Schattendatenbank der Schufa: Was passiert mit den historischen Daten von Verbrauchern?

Schufa
Die Wirtschaftsauskunftei Schufa speichert mehr Finanzdaten über die Verbraucher in Deutschland, als den meisten bewusst sein dürfte. Nach Recherchen von NDR und Süddeutscher Zeitung betreibt das Unternehmen in Wiesbaden neben seiner offiziellen Datenbank eine zweite Sammlung historischer Daten über teils weit zurückliegende Zahlungsvorgänge von Millionen Menschen.
Die Schufa-Bewertungen (Scores) entscheiden im Alltag mit darüber, ob jemand einen Kredit bekommt, einen Handyvertrag erhält oder eine Wohnung anmieten kann. Seit März dieses Jahres hat die Schufa eine neue Berechnungsmethode mit zwölf Kriterien gestartet. Es spielt etwa eine Rolle, wie alt der älteste Bankvertrag und die älteste Kreditkarte sind, ob Zahlungsstörungen vorhanden sind und wie der Status bei Krediten ist. Die Verbraucher können diese Scores kostenlos einsehen. Gegen frühere Berechnungsverfahren sind noch Prozesse beim Bundesgerichtshof anhängig.
Die Schufa bestätigte, dass sie neben diesen aktuellen Score-Daten weitere, «historische» Zahlungsdaten vorhält. Diese Werte würden benötigt, um neue Verfahren zur Risikoberechnung beispielsweise bei Banken abzusichern und zu überprüfen. Die Vergleichstests fänden ausschließlich bei der Bankenaufsicht BaFin statt, so dass die Datendetails nicht an die Auftraggeber gehen könnten. Der Umgang mit den Daten sei strikt auf Test- und Kontrollzwecke beschränkt.
Zweifel beim Verbraucherschutz
Genau daran zweifelt laut Tagesschau aber Claudio Zeitz-Brandmeyer vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), „weil es für die Unternehmen, die diese Daten bekommen, sehr verlockend ist, diese Daten nicht nur für Testzwecke zu verwenden, sondern sie auch tatsächlich beispielsweise für Kreditentscheidungen heranzuziehen“. Die Schufa vertritt hingegen die Ansicht, dass sie die historischen Daten zu den genannten Zwecken verwenden darf. Dazu zitiert sie den Datenschutzexperten Tim Wybitul:
Die Vorwürfe gegen die Schufa treffen nicht zu. Daten sind zu löschen, wenn sie für die Zwecke ihrer Verarbeitung nicht mehr benötigt werden. Allerdings dienen die Tests der Überprüfung der Richtigkeit der Scores. Das ist ein wichtiger und legitimer Zweck.“
Tim Wybitul, Anwalt für Daten- und Technologierecht
Der Hessische Datenschutzbeauftragte lehnte eine Stellungnahme unter Hinweis auf das laufende Verfahren ab. Unklar ist, welche Daten konkret gespeichert werden, wie weit sie zurückreichen und in welcher Form Banken oder andere Beteiligte darauf zugreifen können. Aus der Existenz eines historischen Datenbestands allein lässt sich zwar noch kein Datenskandal ableiten, problematisch wäre der Fall jedoch, wenn personenbezogene Informationen auf unbestimmte Zeit vorsorglich aufbewahrt würden, obwohl anonymisierte oder hinreichend aggregierte Datensätze für die Qualitätskontrolle der Verfahren ausreichen könnten.
Vertrauensproblem für die Schufa bleibt
Für Banken und Sparkassen sowie für den Handel ist die Auseinandersetzung ebenfalls relevant. Sie müssen sich darauf verlassen können, dass externe Scores nicht nur statistisch belastbar, sondern auch datenschutzkonform zustandekommen. Sollten die Aufsichtsbehörden die Speicherung oder Verwendung der historischen Daten beanstanden, könnte dies Anpassungen bei Validierungsverfahren, Löschfristen und der Zusammenarbeit zwischen Banken und Auskunfteien erforderlich machen. Zugleich zeigt der Fall, dass mehr Transparenz beim sichtbaren Score allein nicht genügt: Nachvollziehbar sein muss auch, auf welchen Datenbeständen die Entwicklung und Kontrolle der Bewertungsverfahren im Hintergrund beruhen.
Vor ziemlich genau drei Monaten hatte die Schufa einen neuen Score vorgestellt, der in seiner Nachvollziehbarkeit deutlich transparenter ist als der alte. Auch wenn dies ein Schritt in die richtige Richtung ist, wären die hier beanstandeten Sachverhalte ein erneutes ernsthaftes Problem für die Glaubwürdigkeit der Schufa und ein Schlag ins Kontor für eine Datenauskunftei, die sich dem eigenen Vernehmen nach um mehr Vertrauen in der Bevölkerung bemüht und sogar erreichen will, dass die Verbraucher eigene Daten ins System einpflegen, um dadurch eine Verbesserung in den Bonitätsscores zu erreichen.dpa, Einordnung durch tw
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