ARCHIV30. Dezember 2021

Endgültig gescheitert? Finanzwirtschaft fordert Neustart von ID Wallet und Basis-ID im SSI-Ökosystem

Symbolbild: ID Wallet und Basis-ID im SSI-Ökosystem
Richman-Photo/mr.travellers/bigstock.com/ITFM

Verbände und Institute der Finanzbranche fordern (sie selber nennen es “werben”) in einem gemeinsamen Positionspapier für ein “verbraucherfreundliches und datenschutzkonformes System” sogenannter selbstsouveräner Identitäten (SSI). Dazu gibt es nun sogar eine Pressemitteilung vom DSGV, BDB und BVR. Interessanterweise fehlen VÖB und VDP.

Sind ID Wallet und die Basis-ID nun endgültig gescheitert? Scheint so. Gemeinsam machen sich der Deutsche Sparkassen- und Giroverband, der Bundesverband deutscher Banken und der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie Commerzbank, Deutsche Bank und ING Deutschland nun für einen Neustart des SSI-Ökosystems mit ID Wallet und Basis-ID stark.

Das System war nach – euphemistisch formuliert – Anlaufschwierigkeiten beim Digitalen Führerschein (hier) in die Kritik geraten; nun scheint der Ansatz insgesamt infrage gestellt. Denn verschiedene Bundesministerien wollen beispielsweise für eine Online-Kontoeröffnung und andere regulierte Anwendungsfälle im Internet nur noch die eID als einzigen digitalen Identitätsnachweis zulassen.

Verbraucherinnen und Verbraucher müssten damit jedes Mal, wenn sie sich sicher online identifizieren wollen, per NFC-Funktion ihren Personalausweis einlesen und per PIN freigeben.

ID Wallet und Basis-ID
Verbraucherinnen und Verbraucher sollen sich online per ID-Wallet bzw. per Basis-ID ausweisen können – etwa bei Behörden, bei Banken und Sparkassen, bei Autovermietungen oder in der Hotellerie bei Online-Reservierungen und beim Check-In.

Mehr als 50 Partner aus Wirtschaft und Finanzbranche, Forschung und Verwaltung hatten seit Ende 2019 in einem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten „Schaufensterprojekt“ gemeinsam am Aufbau eines solchen SSI-Ökosystems (mehr hier) gearbeitet.

Bei der geplanten Weiterentwicklung, der „Smart-eID“, würde der Ausweis passwortgeschützt auf Smartphone, Tablet- oder Desktop-PC gespeichert. Einem Ökosystem, in dem Verbraucherinnen und Verbraucher Identitätsmerkmale selbst verwalten, wäre damit eine wesentliche Grundlage entzogen, so die Institute.

Im SSI-Öko­sys­tem wür­de der elek­tro­ni­sche Per­so­nal­aus­weis ein­ma­lig si­cher als so­ge­nann­te Ba­sis-ID in ei­ner ID-Wal­let hin­ter­legt. Nut­ze­rin­nen und Nut­zer kön­nten über Apps auf ih­rem Smart­pho­ne, Ta­blet oder Desktop dar­auf zu­grei­fen. Wei­te­re Iden­ti­täts­merk­ma­le wie Füh­rer­schein­be­sitz oder Bank­ver­bin­dung, die von un­ter­schied­li­chen An­bie­tern im Öko­sys­tem aus­ge­stellt sein kön­nen, ließen sich hin­zu­fü­gen. Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher hätten dann die Sou­ve­rä­ni­tät, die­se je nach Be­darf ein­zu­set­zen, zum Bei­spiel für ei­ne Au­to­mie­te im In­ter­net oder die Re­gis­trie­rung bei ei­nem Car­sha­ring-Dienst.

Banken und Sparkassen wollen auf Grundlage einer im Herbst 2021 verabschiedeten Experimentierklausel im Geldwäschegesetz (§13 GwG) die Basis-ID in geldwäscherechtlich geregelte Verfahren einbinden, beispielsweise die Kontoeröffnung im Internet.”

Wenn dafür kurzfristig nur noch eID oder Smart-eID zugelassen würden, sehen die Autoren des Positionspapiers (hier) die Reichweite in Gefahr, die für einen Erfolg digitaler Identitäten notwendig wäre. Denn die aktuell verfügbare eID sei kompliziert und aufwändig, die geplante, bequemere Smart-eID nur auf wenigen Smartphone- Modellen des oberen Preissegments nutzbar. Daher sollte die Smart-eID – wie in der vergangenen Legislaturperiode beschlossen – durch ein nutzerfreundliches, reichweitenstarkes und offenes SSI-Ökosystem mit ID Wallet und Basis-ID auch für regulierte Anwendungsfälle ergänzt werden.

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