STUDIEN & UMFRAGEN6. März 2019

Banken und Versicherungen hinken bei der digitalen Transformation hinterher

Capgemini

Finanzdienstleister hinken gegenüber anderen Branchen bei der digitalen Transformation hinterher, so das Ergebnis einer neuen Studie des Capgemini Research Institute. Banken und Versicherungen berichten darin von einem sinkenden Vertrauen in ihre eigenen digitalen Fähigkeiten. Weiterhin beklagen sie unzureichende Fachkenntnisse und Führungsqualitäten sowie das Fehlen einer Vision, die für die Gestaltung ihrer digitalen Zukunft erforderlich wäre.

Diese Studie zeigt das allgemeine Stimmungsbild von leitenden Bank- und Versicherungsangestellten in Bezug auf die Digitalisierungs- und Führungsfähigkeiten. Über 360 Führungskräfte aus 213 Unternehmen, deren Gesamtumsatz 2017 rund 1,67 Billionen US-Dollar betrug, wurden befragt. Der Report ist Teil der globalen Digital-Mastery-Serie von Capgemini.

Vertrauensverlust in Digitalisierungs- und Führungsfähigkeiten

Nur ein kleinerer Teil der Führungskräfte aus dem Finanzdienstleistungsbereich ist davon überzeugt, dass ihre Unternehmen über die notwendigen digitalen Fähigkeiten verfügen. Gegenüber dem Jahr 2012 ist der Anteil der Zuversichtlichen sogar von 41 Prozent auf 37 Prozent gefallen. Zwar glauben mehr Manager, dass sie über die notwendigen digitalen Voraussetzungen für eine hohe Kundenzufriedenheit verfügen (40 Prozent gegenüber 35 Prozent), das Vertrauen in die internen Prozesse ging jedoch deutlich zurück. Nur 33 Prozent gegenüber 46 Prozent vor sechs Jahren gaben an, über die erforderlichen operativen Fähigkeiten zu verfügen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Führungsqualität. Lediglich 41 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Unternehmen über die notwendigen Kompetenzen verfügen, gegenüber 51 Prozent im Jahr 2012. In einigen Bereichen sank das Vertrauen in die Leitung deutlich – darunter Unternehmensführung (von 45 Prozent auf 32 Prozent), Mitarbeitereinbindung (von 54 Prozent auf 33 Prozent) und IT-Geschäftsbeziehungen (von 63 Prozent auf 35 Prozent).

Capgemini

Diese Studie zeigt, dass in der gesamten Finanzdienstleistungsbranche ein Realitätscheck stattgefunden hat, da die etablierten Unternehmen nun das wahre Ausmaß der Herausforderung der digitalen Transformation verstehen. In einem Umfeld zunehmenden Wettbewerbs und wachsender Erwartungen der Verbraucher ist die Sichtweise anders als noch vor einigen Jahren. Es ist nicht überraschend, dass große Unternehmen realistischer geworden sind, was ihre Fähigkeiten betrifft.“

Sandra Ficht, Head of Digital Banking bei Capgemini Invent Deutschland

Anfänger bei der digitalen Transformation

Laut der Capgemini-Studie gelten lediglich 31 Prozent der Banken und 27 Prozent der Versicherer als Digital Master und können damit sowohl starke Digitalisierungs- als auch Führungsfähigkeiten vorweisen, während 50 Prozent der Banken und 56 Prozent der Versicherungen als Anfänger eingestuft werden. Führungskräfte kritisierten auch, dass es an einer überzeugenden Vision für die digitale Transformation in ihren Unternehmen fehlt.

Banken setzen auf Transformation, Versicherungen auf Automatisierung

Der Bankensektor versucht, den steigenden digitalen Erwartungen der Kunden gerecht zu werden, den Kostendruck zu bewältigen und mit Technologie-Start-ups zu konkurrieren. Weniger als die Hälfte der Banken (38 Prozent) geben an, dass sie über die für die Transformation erforderlichen Digital- und Führungsqualitäten verfügen. Die Versicherungsbranche sieht dies ähnlich: Hier sind nur 30 Prozent der Meinung, über die erforderlichen digitalen Fähigkeiten zu verfügen und 28 Prozent glauben, die notwendigen Führungsqualitäten zu besitzen.

Der Bankensektor übertrifft jedoch die Dienstleistungssektoren ohne Finanzbezug hinsichtlich Kundenzufriedenheit, Mitarbeiterbefähigung, Technologie- und Geschäftsausrichtung. 56 Prozent der Banken setzen Analysetechniken ein, um ihr Marketing zielgerichteter zu gestalten (im Vergleich zu nur 34 Prozent in der Versicherungsbranche und 44 Prozent in Sektoren ohne Finanzbezug). Für mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Banken hat die Qualifizierung in digitalen Fähigkeiten oberste Priorität. Bei den Versicherungen sagen dies lediglich 32 Prozent.

Im Bereich der Prozessautomatisierung liegen die Versicherer knapp vorne. Hier gaben 42 Prozent der Befragten an, robotergestützte Prozessautomatisierung (RPA) zu verwenden, gegenüber 41 Prozent der Banker. Weiterhin bestätigten 34 Prozent den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) im operativen Bereich – verglichen mit 31 Prozent der Bank-Manager.

Digitalisierung ohne klares Ziel

Die Definition klarer Visionen und Ziele sowie das Etablieren einer digitalen Kultur und die Einbeziehung der Mitarbeiter sind aktuelle Herausforderungen. Nur 33 Prozent der Versicherungen und 39 Prozent der Banken haben neue Unternehmen auf der Grundlage digitaler Technologien gegründet. Nur etwa ein Drittel (34 Prozent) der Banken verfügen über eine digitale Vision, die sich durch alle Organisationseinheiten hindurchzieht. Die Versicherungsbranche hinkt hier noch weiter hinterher. Nur rund ein Viertel (24 Prozent) hat eine umfassende Vision. Auch in Sachen Unternehmenskultur sind nur 33 Prozent der Banken und 25 Prozent der Versicherungsunternehmen davon überzeugt, dass ihre Führungskräfte neue Verhaltensweisen an den Tag bringen, die für die Transformation erforderlich sind.

Dies ist ein Weckruf für Banken und Versicherungen, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken. Die von uns untersuchten Vorreiterunternehmen, die sogenannten Digital Masters, arbeiten mit einem Ökosystem von Drittanbietern zusammen. Sie entwickeln und testen Ideen schneller im Rahmen eines iterativen Prozesses mit prototypischen Modellen und pflegen eine Kultur der Bottom-up-Innovation sowie des Experimentierens. Die Mehrheit der Finanzdienstleistungsunternehmen muss von dem kleinen Pool echter Innovatoren in ihrem Bereich lernen, denn das Geschäftsmodell von morgen ist kollaborativ, innovativ und agil.“

Über die Studie

Im April und Mai 2018 befragte das Capgemini Research Institute insgesamt 1.338 Führungskräfte in 757 Unternehmen zum Stand der digitalen Transformation. Als Datengrundlage für den Bankensektor waren 200 Befragte aus 125 Unternehmen und für das Versicherungswesen 169 Befragte aus 88 Unternehmen ausgewählt. Die vollständige Studie kann hier kostenlos heruntergeladen werden.pp

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