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ZAHLUNGSVERKEHR13. Dezember 2022

CMTA demonstriert Handel mit tokenisierten Anlageprodukten

Eine Machbarkeitsstudie verschiedener Schweizer Finanzakteure hat den Praxistest bestanden. Dabei wurden tokenisierte Anlageprodukte über eine öffentliche Blockchain emittiert und an einer Schweizer Börse in Fiat-Währung gehandelt. Für einen Regelbetrieb fehlt nicht mehr viel.

Traditionelle Finanzmarktakteure in der Schweiz haben traditionelle Anlageprodukte in digitaler Form erfolgreich unter Einsatz einer öffentlichen Blockchain gehandelt. <Q>CMTA
Traditionelle Finanzmarktakteure in der Schweiz haben traditionelle Anlageprodukte in digitaler Form erfolgreich unter Einsatz einer öffentlichen Blockchain gehandelt. CMTA

 

Die Schweizer Capital Markets and Technology Association (CMTA), eine gemeinnützige Organisation zur Förderung von neuen Technologien in den Kapitalmärkten, meldet den erfolgreichen Abschluss eines Proof of Concept (PoC) rund um tokenisierte Anlageprodukte. Das Projekt ist insofern bemerkenswert, als nicht etwa Krypto-Börsen und -Währungen involviert waren, sondern Akteure des traditionellen Finanzmarktes und die Abwicklung mittels Fiat-Währung – in Schweizer Franken – erfolgte. Nach Angaben der beteiligten Unternehmen erfolgten die drei wesentlichen Schritte – Emission, Handel und Abwicklung – innerhalb von Stunden, während sie in einem traditionellen Finanzumfeld Tage dauern. Als weitere Vorteile nennen sie eine Optimierung der Prozesse, verringerte Komplexität bei höherer Sicherheit und ein Eliminieren des Gegenparteienrisikos bei Handelsgeschäften. 

Der Proof of Concept

Die Emission von strukturieren Anlageprodukten in tokenisierter Form als Registerwertrechte setzte auf einer Ethereum-Text-Blockchain auf. Emittenten waren die Schweizer Banken Credit Suisse, die eine strukturierte Anleihe ausgab, sowie Pictet und Vontobel. Diese emittierten je ein aktiv verwaltetes Equity-Zertifikat, das einen Aktienkorb repräsentiert. Anschließend wurden diese an der regulierten Schweizer Börse BX Swiss, Teil der Gruppe Börse Stuttgart, in der Fiat-Währung Schweizer Franken gehandelt.

Abgewickelt wurden die Geschäfte direkt auf der Blockchain mittels eines Smart Contracts, der als Open-Source-Projekt von der CMTA entwickelt wurde. Der Smart Contract soll eine bilaterale und sichere Abwicklung ohne Gegenparteirisiko ermöglichen. Ein weiterer Smart Contract bildete die Lieferungs- und Zahlungsfunktion herkömmlicher Abwicklungssysteme nach. Auch das verwendete Standard-Token-Format stammt von der CMTA.

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie stellt die CMTA kostenlos zur Verfügung.<Q>CMTA
Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie stellt die CMTA kostenlos zur Verfügung.CMTA

Die Abwicklung in Fiat-Währung (Schweizer Franken) ermöglichte die Applikation DLT2Pay, ein Produkt von Targens, welches die Blockchain mit dem Swiss Interbank Clearing (SIC), dem Echtzeit-Bruttosystem (RTGS) der Schweizerischen Nationalbank, verbindet. Diese Lösung stelle das fehlende Bindeglied zwischen DLT und traditionellen Zahlungsverkehrsprotokollen her und sei damit ein Schlüssel für den Handel von digitalen Vermögenswerten unabhängig von privaten Kryptowährungen, betonte Samuel Bisig, Business Development and Product Manager bei Targens.

Die Erstellung, die Sicherheitsaspekte und der technische Betrieb der Smart Contracts erfolgten unter der Leitung von Taurus, deren Technologie für die Emission und Verwaltung der strukturierten Produkte während ihres gesamten Lebenszyklus verwendet wurde. Weitere Projektpartner waren Homburger, Lenz & Staehelin sowie UBS. Details hat die CMTA in einem Whitepaper zusammengefasst, das auf der Webseite zum kostenlosen Download bereitsteht.

Win-Win für Banken und Kunden

Die Projektbeteiligten sind angesichts der Ergebnisse des Praxistests begeistert und sprechen von einem „Meilenstein“ für den Finanzplatz Schweiz und stuften das Konzept als Grundstein für eine alternative Schweizer Nachhandels-Infrastruktur ein, die ohne zentrale Parteien (zentrale Gegenpartei und Zentralverwahrer) funktioniert. Die teilnehmenden Banken könnten demnach von Kostenvorteilen entlang der gesamten Wertschöpfungskette einer Effektentransaktion (Emission, Abwicklung und Verwahrung) profitieren – und diese auch weitergeben.

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CMTA

Wir sind sehr stolz darauf, diesen bahnbrechenden Mechanismus mit zahlreichen Partnern aus der Finanz- und Technologiebranche entwickelt zu haben. Er wird es der Branche ermöglichen, die Effizienz zu steigern, die grenzüberschreitende Abwicklung zu vereinfachen und die Qualität der Dienstleistungen zu verbessern. Und die Kunden werden vom Effizienzgewinn profitieren.”

Jacques Iffland, Präsident der CMTA

Für Steve Blanchet, Head of Group Tech Strategy and Innovation bei Pictet, ist die Tokenisierung ein strategisches Schlüsselelement für die Zukunft der Vermögensverwaltung. Die Prozesse für die Erstellung von Anlageprodukten lassen sich in einer Weise optimieren, die mit herkömmlichen Infrastrukturen derzeit nicht möglich ist. Die Markteinführungszeit könne sich drastisch verkürzen, von mehreren Tagen auf wenige Stunden oder sogar nur noch Minuten.

Blockchain meets Legacy

Daniel Gorrera, Head Digital Assets bei der Credit Suisse, stellte heraus, dass die Machbarkeitsstudie den Beleg dafür bietet, dass auf einer öffentlichen Blockchain tokenisierte Produkte an herkömmlichen, regulierten Handelsplattformen gehandelt werden können, rein auf Basis der vorhandenen Fiat-Währung. Matthias Müller von der BX Swiss bekräftigt: „Wir benötigen dafür weder eine neue digitale Zentralbankenwährung (CBDC) noch einen Stablecoin. Das ist ein entscheidender und richtungsweisender Schritt.“ Aber noch ein weiterer Punkt ist ihm wichtig:

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BX Swiss

Dieser Proof of Concept, der erste seiner Art, hat gezeigt, dass an der Börse getätigte Geschäfte direkt zwischen den Teilnehmern auf einer öffentlichen Blockchain abgewickelt werden können. Es ist nicht mehr notwendig, dass die Parteien eine Transaktion absichern, in dem sie vor dem Handel Token oder Bargeld an die Börse überweisen. Dies ist ein wesentlicher Vorteil in Bezug auf Geschwindigkeit, Kosten und Risikomanagement.“

Matthias Müller, Head of Markets & Services der BX Swiss

Marco Hegglin, Chief of Staff Structured Solutions & Treasury bei Vontobel, erwartet auf Basis von vollautomatisierten Smart Contracts, die den gesamten Lebenszyklus eines strukturierten Anlageproduktes abdecken, die Entwicklung neuer Generationen von Finanzprodukten.

Wie geht es weiter?

Im Rahmen des Projektes habe sich ein Konsens über die Verwendung offener Standards für DLT-basierte Marktinfrastrukturen abzeichnet, betont Jean-Philippe Aumasson, Präsident des CMTA Technology Comittee und Mitgründer der Taurus SA. Neben diesem wichtigen Schritt Richtung Standardisierung freut er sich auch über die Anerkennung der als Open Source entwickelten Smart Contracts der CMTA als zuverlässige Technologie. Deren Einsatz könnten die Entwicklungs- und Due-Diligence-Kosten für die Teilnehmer reduzieren und zur Zuverlässigkeit und Effizienz des Schweizer FinTech-Ökosystems beitragen, so der CMTA-Präsident.

Für die BX Swiss scheint die Einführung des Handels digitaler Vermögenswerte, wie er mit diesem PoC demonstriert wurde, nicht mehr weit entfernt. Der Schweizer Gesetzgeber habe die notwendigen Voraussetzungen zur Nutzung der Blockchain-Technologie geschaffen. Das mit den Banken getestete Abwicklungssystem könne das Versprechen dieser neuen Technologie einlösen, sodass Handelsgeschäfte in Zukunft dezentral und viel kosteneffizienter abgewickelt werden können, so das Fazit von Matthias Müller. Um tokenbasierte Wertpapiere demnächst produktiv handeln zu können, benötige die BX Swiss nur noch eine separate und zusätzliche Finanzmarktlizenz der Schweizer Finanzmarktaufsichtsbehörde FINMA. hj

 
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