Podcast mit Swift und Commerzbank: Banken werden zu Orchestratoren im Zahlungsverkehr

ITFM, Montage mit KI-Unterstützung
In der neuen Folge spricht Tobias Weidemann mit Olivier Lens, Head of Central and Eastern Europe bei Swift, und Simone Löfgen, Global Head of Payment Platforms bei der Commerzbank, über die Zukunft des internationalen Zahlungsverkehrs. Mit dabei ist Florian Schreiber, Partnermanager beim Frankfurter TechQuartier, das Banken, FinTechs und Technologieunternehmen miteinander vernetzt und unter anderem in eigenen Sandbox-Formaten neue Anwendungen erprobt. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Zukunft das klassische Korrespondenzbankgeschäft angesichts von Echtzeitüberweisungen und neuen Zahlungsinfrastrukturen hat. Denn während die technischen Möglichkeiten erheblich besser geworden sind, haben sich auch die Erwartungen der Kunden verändert. Internationale Zahlungen sollen heute so einfach, transparent und zuverlässig funktionieren, wie man es von nationalen Echtzeitüberweisungen oder digitalen Bezahldiensten gewohnt ist.
Dass dabei nicht allein die Geschwindigkeit entscheidend ist, betont Löfgen:

pavelbecker
Geschwindigkeit allein ist häufig gar nicht der entscheidende Faktor. Wenn ein Kunde weiß, dass seine Zahlung fünf Stunden benötigt, und er sich darauf verlassen kann, muss sie nicht in zehn Sekunden ankommen. Viel wichtiger sind Vorhersagbarkeit, Transparenz und Sicherheit.“
Simone Löfgen, Global Head of Payment Platforms, Commerzbank
Ein großer Teil internationaler Zahlungen erreicht die beteiligten Korrespondenzbanken inzwischen innerhalb kurzer Zeit. Verzögerungen entstehen jedoch häufig erst in den nachgelagerten Prozessen. Dazu gehören manuelle Prüfungen, Betrugserkennung, Compliance-Vorgaben sowie die eigentliche Verrechnung und Gutschrift beim Empfänger. Der Podcast beleuchtet, welche Rolle Automatisierung und Künstliche Intelligenz bei der Beschleunigung dieser Prozesse spielen können. Eine wichtige Voraussetzung für Verbesserungen ist dabei die Standardisierung. Mit ISO 20022 verfügt die Branche inzwischen über ein gemeinsames Nachrichtenformat, das den Austausch strukturierter Zahlungsinformationen erleichtert. Löfgen erläutert, weshalb Banken dafür auch ihre vorhandenen IT-Systeme modernisieren müssen und warum die Umstellung auf neue Standards weit mehr ist als eine rein technische Anpassung.
Vom Alleinanbieter zum Orchestrator der Zahlungswege
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der wachsenden Vielfalt unterschiedlicher Zahlungsinfrastrukturen. Neben klassischen Bankennetzwerken entstehen neue Verfahren auf Basis von Distributed-Ledger-Technologien (DLT), Stablecoins und digitalen Währungen. Hinzu kommen internationale Kartennetzwerke und regionale Echtzeit-Zahlungssysteme. Doch das bedeutet nicht zwangsläufig, dass traditionelle Banken an Bedeutung verlieren. Vielmehr könnten sie künftig die Aufgabe übernehmen, unterschiedliche Zahlungssysteme miteinander zu verbinden und für ihre Kunden jeweils den geeigneten Zahlungsweg auszuwählen. Dafür müssen allerdings bestehende IT-Infrastrukturen modernisiert und neue Technologien integriert werden. Vor allem bei neuen Zahlungswegen wie Stablecoins stellt sich die Frage, wie sich regulatorische Anforderungen, Compliance-Prüfungen und Betrugsprävention auf vergleichbarem Niveau wie bei traditionellen Bankzahlungen gewährleisten lassen.
Auch die aktuellen Entwicklungen im europäischen Zahlungsverkehr sind Thema des Podcasts. Dabei unterscheiden die Gesprächspartner zwischen Wero und dem geplanten digitalen Euro. Während Wero auf der bestehenden SEPA-Instant-Payment-Infrastruktur aufbaut und Spielraum für kommerzielle Zusatzangebote wie Loyalty-Programme bietet, verfolgt der digitale Euro einen anderen Ansatz. Er soll digitales Zentralbankgeld für alltägliche Zahlungen verfügbar machen und zugleich die Resilienz und Souveränität des europäischen Zahlungsverkehrs stärken.

Swift
Wir werden künftig unterschiedliche Zahlungsnetzwerke und Zahlungswege nebeneinander haben. Das ist auch gar nicht schlecht. Entscheidend ist aber, dass diese Systeme miteinander kommunizieren können. Dafür brauchen wir gemeinsame Standards und ein hohes Maß an Interoperabilität. Ein globales Netzwerk wie Swift bleibt deshalb unverzichtbar.“
Olivier Lens, Head of Central and Eastern Europe, Swift
Der Podcast zeigt damit, warum die Zukunft internationaler Zahlungen nicht allein von immer schnelleren Netzwerken oder neuen Technologien abhängt. Mindestens ebenso wichtig sind gemeinsame Standards, international abgestimmte regulatorische Vorgaben und die Fähigkeit der Banken, unterschiedliche Systeme zuverlässig miteinander zu verbinden. Das klassische Korrespondenzbankgeschäft bleibt aus Sicht der Gesprächspartner relevant, muss sich dafür aber technologisch und organisatorisch weiterentwickeln.
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