PRODUKTE21. Januar 2020

Qonto: Französische Neobank sammelte 104 Millionen Euro ein – auch von Tencent

Qonto/ Quentin Chevrier Avril

Qonto, eine französische Neobank für Geschäftskonten, hat die Series-C-Finanzierungsrunde abgeschlossen, die immerhin 104 Millionen Euro schwer ist. Das neue Kapital kommt unter anderem vom chinesischen Digitalkonzern Tencent. Damit tritt das Unternehmen, das Ende Januar in Deutschland an den Start gehen will, in den Markt der Geschäftskonten für kleine und mittelständische Unternehmen ein, der bereits mit Neobanken und Startups wie Holvi, Kontist, Fyrst und Penta stark besetzt ist.

Die Finanzierungsrunde beim französischen Neobank-Start-up Qonto wird angeführt vom chinesischen Digitalkonzern Tencent – mit Unterstützung von DST Global sowie den bestehenden Investoren Valar und Alven. Insgesamt hat Qonto damit seit der Gründung 136 Millionen Euro eingesammelt. Das Unternehmen, das sich als „führende Neobank für Geschäftskonten in Europa“ positionieren will (mit diesem Ansinnen aber freilich nicht alleine ist), erklärt, dass es sich bei der Finanzierung um die bisher größte Series-C-Finanzierung in ein französisches FinTech handele.

Qonto bietet KMUs, Startups und Selbstständigen ein digitales Geschäftskonto mit einer Vielzahl passender Features und Services und konnte nach Angaben des Unternehmens innerhalb von zweieinhalb Jahren über 65.000 Unternehmen zu einem digitalen Geschäftskonto verhelfen. Die Neobank nutzt das Investment zur Skalierung in den bereits vertretenen europäischen Märkten und baut seine führende Marktposition in Frankreich damit weiter aus. Das Team soll von 200 auf 300 Mitarbeiter vergrößert werden. Für Deutschland ist eine Beschleunigung des Wachstums über alle Marketingkanäle sowie die stärkere Lokalisierung des Produkts geplant.

Head of DACH Qonto Philipp Pohlmann
Qonto

Wir sind davon überzeugt, dass Qonto insbesondere für deutsche Unternehmen und Gründer einen deutlichen Mehrwert bietet und werden einen signifikanten Anteil der Finanzierungssumme für die weitere Produktlokalisierung und Einführung neuer Services einsetzen. Zusätzlich zum bereits eingeplanten Marketingbudget für 2020 hilft uns die Finanzierung dabei, das Wachstum im lokalen Markt weiter zu beschleunigen.“

Philipp A. Pohlmann, Country Manager Deutschland bei Qonto

Qonto ist seit 2018 ein eingetragenes Zahlungsinstitut und hat 2019 ein eigenes Kernbankensystem aufgebaut. Bis Ende 2020 plant das FinTech den Erhalt einer Banklizenz. „Neben dem Aufbau langfristiger lokaler Partnerschaften wird eine eigene Banklizenz neue Produkte ermöglichen und unser Angebot für Unternehmen und Gründer deutlich ausweiten.”

Für den chinesischen Riesen Tencent ist ein solches Investment im zweistelligen Millionenumfang eher ein vertretbarer Aufwand, zeigt aber, dass man in einem Markt präsent sein will. Und gerade der europäische Handel mit sämtlichen Technologien drum herum (insbesondere Payment) spielt für Tencent eine wichtige Rolle. Hier in Qonto zu investieren, nutzt beiden Partnern gleichermaßen, weil es Qonto natürlich auch zu internationalem Renommee verhilft.

Auf die zusätzlichen Services und das Upselling kommt es an

Dabei ist zumindest für die westeuropäischen entwickelten Märkte, insbesondere für Deutschland, Qonto bei Weitem nicht der erste Player, der die interessante, da upselling-fähige Klientel der Gründer, Selbstständigen und kleinen Mittelständler anspricht. Mit Holvi, Kontist, Fyrst und Penta ist der Markt hierzulande eigentlich schon ganz gut gesättigt – und ein weiterer Player aus der Liga der Neobanken im benachbarten Ausland arbeitet ebenfalls an einer solchen Lösung, die im Laufe des ersten Halbjahrs in Deutschland an den Start geht. Hinzu kommen die nicht rein KMU-fixierten Neobanken wie die N26.

Will sagen: Auch dieser Markt ist nicht unerschöpflich und auch hier wird man über kurz oder lang Kapital verbrennen und einsehen müssen, dass eine Nische eben eine Nische ist, die sich nicht beliebig erweitern lässt. Es kommt hier aber sicherlich darauf an, wie geschickt es den Anbietern gelingt, passende zusätzliche Services zu verkaufen – vom Unternehmenskredit über die Betriebshaftpflichtversicherung bis hin zu Inkassodiensten für Unternehmen. Wer hier ein stimmiges Konzept bei schlanken Gebührenstrukturen für die Unternehmen liefern kann, wird langfristig gute Chancen haben, weil die genannte Zielgruppe vielen etablierten Banken nicht ertragreich genug war, um wichtig zu sein.tw

 
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