STUDIEN & UMFRAGEN1. Oktober 2019

Studien & Kommentar: Wie Banken das Potenzial von FinTechs besser nutzen können – Teil 1

World Image/bigstock.com

Wir schreiben das Jahr 2019; es ist die Zeit, in der in der deutschen Wirtschaft die Digitalisierung und Automatisierung weit um sich greifen und junge Technologieunternehmen (FinTechs) sich zu einer echten Konkurrenz für traditionelle Banken manifestiert ha­ben. Tra­di­tio­nel­le Bank­häu­ser stre­ben in­des ver­mehrt da­nach, die tech­no­lo­gi­schen In­no­va­tio­nen der markt-kon­kur­rie­ren­den Fin­Techs in die ei­ge­nen Ge­schäfts­vor­ha­ben und (in­ter­nen) An­pas­sungs­pro­zes­se (im Zu­ge der Di­gi­ta­li­sie­rung) ein­zu­be­zie­hen; sich al­so die In­no­va­tio­nen u. tech­no­lo­gi­schen Fort­schrit­te der jun­gen Wett­be­wer­ber für die ei­ge­nen Zwe­cke zu Nut­ze zu ma­chen. Die Studienzusammenfassung.

von Eric Funke, Finanzjournalist

Einer im Jahr 2017 veröffentlichten Ernst & Young-Analyse zufolge, sind besonders die innovativen FinTech-Anwendungen im Zahlungsverkehr für Banken hoch interessant. Weiter entlang schweift der Blick der Banken aber selbstverständlich auf die komplette eigene Wertschöpfungskette.

Wo gibt es etwas zu verbessern? Wo können innovative Lösungen uns als Bankhaus, Einspar- oder Optimierungspotenzial bei den eigenen internen Strukturen und Abläufen verschaffen?

Das praktische Realisierungsspektrum reicht dabei von der Hinzunahme innovativ-entwickelter künstlicher Intelligenz zur Verbesserung eigener Abläufe im Kundenservice bis hin zum Einsatz von FinTech-Lösungen, zur besseren Überwachung und Überprüfung eigener Mitarbeiter. Herausforderung bleibt dabei aber sicher, erst einmal die für das eigene Bankhaus geeigneten FinTechs samt ihren Lösungen zu identifizieren sowie eine erfolgreiche Implementierung im eigenen Bankhaus zu realisieren.

Unleashing the potential of FinTechs in banking
Eric Funke fasst drei bemerkenswerte Studien der vergangenen Jahre zusammenEY

Von den innovativen Lösungen der FinTechs selber zu profitieren, ist derzeit ein wichtiger strategischer Ansatz für Banken.

Es stellen sich zwei wichtige Kernfragen:
1. Wie kann das Potenzial der individuellen FinTech-Innovationen vollständig für eigene Zwecke genutzt werden?
2. Wie kann, im Vorfeld, eine Kollaboration mit einem FinTech überhaupt erst erfolgreich gelingen?

Ernst & Young veröffentlichte im Jahr 2017 ein überaus interessantes Papier dazu. In einer Headline hieß es derweil gar „Partner or perish“ – Sinnbildlich übersetzt mit „Verpartnern (mit den FinTechs) oder Untergehen. Ein drastisches Bild, welches in der Analyse gemalt wird.

Was Bankhäuser bereits vor dem Ansetzen einer Optimierungsrealisierung behäbig macht, ist erst einmal ihre schiere Größe.

FinTechs and the consumer interest
Bates, R: Banking on the Future: An Exploration of Fintech and Consumer Interest

Etablierte, weitgreifende Strukturen in einigen Details gezielt zu verändern, um neue, innovative Lösungen zu implementieren, stellt sich in der Praxis meist als wahrlich schwer heraus.

Im obig genannten Ernst & Young-Paper wurden u. a. Vorschläge eruiert, auf welche Weise Banken das Potenzial von FinTech-Lösungen möglicherweise doch noch für ihre eigenen Zwecke voll ausschöpfen können bzw. welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit dies gelingen mag. Die Vorschläge erstrecken sich dabei 4-stufig.

Im Folgenden werden die Vorschläge einmal kurz und übersichtlich zusammengefasst sowie interpretiert:

1. Die Definierung u. Etablierung eines gezielten FinTech-Frameworks:

Meistens zielen innovative Bankoptimierungen auf eine Besserung der strukturellen Kostensituation ab, bei gleichzeitig vorhandenen kurzen Kompensationszyklen. Bankintern besteht dabei sicherlich ein Konflikt, großflächige Investments zu tätigen, wenn gleichzeitig, so wie in der heutigen Zeit, die wirtschaftlichen Verhältnisse für die Banken nicht mehr so stabil und zukunftssicher sind.

EY

Es muss bankintern (strukturell) erst einmal eine innovations-affine Umgebung geschaffen werden; Investments müssen dafür getätigt werden, es stellt sich intern die Frage: wie soll das bezahlt werden? Richtlinien müssen eruiert werden, um der Umsetzung der eigenen FinTech-Strategie den richtigen (Handlungs-)Rahmen zu geben. Das Framework sollte aufwarten mit vorher definierten Erfolgsfaktoren, den zuständigen Verantwortlichen und einem gesetzten Entscheidungsrahmen.

Eine bankinterne Kulturoptimierung ist zudem angesagt, in der Idee und Innovation einen wichtigen Stellenwert beigemessen wird; im Rahmenwerk dessen können beispielsweise „Hackathons“ etabliert werden, welche die innovative Ideengenerierung fördern. Wie bei jeder Projektumsetzung, wird ebenso bei der Realisierung u. Etablierung des bankinternen FinTech-Frameworks, interne u. externe Akzeptanz von allen relevanten Beteiligten benötigt u. vorausgesetzt.

2. Neue Ideen mit den Geschäftsnotwendigkeiten über ein innovatives Betriebsmodell miteinander verknüpfen:

Autor Eric Funke, Journalist
Eric Funke ist Texter und freier Autor für Betriebswirtschaft, Finanzen und IT. Leidenschaftlich widmet er sich tagtäglich der tollen Herausforderung, komplexe Sachverhalte verständlich und lebhaft darzulegen.
Bankhäuser wählen bei der Betriebsmodellart meist zwischen dem zentralen, dezentralen oder hybriden Ansatz.

Zentral: Bei diesem Ansatz entwickelt ein zentrales Innovationsteams neue Business-Lösungen unter Beaufsichtigung eines CIO.
 Dezentral: Vor allem im Einsatz bei kleinen und regionalen Bankhäusern.
 Hybrid: Wird vom Ernst & Young-Paper in diesem Fall als das geeignetste Vorgehen erachtet. Es vereint ein Innovationsteam samt Führung und verringert gleichzeitig aber die Entfernung zwischen Innovatoren und Geschäftseinheiten.

3. Die eigene FinTech-Strategie auf den Prüfstand stellen: welche Vor- und Nachteile bringt der aktuelle „Kurs“ mit sich?

4. Anpassungsmaßnahmen bzgl. eigener Talente sowie den architektonischen Wandel bewältigen

Die Veränderung der Unternehmensarchitektur ist ein langfristiger Prozess, der von den Mitarbeitern langfristige Hingabe erfordert und von der gesamten strategischen Vision abweichen kann. Darüber hinaus sollten Banken möglicherweise ihre Akquisitionsstrategien zur Gewinnung von neuen Talenten anpassen. Zukünftige Mitarbeiter werden neuen Anforderungen ausgesetzt und es werden andere Fähigkeiten als bisher im Bankwesen gefragt sein.Eric Funke, Finanzjournalist

Literaturverzeichnis:
I Dai Bedford, J. B. a. K. M.: How banks can unleash the potential of FinTech, s.I.: EY. 2018
IIBates, R: Banking on the Future: An Exploration of Fintech and Consumer Interest, s.I.: s.n. Juli 2017
III EY: Unleash the Potential of FinTech in Banking, S.I.: s.n. 2017.

 
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