PRODUKTE28. Januar 2022

Facebook begräbt eigene Kryptowährung: Erst Libra, dann Diem – und dann das Aus

Erst hieß sie Libra und wurde mit viel öffentlichem Wirbel angekündigt, jetzt steht die von Mark Zuckerberg initiierte Facebook-Kryptowährung, die inzwischen auf den Namen Diem hört, vor dem Aus. Nachdem es in den letzten Monaten immer stiller um die Entwicklungen zu Facebooks – mittlerweile Metas – Kryptowährung war, folgt nun wohl der Verkauf dessen, was davon übrigblieb. Das dahinter stehende Konsortium will offenbar aufgeben – die Gründe dafür sind vielfältig und haben nur zum Teil etwas mit den Bedenken der staatlichen Regulierungsbehörden zu tun.

Als das Libra-Projekt an den Start ging, waren gut zwei Dutzend große Unternehmen aus dem Umfeld Payment, E-Commerce und Digitales mit am Start – Mastercard und Visa, Ebay und Uber, aber auch Coinbase, Paypal und Stripe. Einige kamen hinzu, andere verloren wiederum das Interesse und zogen sich aus dem Projekt zurück. Ziel war es, eine Stablecoin-Kryptowährung zu schaffen, die auf einfachste Weise für den digitalen Handel genutzt werden sollte, die vor allem den Emerging Markets den Zugang zu einfachem Bezahlen eröffnen sollte.

Nach und nach wurde auch der Zuschnitt der Facebook-Coins angepasst – von einem Warenkorb verschiedener Währungen, an die die Stablecoin gekoppelt werden sollte, hin zu verschiedenen Währungsvarianten, die sich jeweils an eine bestimmte Leitwährung orientieren sollten, zuletzt war noch von einer Dollar-orientierten Variante die Rede. Kürzlich gewann man Silvergate Capital für die eigentliche Ausgabe und Verwaltung der Währung, was Berichten zufolge der US-amerikanischen Zentralbank aber nicht passte.

Kryptowährung litt unter Bedenken der Politik

Inzwischen ist nach diesem letzten Hindernis wohl klar, dass das 2019 aus der Taufe gehobene Projekt wohl nicht realisiert wird. Schuld sind dem Vernehmen nach vor allem die anhaltenden Bedenken und Ankündigungen der Regulierungsbehörden, die es schwierig machen, ein Konstrukt zu entwickeln, das den strengen Ansprüchen aller gerecht wird. Dem Konsortium ist es nicht gelungen, das Vertrauen der Politik zu gewinnen und gerade die zahlreichen Skandale, die Facebook in den letzten Jahren durchlebt hat, haben dazu beigetragen, dass immer mehr andere Unternehmen absprangen.

Im vergangenen Jahr verließ David Marcus, der als Ideengeber und Gestalter des Diem-Projekts gilt, das Unternehmen. Doch auch Mark Zuckerberg, der zunächst eine weitere treibende Kraft hinter dem Projekt war, hat teilweise das Interesse daran verloren, verfolgt mit dem Metaverse offenbar deutlich größere Ziele und will eine Art Internetwelt mit neuartiger digitaler Erfahrung schaffen. Doch gerade hier hätte eine eigene Kryptowährung gut reingepasst, glauben viele Beobachter.

Libra-Projekt kein Best-Practice-Case für Krypto-Themen

Facebook

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, stehen die Eigentümer in Verhandlungen mit Investmentbankern, die die Reste des Projekts – immerhin auch einiges an Innovationen und geistigem Eigentum – möglichst gewinnbringend veräußern sollen. Meta hält dabei zwei Drittel der Anteile, während die restlichen Konsortium-Mitglieder ein Drittel halten. Ob die Developer im Rahmen eines solchen Verkaufs beim Projekt bleiben können, ist unklar.

All das kommentiert die Diem Association nicht konkret, doch Michael Crittenden, Sprecher der Diem Association, kritisiert gegenüber US-amerikanischen Onlinemedien, die Bloomberg’sche Darstellung enthalte faktische Fehler. Ein Dementi sieht anders aus. Klar scheint, dass zwar die eigene Kryptowährung nicht in der erwarteten Form realisiert wird – ob das auch für die dazugehörige Wallet gilt, ist nicht bekannt. Auch wenn die Diem-, besser Libra-Diskussion das Thema Kryptowährungen auch im Mainstream und in der Politik populärer gemacht hat, zeigt das Beispiel in vielerlei Hinsicht, wie die Schaffung digitaler Währung nicht funktionieren kann.tw

 
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