FINTECH28. September 2021

Trade Republic nimmt Abstand von der App-only-Strategie und schafft Web-Frontend

Trade Republic

Der bekannte Digitalbroker Trade Republic, der zwei Jahre nach dem Start immerhin eine Million Kunden auf seine provisionsfreie Geldanlageplattform gebracht hat, startet jetzt nach der Smartphone-only-Strategie, die man bisher hatte, eine Webversion. Dies sei einer der größten Kundenwünsche erklärt das Unternehmen – und erwartet nun, für deutlich mehr Kundengruppen attraktiv zu sein. Das FinTech hat bislang vor allem technikaffine jüngere Zielgruppen im Fokus, die teilweise erstmalig in börsengehandelte Papiere wie Aktien und ETFs investieren oder Sparpläne laufen haben.

Smartphone-only reicht offenbar nicht aus: Der weit verbreitete Smartphone-Broker Trade Republic, der vor allem mit einer Low-Fee-Strategie arbeitet, erweitert sein Angebot. So können Kunden ab sofort auch per Weboberfläche über Computer oder Tablets investieren. Nach den Worten von Trade Republic erfüllt man damit einen der größten Kundenwünsche und bringt das Angebot auf alle Geräte. Und in der Tat war dies für viele Anwender in der Vergangenheit ein tragendes Argument gegen den Billig-Broker, dass sie sämtliche Funktionen per Tablet oder Smartphone über eine App steuern mussten.

Der Grund, warum Trade Republic bislang vor allem app-basiert unterwegs war, ist einfach: Man muss so nur ein Front-End bespielen, spart Entwicklungskosten und ist zudem noch nur auf der App-Ebene (wenn auch hier unter Android und iOS gleichermaßen) mit Fraud-Themen und Bugfixing beschäftigt. Das könnte sich in Zukunft, was die Entwicklungskosten betrifft, freilich ändern. Es ist aber ein im Interesse der Expansion und der Kundengewinnung sinnvoller Schachzug, besser spät als nie das Web-Frontend anzubieten.

Christian Hecker, Mitgründer Trade Republic
Trade Republic

Trade Republic ist als erster Broker mit dem Fokus auf eine App gestartet und hat damit über eine Millionen Kunden in Deutschland. Zwei Jahre nach dem Start erweitern wir nun unser Angebot. Damit befähigen wir noch mehr Menschen in der Gesellschaft dazu, einfach, sicher und provisionsfrei zu sparen.“

Christian Hecker, Co-Gründer Trade Republic

Kunden können in den nächsten Wochen das Web-Frontend nutzen

Auch via Web können nun mehr als 9.000 Aktien und ETFs provisionsfrei gehandelt werden, ebenso stehen Sparpläne zur Verfügung. Neu ist die Filter-Funktion, die Anlegern ermöglicht, das Investment ihrer Wahl zu finden und Firmen zu vergleichen. Mit der Einführung der Webversion komplettiert Trade Republic die Zugriffsmöglichkeiten der Kunden auf ihr Depot. War der Zugang bisher auf das Smartphone fokussiert, kann jetzt jedes Endgerät genutzt werden. Der erste Login erfordert laut Anbieter lediglich die registrierte Telefonnummer und die PIN. Danach steht ihnen zunächst der Handel mit Aktien und ETFs zur Verfügung, Krypto-Währungen und Derivate folgen laut Anbieter.

Unser Ziel ist es, mit unseren Nutzern zusammen das Produkt weiterzuentwickeln. Das Webangebot ist der mit Abstand meist gefragte Wunsch unserer Community. Nach vielen Tests und Nutzerbefragungen können wir ihn nun heute endlich erfüllen.“

Christian Hecker, Co-Gründer Trade Republic

Sämtliche Bestandskunden sollen automatisch freigeschaltet werden und erhalten eine Mail-Benachrichtigung, wobei das Onboarding der Kunden im Laufe der nächsten Wochen sukzessive erfolgt. Möglich ist das Investieren via Web mit allen Browsern, die nicht älter als ein Jahr sind. Auch die parallele Nutzung der App und der Web-Anwendung ist möglich.

Geschäftsmodell: Provisionsfrei, aber Abwicklungskostenzuschüsse

Der Robinhood-Klon, der den provisionsfreien Handel über App in Deutschland populär gemacht hat, arbeitet lediglich mit einer Fremdkostenpauschale und verspricht Handelsvorgänge mit nur drei Klicks oder Taps. Das Geschäftsmodell basiert auf Einnahmen, die sich das FinTech von seinen Partnerunternehmen generiert, die für die Abwicklung zuständig sind. Die „Abwicklungskostenzuschüsse“, wie Trade Republic das etwas beschönigend nennt, können durchaus mehrere Euro pro Transaktion betragen. Transaktionen erfolgen dabei ausschließlich über LS Exchange sowie über einzelne Zertifikateanbieter, sodass der Kunde hier nicht direkt über die Börse handelt oder aber zwischen mehreren Börsenplätzen wählen kann.

Für die meisten Endkunden dürfte das mehr als ausreichend sein, insbesondere wenn sie dadurch unterschiedliche Preise gar nicht vergleichen müssen. All das ist nicht unbedingt von Nachteil, relativiert allerdings die genannten Kostenstrukturen ein wenig. Dennoch wird Trade Republic, wenn sie nicht ein ähnliches Sicherheitsproblem wie im vergangenen Herbst Scalable Capital Broker einhandeln, weiterhin erfolgreich sein – durch die neu hinzugekommene Möglichkeit, per Weboberfläche zu handeln, mehr denn je. Denn das war in der Tat bei vielen Anwendern in der Vergangenheit ein Grund, sich für einen der durchaus zahlreichen Mitbewerber wie Scalable Capital Broker oder Smartbroker zu entscheiden. tw

 
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