ANWENDUNG15. Juli 2026

Branchenverbände warnen vor Belastungen im bargeldlosen Zahlungsverkehr

Das Bild zeigt das Logo des Handelsverbands Deutschland (HDE). Es besteht aus einem stilisierten Buchstaben „h“ in Türkis und der Schrift „Handelsverband Deutschland“ in Dunkelblau. Das Design vermittelt Professionalität und Modernität.
HDE

Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat sich zusammen mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), dem Hotelverband Deutschland (IHA) und dem Uniti Bundesverband EnergieMittelstand in einem Brief an Bundesfinanzminister Lars Klingbeil gewandt. Die Vertreter der Tankstellen­unternehmen, des Einzelhandels sowie des Hotellerie- und Gastgewerbes in Deutschland warnen darin vor Belastungen, die durch den verstärkten Einsatz von Firmenkreditkarten und speziellen Prepaidprodukten auf Kartenbasis entstehen. Für die Akzeptanzstellen sind damit deutlich höhere Entgelte für kartengebundene Zahlungsvorgänge verbunden. Gleichzeitig betonen die Verbände, dass sie dem Einsatz von Zahlungskarten grundsätzlich positiv gegenüberstehen.

von Frank Braatz

Nach Einschätzung der Verbände hat die Zahl der im Umlauf befindlichen Firmenkarten und deren Nutzung in jüngster Vergangenheit stark zugenommen. Da diese Karten nicht unter die EU-Interchange-Verordnung fallen, müssen die Akzeptanzstellen für Zahlungen mit solchen Karten deutlich höhere Entgelte zahlen. Zudem bezweifeln die Verbände, ob solche Karten von den Anbietern tatsächlich nur an Firmen und nicht auch an Privatpersonen ausgegeben werden.

Eine lächelnde Frau mit Rucksack steht in einem Flughafen, während sie ein Smartphone in der Hand hält. Im Vordergrund ist eine goldene Kreditkarte abgebildet, die das Logo einer bekannten Marke zeigt. Hintergrundinformationen zu Karten und Zahlungsverkehr sind relevant.
SymbolbildUnited Internet

Da mit der EU-Interchange-Verordnung auch die Honour-All-Cards-Rule (Pflicht zur Akzeptanz aller Karten einer bestimmten Marke) teilweise aufgehoben wurde, könnten die Akzeptanzstellen Zahlungen mit Firmenkarten ablehnen. Dazu müssten sie allerdings Zugang zu den entsprechenden BIN-Ranges (Bank Identification Number) erhalten, um die Karten überhaupt identifizieren zu können. Dieser Zugang wird jedoch von Mastercard und Visa verweigert.

Bei den Prepaid-Produkten besteht die Problematik darin, dass sie unter anderem auch in Form von sogenannten Meal- oder Fuel-Vouchern vorkommen, die durch Arbeitgeber als steuerfreier Sachbezug an Mitarbeiter ausgegeben werden. Auch diese Karten verursachen bei den Akzeptanzstellen Kosten, die beim Abschluss des Acquiring-Vertrages nicht bekannt sind. Auch diese Karten sind für die Akzeptanzstellen nicht identifizierbar.

HDE, Dehoga, IHA und Uniti als Vertreter derjenigen Branchen, deren Mitgliedsunternehmen einen Großteil der Akzeptanzterminals für bargeldloses Zahlen in Deutschland betreiben, warnen in ihrem gemeinsamen Verbändebrief, dass diese Entwicklungen unter anderem dazu führen, dass Erträge insbesondere in margenschwachen Geschäften von den Interbankenentgelten weitgehend aufgezehrt werden. So drohen Händlern unvorhersehbare Verluste, insbesondere dadurch, dass sie im Vorhinein nicht die Entgeltstruktur der einzelnen Karten kennen können.

Konkrete Forderungen und ein Dialogangebot

Die Verbände fordern in ihrem Brief deshalb Bundesfinanzminister Lars Klingbeil dazu auf, auf die Europäische Kommission einzuwirken. Die Gestaltung der regulatorischen Rahmenbedingungen müsse der Akzeptanzstelle grundsätzlich das Recht zubilligen, entscheiden zu können, welche Arten von Kartenprodukten eines Schemes sie akzeptieren will. Akzeptanzstellen sollten nicht gezwungen sein, wirtschaftlich sowie wettbewerblich nachteilige Kartenprodukte heute und in Zukunft akzeptieren zu müssen.

Gleiches gilt für Prepaidprodukte auf Kartenbasis, die steuerbegünstigten Sachbezugskarten, die insbesondere bei Uniti-Mitgliedsunternehmen aus dem Tankstellenbereich vor allem in Gestalt von Meal/Fuel-Vouchern relevant sind. Hier bezieht sich die Forderung der Verbände auf eine Anwendung und Durchsetzung des hierzu bereits bestehenden Erlasses des Bundesfinanzministeriums, welcher grundsätzlich immer eine vertragliche Akzeptanzvereinbarung zwischen dem Kartenherausgeber und dem Akzeptanzunternehmen vorsieht.

Elmar Kühn, Uniti-Hauptgeschäftsführer, präsentiert sich in einem formellen Anzug mit gestreifter Krawatte. Der Hintergrund ist neutral gehalten, was den Fokus auf seine Person lenkt. Sein Gesichtsausdruck vermittelt Professionalität und Entschlossenheit.
Uniti

Als Branchenvertretungen möchten wir gerne mit dem Bundesfinanzministerium in den Dialog eintreten und gemeinsam eine gute Lösung für dieses für die Mitgliedsunternehmen kritische Thema finden.“

Elmar Kühn, Uniti-Hauptgeschäftsführer 

Hintergrund

Die Verbände HDE, Uniti und IHA hatten bereits im Frühjahr 2025 mit Blick auf die damaligen Koalitionsverhandlungen ein gemeinsames Impulspapier veröffentlicht. Darin ging es vor allem um Handlungsansätze zur Stärkung nationaler und europäischer Zahlungssysteme mit dem Ziel, Transparenz, Wettbewerb und Verbraucher­freundlichkeit im Zahlungsverkehr zu verbessern. Eine konkrete Forderung der Verbände betraf die Überarbeitung der europäischen Interchange-Regulierung und die Einführung von Preisobergrenzen für alle Kartenzahlungen sowie die Aufhebung des Surcharging-Verbots (Verbot von Aufschlägen für Kartenzahlungen gegenüber Verbrauchern).

Der HDE vertritt den gesamten deutschen Einzelhandel, der Uniti Bundesverband EnergieMittelstand mit rund 1.000 Mitgliedsfirmen repräsentiert in Deutschland rund 90 Prozent des mittelständischen Energiehandels (u.a. 70% der freien Tankstellen, 75% der Straßentankstellen). Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) repräsentiert mit rund 60.000 Mitgliedern die gesamte Branche. Dem Hotelverband Deutschland (IHA) gehören rund 1.500 Hotels aller Kategorien aus Individual-, Kooperations- und Kettenhotellerie an.fb

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