STRATEGIE7. Oktober 2021

Neue S-Hub-Chefs zünden Ideen- und Trend-Feuerwerk! Das Interview mit Milena Rottensteiner & Janosch Krug

Der Sparkassen Innovation Hub, kurz S-Hub (Website), will als Trend- und Ideenscout das Ohr am Puls der digitalen Verbraucher haben – um den Sparkassen einen Vorsprung zu sichern. Den beiden neuen Leitern Milena Rottensteiner und Janosch Krug genügt das nicht. Sie wollen mehr Ge­schwin­dig­keit und zünden im Interview ein bemerkenswertes Produkte-, Ideen- & Trend-Feuerwerk …

S-Hub - die Chefs Milena Rottensteiner & Janosch Krug machen ordentlich Geschwindigkeit
Star Finanz

Frau Rottensteiner, Herr Krug, was wollen Sie als neue S-Hub-Leitung verändern bzw. verbessern?

Janosch Krug:

Der Schwerpunkt unserer Arbeit wird sich verändern. Das hat aber nichts mit Verbesserung zu tun, sondern mit Weiterentwicklung.“

In den ersten vier Jahren war der konzentrierte Aufbau einer Innovationseinheit und dementsprechend das Scouting von Ideen und Trends der vornehmliche Auftrag des S-Hub. Wir haben nun allerdings eine Phase erreicht, in der die Idee allein uns nicht mehr ausreicht. Für uns werden in Zukunft deshalb vor allem Vernetzung sowie die Übergabe und Begleitung von Ideen bis zur Umsetzung im Mittelpunkt stehen, um so einen noch stärkeren Mehrwert für unsere Partner und die Kunden der Sparkassen zu schaffen.

Nun ist für das Thema der Vernetzung in der Sparkassen-Finanzgruppe ja eigentlich die Finanzinformatik zuständig, oder nicht? Warum wollen Sie da mit dem Sparkassen Innovation Hub in die gleiche Kerbe schlagen?

Janosch Krug, Chef im S-Hub
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Krug: Ich würde nicht sagen, dass wir in die gleiche Kerbe schlagen. Es sind eher zwei Seiten einer Medaille. Der S-Hub wurde damals mit der Intention gegründet, als Innovationseinheit bewusst anders zu arbeiten als der Rest der Gruppe und Zugang zu einer anderen Form der Methodik zu bieten. Wir bringen deshalb eine andere Perspektive mit und kommunizieren durch die Vernetzung vor allem das gelebte Mindset des S-Hub. Da wir auch für das Trend- und Ideen-Scouting verantwortlich sind, unterstützen wir außerdem dabei, die Meinungsbildung innerhalb der Gruppe zu neuen Themen zu forcieren.

Milena Rottensteiner: Wir sind nicht nur, was Trends anbelangt, quasi der Draht nach außen. Wir vernetzen die Sparkassen-Finanzgruppe auch mit externen FinTechs und Experten und agieren als Schmelztiegel, in dem vielversprechende Ideen zusammengetragen und umgesetzt werden.

Welche Trends sehen Sie denn derzeit im technischen Bereich?

Rottensteiner: Vor allem technologische Trends spielen für unsere Arbeit im S-Hub eine große Rolle.

Deswegen haben wir einen sogenannten Foresight-Prozess entwickelt – darunter versteht man die strategische Früherkennung von Trends.“

So können wir relevante Entwicklungen im Banking-Bereich und darüber hinaus frühzeitig identifizieren, um für die Sparkassen wichtige Trends abzuleiten.

Hierbei beschäftigen wir uns unter anderen mit Themen wie verhaltensbasierter Biometrie, der Distributed Ledger Technologie und einhergehend damit der Tokenisierung, Smart Contracts oder dem Metaverse.“

Krug: Ein weiterer technologischer Trend, mit welchem wir uns zurzeit auseinandersetzen, ist das Thema Embedded Finance, also die Integration von Finanzprodukten oder -dienstleistungen in nicht-Finanzprodukte wie etwa Social Media. Hierbei werden klassische Finanzprodukte – beispielsweise Finanzierungen – in bestehende Customer Journeys eingefügt, um es dem Kunden so leicht wie möglich zu machen, diese in seiner gewohnten digitalen Umgebung abzuschließen und zu nutzen. Dies bietet immenses Potenzial, neue Märkte und Zielgruppen zu erschließen.

Die technische Einbindung erfolgt zumeist über technische Programmierschnittstellen, sogenannte APIs, die eine Verknüpfung von IT-Systemen ermöglichen. Umgekehrt können neue Banking-Produkte auch in die bestehenden Lösungen der Sparkassen integriert oder neue Lösungen geschaffen werden.

Rottensteiner: Hier arbeiten wir sehr eng mit wallis [mehr hier; Anm. d. Red.], dem API-Portal der Sparkassen Finanzgruppe, zusammen. Die Kooperation findet so quasi inhouse statt, da es sich hierbei um eine Tochtergesellschaft der Star Finanz handelt. Auf diese Weise können wir auch eigene (prototypische) Umsetzungen initiieren.

Und mit welchen Anwendungen können die Sparkassenkunden aus Ihrer Richtung rechnen?

Milena Rottensteiner , Chefin im S-Hub
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Rottensteiner: Kryptowährungen sind ein wichtiges Zukunftsthema. Es kann jedoch schwierig sein, einen Überblick über den sich schnell entwickelnden Kryptomarkt zu behalten.

Mit der im S-Hub entstandenen Idee „Skrypto“ können Nutzer in Form eines Skrypto-Coins in einen Basket von Kryptowährungen investieren und so ihr Portfolio mühelos diversifizieren.“

In einer Vorstudie im AP „Tokenisierung digitaler Assets“ des DSGV-Projektes „Digitaler Euro“ untersuchen dwpbank, FI, KSK Reutlingen, LBBW, EY, DSV, Deka, DSGV und der S-Hub gemeinsam eine Umsetzungsmöglichkeit des Skrypto-Coins sowie einer Krypto-Wallet mit dem Ziel, perspektivisch auch weitere Assets tokenisiert emittieren zu können. Dies geschieht in Abhängigkeit von den regulatorischen Entwicklungen im Krypto-Bereich.

Haben Sie ein Beispiel, welche Anwendung gerade die jungen Generation Y und Z begeistern wird?

Rottensteiner:

Die Generation Y ist jetzt in einem Alter, in dem unsere Anwendung Family Fair Finance sehr gut ankommt.“

Finanzen sind in Beziehungen ja oft ein großes Thema. Mit Family Fair Finance wollen wir deshalb das Finanzmanagement für Paare und Familien vereinfachen. Dabei handelt es sich um eine Lösung in der S-App, die es gestattet, Umsätze und Ausgaben fair und transparent aufzuteilen. Die App ermöglicht es außerdem, die Ausgaben dem jeweiligen Einkommen entsprechend anzupassen: Es kann zum Beispiel ein bestimmter Prozentwert festgelegt werden, wie der Umsatz aufgeteilt werden soll. Am Ende des Monats entscheiden die Paare dann, ob die Ausgaben ausgeglichen werden sollen. Dann wird die Differenz entsprechend überwiesen. Das Produkt ist noch nicht verfügbar, aber unser User-Research zeigt, dass Family Fair Finance eine große Relevanz bei der Zielgruppe hat. Die Conversion Rate bei einem Fake-Door-Test lag bei 50 Prozent. Das ist enorm hoch. Normalerweise liegt die Rate im Finance- und Insurance-Bereich bei rund 10 Prozent.

Krug:

Die Generation Z ist eine anspruchsvolle Zielgruppe, die großen Wert auf Selbstverwirklichung und Individualität legt. Mit digitalen Features allein werden Banken und Sparkassen die jungen Kunden deshalb nicht langfristig begeistern können.“

Die Produkte und Services müssen einen individuellen Charakter aufweisen, zudem müssen komplexe Sachverhalte transparent und verständlich dargestellt werden. Der wichtigste digitale Sparkassen-Touchpoint der Gen Z ist die S-App – und diese haben wir uns als Erstes vorgenommen, um sie auf die Bedürfnisse und Wünsche dieser Kunden zuzuschneiden.

Im ersten Schritt entwickeln wir noch dieses Jahr den Rückblick. Dieses Feature ist an den Jahresrückblick von Spotify angelehnt und erstellt anhand der Kontobewegungen des Kunden und gekoppelt an den PFM einen Quartalsrückblick – aufbereitet und gestaltet im Stil der Gen Z.“

Des Weiteren nutzen wir die Feature-Idee von Family Fair Finance, mit der gemeinsame Kosten direkt am Umsatz mit seinem (Wohn-)Partner geteilt werden können. So wollen wir dem Wunsch der Gen Z nach voller Transparenz und Sicherheit über die eigenen Finanzen nachkommen. Für eine Kommunikation auf Augenhöhe nutzen wir digitale Touchpoints, denn die klassische Filiale ist nicht mehr entscheidend, um die junge Zielgruppe anzusprechen. Auf diese Weise erreichen wir zudem andere Generationen und erschaffen auch generationsübergreifende Synergien.

Sie sagten vorhin, dass es nicht nur um Banking geht – sondern auch um den Technologieeinsatz bei Versicherern. Wie soll das aussehen?

Rottensteiner: Im Versicherungsbereich geht es uns vor allem darum, mehr Übersichtlichkeit und Transparenz zu schaffen. In Kooperation mit der id-fabrik, unserem Partner bei der Entwicklung digitaler Lösungen für Versicherer, arbeiten wir an einer Reihe von Themen sowohl für die initiale Kundenansprache als auch, um unseren Bestandskunden innovative Mehrwerte zu bieten. In der Ansprache schauen wir uns beispielsweise die sich weiterentwickelnden Features der gängigen Smartphone-Betriebssysteme an:

Für eine initiale Kundenansprache eignet sich beispielsweise ein App Clip hervorragend, aber auch Digital Wallets ermöglichen die technische Generierung spannender Vertriebsanlässe.

Für Bestandskunden arbeiten wir an KI-Lösungen, die das nervige Sortieren und Verwalten von Versicherungsdokumenten abnehmen.

Und zu guter Letzt lässt sich häufig der Bogen zu unseren Kollegen von wallis und ihren API-Angeboten schlagen, denn Kontotransaktionsdaten sind natürlich auch für Versicherer ein sehr interessantes Thema, auf dem man relevante Anwendungsfälle entwickeln kann.“

S-Hub - die Chefs Milena Rottensteiner & Janosch Krug machen ordentlich Geschwindigkeit
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Apropos Corona. Es scheint ja so, als ob uns im Herbst eine weitere Welle drohen könnte. Im Vorgespräch erwähnten Sie, dass der S-Hub da mehr für den Handel tun könnte. Was denn? Und wie sähe das technisch aus?

Krug: Das fällt bei uns unter das Thema „Regionale Ökosysteme“. Im ersten Lockdown ist zum Beispiel die Plattform „#gemeinsam da durch“ entstanden, bei der Sparkassenkunden durch den Kauf von Online-Gutscheinen die regionale Wirtschaft unterstützen konnten. Und auf der letzten Symbioticon hat es unter anderem das Team Regional Hero ins Finale geschafft. Die Idee war, über zweckgebundenes Guthaben regionale Unternehmen und ihre Kunden noch näher zusammenzubringen.

Aber das ist doch eigentlich ein generelles Digitalisierungsthema – nicht nur während Corona? Ist Regionalität sonst uninteressant?

Krug: Im Gegenteil. Das Projekt hat gezeigt, dass Regionalität, gerade in Pandemiezeiten, bei den Kunden noch immer einen hohen Stellenwert hat. Die Stärkung von digitalen, regionalen Ansätzen wird deshalb auch in Zukunft ein wichtiges Thema für uns sein.

Wie stehen Ihre Mitarbeiter eigentlich zum Home-Office? Und wie handhabt das der Innovation Hub künftig? Können Ihre Mitarbeiter künftig alles von zuhause aus erledigen?

Rottensteiner: Bezüglich Home-Office waren wir schon immer sehr flexibel und sind auch technisch mit digitalen Kollaborations- und Planungstools sehr gut aufgestellt. Diese Flexibilität wird auch nach Corona erhalten bleiben. Wir haben eine Umfrage in der Belegschaft durchgeführt und dabei wurde deutlich, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich eine Mischung aus Home-Office und Büropräsenz wünschen. Aktuell überlegen wir, wie genau das in der Praxis aussehen wird.

Feste Präsenztage sind vorerst nicht geplant. Es wird aber auf jeden Fall einige persönliche Pflichttermine geben, um den Austausch im Team zu fördern.“

Welche neuen Produkte sind demnächst vom S-Hub zu erwarten?

Rottensteiner: Aktuell haben wir, wie gesagt, Family Fair Finance in der Pipeline. Hier wird gerade die Umsetzung in der S-App vorbereitet. Wir haben die Idee noch einmal tiefer gelegt, das heißt, die gesamte Customer Journey mit allen Verzweigungen und Eventualitäten gebaut. In einem nächsten Schritt führen wir die Kunden nun durch die komplette Lösung, um sicher zu sein, dass jeder das Produkt ohne viel Erklärung versteht. Im Nachgang startet dann die technische Entwicklung.

Wenn alles nach Plan läuft, wird Family Fair Finance im Frühjahr 2022 bereitstehen.“

Krug:

Wir arbeiten zudem an der Gewinner-Idee der Symbioticon vom Team Deep Neuron Lab. Deep Neuron Lab überzeugte die Jury mit einem Prototyp zum Einsatz von künstlicher Intelligenz bei der Bearbeitung von Firmenkrediten.“

Über eine Schnittstelle laden die Unternehmen ihre Antragsdokumente hoch. Die KI prüft dann die eingereichten Unterlagen auf Vollständigkeit, liest anschließend alle relevanten Daten aus, beispielsweise die Unternehmensbilanzen und Geschäftsberichte, und erstellt für den Analysten ein übersichtliches Datenblatt. Diese Zusammenstellung bildet die Basis für eine Kreditzusage oder Absage durch die Analysten der Sparkassen. Eine Plausibilitätsprüfung findet ebenfalls statt. Eine Besonderheit bei der Technologie von DNL ist die Referenzierung auf die Originalquellen. Analysten können mit einem Klick im Datenblatt die Herkunft der Informationen in den Originalquellen nachvollziehen. Dieses Feature wurde nach vielen Research-Gesprächen mit Analysten extra entwickelt, da hier eine hohe Nachfrage bestand.

Rottensteiner: Das Projekt befindet sich allerdings noch am Anfang. Aktuell prüfen wir mit unseren Beiratssparkassen und weiteren interessierten Sparkassen, ob und wie die Technologie am besten in einer standardisierten Lösung umgesetzt werden kann. Neben der technischen Prüfung steht hier die Vernetzung mit anderen KI-basierten Projekten innerhalb der Gruppe im Mittelpunkt. Sobald die Prüfung positiv abgeschlossen ist, entwickeln wir die Roadmap und gehen in die Pilotierungsphase. Das bedeutet, dass das KI-System mit Trainingsdaten angelernt wird. Danach könnte die Arbeit mit Echtdaten und eine Testphase in ausgewählten Sparkassen folgen.

Frau Rottensteiner, Herr Krug, vielen herzlichen Dank für das Gespräch und die vielen Einblicke!aj

 
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