte Killerapplikation oder -kooperation wird darüber entscheiden, wie erfolgreich ein solches Produkt sein kann. Gerade der stets präsente Schulterblick der Eltern ist nicht das, was junge Leute wollen werden. Nettes Detail am Rande: Eigentlich wollte Pockid schon letztes Jahr mit Wirecard als Banking-Partner starten – daraus wurde aus bekannten Gründen nichts. Banking-Partner des Angebots ist jetzt der belgische Partner PPS, der auch für FinTechs wie Klarna, Monese und Tide tätig ist.tw

 
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