FINTECH27. März 2020

FinTech-Portrait: SumUp wechselt in „Corona-Modus“ und will nun Kunden aus der Patsche helfen

Geschlossen: Büro von SumUp am Alex in Berlin.Helge Denker

Das schnell wachsende Startup SumUp schaff­te den Um­stieg ins Ho­me Of­fice – und will jetzt mit ei­nem Ret­tungs­fond seinen Kunden unter die Arme greifen, denn viele kleine Händler und Läden stehen durch die Corona-Krise vor dem Bank­rott. Die will man retten – und damit die eigenen Kunden bewahren.

Seit dem 12. März ist beim Payment-Anbieter Su­mUp in Berlin kaum noch et­was wie zu­vor. Denn seit die­sem Mon­tag ar­bei­ten die über hun­dert Mit­ar­bei­ter aus dem Ho­me Of­fice. Die Co­ro­na-Kri­se hat­te auch das schnell wachsende Star­t­up er­fasst, das Ter­mi­nals für bargeldlose Zah­lun­gen im Ein­zel­han­del an­bie­tet. Ziel­grup­pe sind be­son­ders klei­ne Händ­ler, Lä­den, Ca­fés und Re­stau­rants – die  jetzt um ihrer Existenz kämpfen müssen.

Das gro­ße Büro am Ber­li­ner Alex­an­der­platz wur­de bis auf wei­te­res ge­schlos­sen, um An­ste­ckun­gen der Mit­ar­bei­ter mit dem neu­en Vi­rus zu ver­hin­dern. Der Um­zug vom hip­pen Gro­ß­raum­bü­ro in die Heim­ar­beit klapp­te rei­bungs­los, be­rich­tet Ma­rei­ke Ka­empf. Ihr Job­ti­tel lau­tet: “Coun­try Growth Lead – Ger­ma­ny”.

Vor Corona: SumUps Büro in Belin
Vor Corona: SumUps Berliner Büro – Google lässt schön grüßen. Helge Denker

Su­mUp, 2012 von Da­ni­el Klein und Marc-Alex­an­der Christ ge­grün­det, mach­te 2019 rund 200 Mio. Eu­ro Um­satz, hat sei­nen Haupt­sitz in Lon­don und gro­ße Bü­ros in Ber­lin-Mit­te, Köln, Sao Pau­lo, So­fia, Ams­ter­dam, Dub­lin, Boul­der, War­schau, San­tia­go de Chi­le, Vil­ni­us, Kiew, Lu­xem­burg, Ko­pen­ha­gen und New York. Zu den In­ves­to­ren ge­hö­ren un­ter an­de­rem HV Holtz­brinck Ven­tures, Grou­pon und BB­VA, Su­mUp ar­bei­tet mit Vi­sa und Mas­ter­card zu­sam­men.

Wir sind für die Pha­se im Ho­me Of­fice sehr gut vor­be­rei­tet, da die be­nö­tig­ten Tech­no­lo­gi­en und Tools für un­se­re 15 Bü­ros auf drei Kon­ti­nen­ten be­reits vor­han­den sind, um sämt­li­che Mee­tings auch on­line ab­zu­hal­ten – und wir kön­nen so oh­ne Un­ter­bre­chung auch wei­ter­hin als Un­ter­neh­men voll agie­ren.”

Mareike Kaempf, Coun­try Growth Lead – Ger­ma­ny

1.700 Mit­ar­bei­ter zo­gen nach dem Ber­lin-Test ins Ho­me Of­fice

Nach dem er­folg­rei­chen “Um­zugs-Test” in Ber­lin zo­gen welt­weit al­le 1.700 Mit­ar­bei­ter ins Ho­me-Of­fice. Ein ein­ma­li­ger Vor­gang, der “ab­so­lut rei­bungs­los” funk­tio­nier­te, wie auch Paul O’Cal­lag­han im Firmenblog be­rich­tet. Zur Kom­mu­ni­ka­ti­on wur­de zu­erst ein neu­er Slack-Ka­nal er­öff­net (“#­ge­trennt-aber-ge­mein­sam”). Hier wur­den Tipps zur Heim­ar­beit, An­ek­do­ten und – nicht zu­letzt – Fo­tos von Haus­tie­ren ge­teilt. Slack statt Small­talk im Of­fice, Vi­deo­kon­fe­ren­zen mit Zoom statt Mee­tings in ei­nem der Kon­fe­renz­räu­me am Alex.

Videokonferenz von SumUp <q>SumUp
Corona-Krise: Videokonferenz statt Büro. SumUp

Su­mUp pro­fi­tier­te da­bei auch von der Er­fah­rung, die ei­ni­ge Mit­ar­bei­ter be­reits mit dem Ar­bei­ten im Ho­me Of­fice hat­ten, und dass die IT auf Re­mo­te-Ar­bei­ten ein­ge­rich­tet war. Mit­ar­bei­ter konn­ten ih­re Fir­men-Lap­tops mit nach Hau­se neh­men und sich per WLAN in die Diens­te und Tools ein­log­gen – wie im Of­fice. Nur auf Tisch­ki­cker und Tisch­ten­nis, Sitz­sä­cke und Gra­tis-Ge­trän­ke muss bis nach der Co­ro­na-Kri­se ver­zich­tet wer­den. Das Of­fice in Ber­lin sieht wie ein klas­si­sches Star­t­up-Bü­ro aus, mit gro­ßen Holz­ti­schen, ei­ner Kaf­fee­bar, Te­le­fon­zel­len und Tisch­fuss­ball. Die meis­ten Mit­ar­bei­ter sind jün­ger (um die 30), vie­le kom­men aus dem Aus­land, Of­fice-Spra­che ist Eng­lisch, Deutsch­kennt­nis­se sind kei­ne Vor­aus­set­zung. Es weht ein Hauch von Goog­le und Co. durch die Gro­ß­raum.

Die Kun­den kämp­fen ums Über­le­ben

Wäh­rend der durch Co­ro­na er­zwun­ge­ne Wech­sel ins Ho­me Of­fice oh­ne Ver­zö­ge­rung klapp­te, be­ka­men die Kun­den des Zah­lungs­dienst­leis­ters durch den Lock­down er­heb­li­che Pro­ble­me. Zu­erst stieg die Zahl der Kar­ten­zah­lun­gen im Bar­geld-Land Deutsch­land ra­pi­de an, es ver­vier­fach­ten sich die Zu­griffs­zah­len aus Vor-Co­ro­na-Zei­ten. Be­son­ders kon­takt­lo­se Kar­ten­zah­lung war plötz­lich stark ge­fragt, da dies die An­ste­ckungs­ge­fahr mi­ni­miert. Die wei­ßen Ter­mi­nals, die Su­mUp den Händ­lern an­bie­ten, muss­ten nicht mehr zur Pin-Ein­ga­be und Be­stä­ti­gung be­rührt wer­den. Dann muss­ten vie­le Ca­fés, Re­stau­rants und Lä­den schlie­ßen. Die mas­si­ven Aus­gangs- und Zu­gangs­be­schrän­kun­gen sorg­ten da­für, dass die An­zahl der Kun­den bei vie­len Lä­den zu­rück­ging.

Mareike Kaempf von SumUp <q>SumUp
SumUp

In die­ser für vie­le Händ­ler schwie­ri­gen Zeit be­steht un­se­re obers­te Prio­ri­tät dar­in, die­se Un­ter­neh­men da­bei zu un­ter­stüt­zen, di­gi­ta­le Zah­lun­gen an­zu­neh­men und so da­zu bei­zu­tra­gen, ih­re Ge­schäf­te am Lau­fen zu hal­ten und ih­re Ein­nah­me­quel­len sta­bil zu hal­ten. Wir ar­bei­ten zu­dem mit Hoch­druck an wei­te­ren Lö­sun­gen, die ih­nen die Ge­schäfts­tä­tig­keit er­leich­tern.”

Mareike Kaempf, Coun­try Growth Lead – Ger­ma­ny

So sei­en “Dis­tanz­zah­lun­gen” oh­ne phy­si­schen Kon­takt jetzt ge­büh­ren­frei für den Händ­ler, die sonst ein paar Pro­zen­te Pro­vi­si­on pro Trans­ak­ti­on an Su­mUp zah­len und die mo­bi­len wei­ßen Ein­ga­be-Ter­mi­nals kau­fen, oh­ne wei­te­re Kos­ten und Ver­trags­bin­dun­gen. Die­se wur­den 2016 ein­ge­führt, im glei­chen Jahr fu­sio­nier­te Su­mUp mit Pay­le­ven. Seit 2018 gibt es ein Kar­ten­ter­mi­nal mit 3G-Mo­bil­funk­teil, im glei­chen Jahr wur­den die Dienst­leis­ter De­bi­toor und 2019 Sho­plo ge­kauft. An­fang 2020 setz­ten mehr als zwei Mil­lio­nen Händ­ler welt­weit Su­mUp ein und die Su­mUp Card für Händ­ler wur­de ein­ge­führt.

Vor­schüs­se von 500 Eu­ro sind mög­lich

Da­mit kön­nen Händ­ler laut Su­mUp Zah­lun­gen ent­ge­gen­neh­men und tä­ti­gen. Ge­schäfts­zah­lun­gen sol­len da­mit schnel­ler und ein­fa­cher ab­ge­wi­ckelt wer­den kön­nen, ver­spricht der An­bie­ter. “Die Kar­te ga­ran­tiert Aus­zah­lung für den nächs­ten Tag – auch an Wo­chen­en­den – und gibt da­mit klei­ne­ren Händ­lern den sehr wich­ti­gen zeit­na­hen und fle­xi­blen Zu­griff auf ihr Geld”, so Su­mUp.

Terminals : Berührungsloses Bezahlen ist gefragt. <q>SumUp</q>
Terminals : Berührungsloses Bezahlen ist gefragt. SumUp

Su­mUp hat mit sei­nen Ter­mi­nals Echt­zeit-Ein­bli­cke in die Zah­lungs­ak­ti­vi­tä­ten hun­dert­tau­sen­der Händ­ler in Deutsch­land. “Kon­kret be­deu­tet das, dass Su­mUp Ge­schäfts­in­ha­bern so­fort auch sehr klei­ne Geld­vor­schüs­se schnell und un­bü­ro­kra­tisch be­reits ab ei­ner Hö­he von 500 Eu­ro be­reit­stel­len kann”, teilt der An­bie­ter mit.

Mehr als 7,2 Mio. klei­ne Un­ter­neh­men könn­ten dicht­ma­chen

An­hand sei­ner Echt­zeit-Da­ten sieht Su­mUp be­reits jetzt die mas­si­ven Aus­wir­kun­gen der Vi­rus-Kri­se, die be­son­ders auf Mi­kro- und Na­no-Händ­ler treffen: So ver­lo­ren in Ita­li­en rund 5,3 Mil­lio­nen und da­mit 90 Pro­zent al­ler Klein­un­ter­neh­mer mehr als zwei Drit­tel ih­rer Ein­nah­men. Ak­tu­ell rech­net Su­mUp da­mit, dass das ge­plan­te Hilfs­pa­ket für mehr als ei­ne hal­be Mil­li­on sei­ner Händ­ler not­wen­dig sein wird. Eu­ro­pa­weit könn­ten in den kom­men­den Wo­chen so­gar 45 Mil­lio­nen klei­ne Händ­ler be­trof­fen sein und da­mit cir­ca 112,5 Mil­lio­nen Ar­beits­plät­ze auf dem Spiel ste­hen.

In Deutsch­land gibt es laut Su­mUp rund 2,5 Mil­lio­nen Kleinunternehmen sowie 5,5 Mil­lio­nen Na­no-Un­ter­Firmen. Die­se sind für ca. 70 Pro­zent der Be­schäf­ti­gun­gen ver­ant­wort­lich, das wa­ren 2018 un­ge­fähr 32 Mil­lio­nen Deut­sche. “Auf­grund der mo­men­ta­nen Kri­se wer­den deutsch­land­weit vor­aus­sicht­lich mehr als 7,2 Mil­lio­nen klei­ne Un­ter­neh­men ih­re Ge­schäfts­tä­tig­keit ein­stel­len müs­sen”, so die Su­mUp-Chefs.

Vor der Corona-Krise: Tischtennis, Kicker und Sitzsack im Büro. <q>Helge Denker
Vor der Corona-Krise: Tischtennis, Kicker und Sitzsack im Büro. Helge Denker

Ret­tungs­fond mit ei­ner Mil­li­on Eu­ro ge­star­tet

Um die Kun­den zu un­ter­stüt­zen und auch fi­nan­zi­ell zu ent­las­ten, hat Su­mUp die Trans­ak­ti­ons­kos­ten für Dis­tanz-Zah­lun­gen für sei­ne Händ­ler aus­ge­setzt und die Rech­nungs­- und On­line-Shop-Lö­sung er­wei­tert – oh­ne zu­sätz­li­che Kos­ten für den Händ­ler. Auch ei­nen Ret­tungs­fond für sehr klei­ne Händ­ler wur­de ge­grün­det. Sein Um­fang: ei­ne Mil­li­on Eu­ro. Er soll Vor­schüs­se zur Ver­fü­gung stel­len, um die in der Kri­se er­lit­te­nen Um­satz­ver­lus­te aus­zu­glei­chen. Er soll “mit wei­te­ren Bei­trä­gen aus der Pri­vat­wirt­schaft auf­ge­stockt wer­den”, teilt das Un­ter­neh­men mit.

Su­mUp-CEO Da­ni­el Klein erklärt in ei­ner Mit­tei­lung:

Wir fin­den, dass kein Un­ter­neh­men auf­grund die­ser Pan­de­mie schei­tern soll­te und set­zen al­les dar­an, dies zu ver­hin­dern. Un­ser Fonds ist of­fen für je­den, der Klein- und Kleinst­un­ter­neh­mer in die­ser schwe­ren Zeit un­ter­stüt­zen möch­te.“

Auch die Bun­des­re­gie­rung will mit mil­li­ar­den­schwe­ren Hilfs­pa­ke­ten ver­hin­dern, dass die Co­ro­na-Kri­se, die längst auch ei­ne Wirt­schafts­kri­se ist, da­zu führt, dass zehntau­sen­de Ki­os­ks, Spät­kaufs, Büd­chen, Ca­fés, Knei­pen und Re­stau­rants schlie­ßen müs­sen.hd

 
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