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PAYMENT18. Dezember 2017

Debit Mastercard und Maestro: Ein Produkt, zwei Marken

Mastercard

Seit diesem Jahr gibt es in Deutsch­land die Debit Mastercard (DMC), ein Produkt, das aussieht wie eine Kreditkarte. Auch im Funk­ti­ons­um­fang liegen die beiden Bezahlkarten sehr dicht beieinander. Die Debit Mastercard wird zumeist ohne Hochprägung aus­ge­lie­fert. Sie kann dann nicht an einem Imprinter (Ritsch-Ratsch) eingesetzt werden. Der noch wich­ti­ge­re Un­ter­schied, bei der DMC wird je­de Trans­ak­ti­on so­fort auf dem Gi­ro­kon­to be­las­tet. Da­mit steht die DMC auch im Wett­be­werb zu ei­nem wei­te­ren Mas­ter­card-Pro­dukt, der Ma­es­tro-Kar­te. Die of­fe­ne Fra­ge: War­um hat Mas­ter­card zwei De­bit-Kar­ten im Port­fo­lio?

von Rudolf Linsenbart

Rudolf Linsenbarth
Rudolf Linsenbarth beschäftigt sich mit Mobile Payment, NFC, Kunden­bindung und Digitaler Identität. Er ist seit über 15 Jahren in den Bereichen Banken, Consulting, IT und Handel tätig. Linsenbarth ist profilierter Blogger der Finanzszene und kom­men­tiert bei Twitter unter @holimuk die aktuellen Ent­wick­lungen. Alle Beiträge schreibt Rudolf Linsenbarth im eigenen Namen.
Ein Blick in die Geschichte der Maestro-Karte liefert möglicherweise die Erklärung. Die Maestro-Karte gibt es seit 1992. Ab 1998 wurde sie der Eurocheque-Karte (später EC-Karte) als Zusatzfunktion zur Seite gestellt. Die Idee dahinter war, den deutschen Kunden mit ihrer Bankkarte das Bezahlen im Ausland zu ermöglichen, ohne dass sie dafür extra eine Kreditkarte anschaffen müssen. Die Wege des Zentralen Kredit Ausschuss (ZKA), heute Deutsche-Kreditwirtschaft (DK), trennten sich im Jahr 2007. Mastercard übernahm dabei die Markenrechte für die EC-Karte. Die eigentliche „EC-Karte“ hieß von nun an girocard. Eine groß angelegte Marketing-Kampagne blieb allerdings aus, weshalb heute noch die Mehrheit der Deutschen (und selbst einige Banker) von der „EC-Karte“ spricht, obwohl sie die girocard meinen.

… und dann war da die Lücke für PayPal

Die Maestro-Funktion wurde von nahezu fast alle Banken vorerst beibehalten. Mastercard als marketing-affines Unternehmen, brachte die teilnehmenden Banken sogar dazu, das Maestro Logo auf der Vorderseite zu platzieren, während das neue girocard-Logo auf die Rückseite wanderte. Die Weiterentwicklungen der Maestro-Karte, insbesondere die Möglichkeit, mit der Maestro-Karte im Internet einzukaufen, wurde von den deutschen Banken nie adaptiert. Sie setzten vielmehr darauf, ihren Kunden die Kreditkarte als Zusatzprodukt zu verkaufen. In diese Lücke stieß dann PayPal. Der Rest ist Geschichte!

Deutsche Banken waren auch sehr zurückhaltend, was die Ausgabe von „Maestro-Only“-Karten betrifft. Eine solche Strategie wäre auf der Akzeptanzseite kein Problem gewesen.“

Der Handel in Deutschland hatte sich auf die Maestro-Karte eingestellt, um auch ausländischen Kunden die Kartenzahlung zu ermöglichen. Ein Wettbewerb der Debitkarten am Point of Sale (POS) kam aber mangels Masse für die deutschen Kunden nie wirklich zustande.

Vorteile neu gemischt: die Interchange-Regulierung

Mit der europäischen Interchange-Regulierung gibt es nun neue Optionen. Aus Handelssicht war die Maestro-Karte vor der Interchange-Regulierung wesentlich attraktiver als die Mastercard.“

Allein der Bankenanteil an den Gebühren einer Kreditkarte betrug ca. 1,6%, während es bei Maestro weniger als ein Drittel dieses Betrages war. Dementsprechend war Kreditkartenzahlung nur in Geschäften mit starkem internationalen Publikumsverkehr oder starker Marge üblich. Durch die Interchange-Regulierung wurden die Bankenentgelte für Debit Karten auf 0,2% und für Verbraucher-Kreditkarten (Consumer Cards) auf 0,3% gedeckelt. Lediglich die Firmenkreditkarten (Corporate Cards) sind weiterhin auf dem alten hohen Niveau. Letztgenannte Karten dürfen dann aber nicht mehr für private Ausgaben eingesetzt werden.

cwarham/bigstock.com

Die neuen Gebühren haben zu einem Umdenken im Handel geführt.“

Die großen Lebensmittel-Discounter, allen voran ALDI als Taktgeber der Branche, haben sich auf die neue Situation eingestellt und akzeptieren seither auch Kreditkarten. Im Windschatten dieser Entwicklung hat ein Großteil der filialgebundenen Ein­zel­han­dels­un­ter­neh­men diesen Schwenk vollzogen.

Neues Portfolio mit Debit Mastercard

Mastercard nutzt diesen Umstand für eine Neuordnung des Kartenportfolios. Nicht mehr die Maestro-Karte ist in Deutschland das Kernprodukt für die Debitkarten-Zahlung, sondern die neu entwickelte Debit Mastercard. Beim Endkunden wird dabei mit der großen weltweiten Zahl von Akzeptanzstellen geworben. Mastercard spricht hier von 43 Millionen, die Zahl bei Maestro soll laut Branchen Informationen dagegen nur bei 10 bis 15 Millionen liegen. Auch die Möglichkeit, die DMC für Zahlungen im Internet zu verwenden, wird ebenfalls herausgestrichen.

Der bisherige Erfolg bestätigt Mastercard. Die Kurve der Banken, die eine DMC emittieren, zeigt deutlich nach oben. Sogar eine Sparkasse (mehr…) hat man bereits im Boot. Gerne wird auch aufgezeigt, dass hier eine Alternative zur girocard auf dem Markt ist. Das Produktmanagement nutzt geschickt den Umstand, dass man im Besitz der Markenrechte an der EC-Karte ist. Der neue Werbespruch lautet: „Debit Mastercard, die EC-Karte unserer Zeit!“ (Website).

Klingt ganz danach, als ob der Wettbewerb im Debit-Kartenbereich vielleicht doch in Fahrt kommt.Rudolf Linsenbarth

 
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