STUDIEN & UMFRAGEN9. November 2020

Blockchain beflügelt globales BIP – Deutschland kann Vorreiterrolle bei Finanzen einnehmen

PwC

Laut einer neuen Studie der Unternehmensberatung PwC kann die Blockchain das globale Bruttoinlandsprodukt bis 2030 um 1,76 Billionen US-Dollar erhöhen. Deutschland winkt dabei ein BIP-Anstieg um 2,4 Prozent. Profitieren werden davon unterschiedliche Branchen, etwa der wachsende Markt an Krypto-Assets. Die Unternehmensberatung sagt im Rahmen einer Studie voraus, dass Deutschland in Europa eine Vorreiterrolle bei Blockchain-Lösungen für Finanzdienstleistungen übernehmen könnte.

Die Blockchain-Technologie entwickelt sich zunehmend zu einem ernstzunehmenden Wirtschaftsfaktor. Wie die Studie „Time for Trust“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) prognostiziert, soll die Technologie bereits im kommenden Jahr rund 66 Milliarden US-Dollar zum globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) beitragen können. Bis Ende des Jahrzehnts hat die Blockchain nach Einschätzung der von PwC befragten Ökonomen das Potenzial, die weltweite Wirtschaftsleistung um 1,76 Billionen US-Dollar zu steigern. Das entspricht einem Anteil von 1,4 Prozent des globalen BIP. Zudem erwarten die Experten, dass die Technologie in den kommenden fünf Jahren global von der Mehrzahl der Unternehmen eingesetzt wird.

Alle Branchen profitieren – eine aber besonders

Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: Mithilfe einer Blockchain lassen sich Dokumente zertifizieren, Daten verschlüsseln, digitale Assets generieren sowie Transaktionen fälschungssicher und in Echtzeit weltweit ohne Intermediäre abwickeln. Allein die Bereiche der öffentlichen Verwaltung, der Bildung und des Gesundheitswesens können bis 2030 insgesamt 574 Milliarden US-Dollar an zusätzlichen Erträgen aus möglichen Effizienzen erzielen.

Das Potenzial der Blockchain wird nicht ausgeschöpft, wenn ein Unternehmen die Technologie nur für den internen Gebrauch aufbaut. Der größte Vorteil an einer Blockchain ist, dass sie das Vertrauen zwischen Unternehmen fördert und einen gleichberechtigten Austausch ohne Mittelsmänner ermöglicht.“

Husen Kapasi, Blockchain Leader bei PwC Europe

Blockchain-Vorreiter China und die USA

PwC

Vor allem China und die USA werden der Studie zufolge in den kommenden zehn Jahren von der Blockchain profitieren. Doch auch in Europa dürfte die Technologie etwa in Schweden dank vorhandener IT-Infrastrukturen und Fachkräfte einen BIP-Anstieg um 3 Prozent bescheren, gefolgt von Luxemburg (2,6 Prozent). Deutschland winken ein BIP-Anstieg um 2,4 Prozent oder 95 Milliarden Euro sowie die Chance auf 890.000 neue Arbeitsplätze bis 2030.

Das größte Potenzial der Blockchain sehen die Befragten in der eindeutigen Herkunftsbestimmung (Proof of Origin) von Produkten, Rohstoffen oder Medikamenten. Diese Anwendung dürfte bis 2030 mit rund 962 Milliarden US-Dollar den Löwenanteil zum globalen BIP beisteuern. Durch den Herkunftsnachweis steigt die Transparenz von Lieferketten, während Betrug oder Fälschungen verhindert werden können.

Blockchain im Finanzsektor – Deutschland mit Vorreiterrolle

Blockchain-Lösungen für den Zahlungsverkehr und die Finanzinstrumente werden der PwC-Prognose zufolge mit 433 Milliarden US-Dollar ebenfalls wesentlich zum erwarteten BIP-Anstieg beitragen. Weltweit erforschen Notenbanken, wie sich nationale Infrastrukturen im Zahlungsverkehr durch digitales Zentralbankgeld verbessern lassen. Schon heute testen Banken Stable Coins für kostengünstige grenzüberschreitende Zahlungstransfers in Echtzeit, wie beispielsweise in China. Doch selbst Europa entscheidet derzeit über Regulierungsfragen und erste Projekte auf diesem Gebiet.

PwC

Das Interesse der Finanzbranche an der Blockchain und Krypto-Assets steigt. Die Regulierung treibt diese Entwicklungen noch voran. Durch die aktuellen Gesetzesänderungen für die Krypto-Asset-Verwahrung und elektronische Wertpapiere institutionalisiert sich die Krypto-Industrie.“

Thomas Schönfeld, Direktor Financial Services PwC Deutschland

Er ergänzt, dass viele bisher zurückhaltende Marktteilnehmer sich inzwischen auch für das Thema interessieren und die Optionen, die sich in diesem Feld ergeben, erkennen. „Deutschland übernimmt hier in Europa gerade eine Vorreiterrolle“, so Schönfeld.

Seit Jahresbeginn werden in Deutschland Krypto-Assets umfangreich reguliert. Die Verwahrung von Krypto-Werten gilt seit 1. Januar 2020 als lizenzpflichtige Finanzdienstleistung und benötigt eine Zulassung von der Finanzaufsicht BaFin. Die EU-Kommission legte im September Legislativvorschläge zu Krypto-Werten vor. Die „Verordnung über Märkte für Krypto-Werte“ (Regulation on Markets in Crypto Assets – MiCA) soll 2022 in Kraft treten sowie europaweit Rechtsklarheit und -sicherheit für Emittenten und Anbieter von Krypto-Werten schaffen.

Die soeben veröffentlichte (englischsprachige) Blockchain-Studie von PwC kann kostenlos gegen Angabe persönlicher Daten heruntergeladen werden. tw

 
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