KOMMENTAR31. März 2020

Verstehen Sie es noch? Girocard wird Internet-fähig? Nicht wirklich – aber das Chaos ist nun perfekt …

Verstehen Sie es noch: Girocard wird Internet-fähig?
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Kennen Sie das? Manchmal liest man ganz unbedarft über die Nachrichten hinweg (Sparkasse cobadged DMC zur girocard), nimmt sie zur Kenntnis und dann fängt es an, im Kopf zu arbeiten: Habe ich das gerade richtig verstanden, was ich gelesen habe? Hab ich mich verlesen? Ein Gedanke folgt dem nächsten und man liest den Artikel erneut und die Fragen nehmen zu.

von Gerd Reinkimm

Im konkreten Fall wird es aber auch bei mehrmaligem Lesen mit dem Verständnisgewinn nicht besser. Es geht um die Pläne der Sparkassen-Finanzgruppe, zukünftig MasterCard Debit als Co-Badge auf die beliebte GiroCard aufzubringen (mehr dazu hier). Die Sparkasse Siegen hat dies erfolgreich getestet, die Finanz-Informatik steht mit fertiger Technik bereit, dem Roll-out in der Sparkassen-Finanzgruppe steht nichts mehr im Wege. Die Frage nach „Fake-News“ kann somit abschlägig beantwortet werden. Immerhin ein erster Erkenntnisgewinn!

Autor Gerd Reinkimm
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Vordergründig stehen aber ganz andere Fragen im Raum. Mit dem neuen Co-Badge wird die GiroCard nun internet-fähig. E-Commerce-Zahlungen können nun endlich durchgeführt werden. Aber diese Zahlungen werden dann eben über MasterCard abgewickelt und nicht über GiroCard.

Dabei ist doch schon seit Jahren angekündigt, dass GiroCard auch internet-fähig werden soll. Ist das nun also die angekündigte Lösung? Oder kommt GiroCard noch mit einer eigenen Lösung um die Ecke?”

Sollte diese tatsächlich noch kommen, ist zumindest eines klar: Das Chaos auf Seiten der Konsumenten ist perfekt. Wer soll das alles noch verstehen?

Politische Projekte im Zahlungsverkehr

Wirklich unverständlich wird es, wenn man an die derzeitigen politischen Projekte in Europa im Zahlungsverkehr denkt.

Derzeit versucht die Deutsche Kreditwirtschaft mit einem großen Befreiungsschlag bestehende Zahlungsverfahren zu konsolidieren und ein neues, (Achtung!) europäische Scheme zu entwickeln.”

Als Hauptargument wird immer wieder angeführt, einen europäischen Player im Wettbewerb zu den globalen Anbietern wie PayPal, Alipay, VISA und – natürlich – MasterCard zu etablieren. Unterstützung erfährt die DK (Website) hierbei u.a. von der Bundesbank. So wurde aus dem Projekt „Pepsi“ das Projekt „EPI“, aus dem der europäische Champion hervorgehen soll.

Wie ordnet man denn nun dieser Zielsetzung die neue Co-Badge Strategie der Sparkassen-Finanzgruppe ein? Der Marktanteil der Sparkassen von ca. 50% am Privatkundenmarkt lässt sich nicht unter den Tisch kehren. Ist das Co-Badge mit MasterCard also ein Fall-back oder – was die DK ins Mark treffen würde – glaubt man bei den Sparkassen nicht an den Erfolg von EPI? Und was wird mittelfristig aus der GiroCard? Ist der Anspruch, die Akzeptanz in Europa auszubauen, auch vom Tisch?

Fragen über Fragen. Eines wird jedoch definitiv klar: Langweilig wird’s mit der Deutschen Kreditwirtschaft nicht.Gerd Reinkimm

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