SECURITY14. Mai 2021

Geldwäsche und Finanzkriminalität: BaFin zeigt N26 erneut die gelbe Karte

N26

Die Finanzaufsicht BaFin beanstandet bei der Neobank N26 die Maßnahmen zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung und ernennt einen Sonderbeauftragten, der der Challenger-Bank in Zukunft auf die Finger schauen wird. Es ist nicht das erste Mal, dass die BaFin sich „not amused“ über das Geschäftsgebaren der Berliner N26 zeigt. Analysiert man die Hintergründe, bleiben einige Fragen offen.

Die Finanzaufsicht BaFin hat am Dienstag angeordnet, „dass die N26 Bank GmbH Defizite sowohl im EDV-Monitoring als auch bei der Identifizierung und Verifizierung von Kunden zu beseitigen hat. Dazu hat die Bank eine angemessene personelle und technisch organisatorische Ausstattung zur Einhaltung ihrer geldwäscherechtlichen Verpflichtungen sicherzustellen.“

Dass die Berliner Bank so explizit an die kurze Leine genommen wird, ist etwas Besonderes – und gleichermaßen verwunderlich: Denn bereits 2019 hatte die Finanzaufsicht bei den Berlinern Defizite in dieser Hinsicht angemahnt und angekündigt, genauer hinzuschauen. Einige andere Genobanken hatten damals zwischenzeitlich sogar wegen zunehmendem Missbrauchs und Betrugsfällen Überweisungen an Konten bei N26 ausgesetzt. Kritisiert wurde damals vor allem das Identifikationsverfahren.

Dennoch ist N26 mit der Maßnahme, hierfür einen Sonderbeauftragten zu erhalten, der nach dem Rechten sieht, in bester Gesellschaft: Eine ähnliche Maßnahme gibt es bereits bei der Deutschen Bank (erst kürzliche Verlängerung einer Maßnahme von 2018), wenn auch unter gänzlich anderen Vorzeichen. Es wäre also falsch, die Schwächen, die hier offenbar herrschen, mit dem üblichen Neobanken-Bashing, das etablierte Häuser nur zu gerne bemühen, abzutun.

BaFin-Kritik: N26 zeigt Reue und gelobt Besserung

Die N26 tut als Reaktion auf die Maßnahme das einzig Vernünftige: Sie zeigt sich einsichtig und „erkennt an, dass noch mehr in diesem Bereich getan werden muss“:

Wir möchten unseren Beitrag im Kampf gegen die globale Finanzkriminalität leisten. Dieser Kampf ist eine gemeinschaftliche Aufgabe, Banken und Finanzinstitutionen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. N26 ist sich dieser Verantwortung bewusst und handelt.“

Erklärung des Managements von N26

N26-Deutschland-Chef Georg HauerN26

Auf die Kunden von N26 habe dies keine Auswirkungen, die Sicherheit der Kundenkonten oder ihrer Einlagen seien davon nicht betroffen. Als Begründung für einen Teil der Probleme wird die Corona-Pandemie angeführt: „Seit Beginn der Corona-Pandemie haben kriminelle Aktivitäten im Zusammenhang mit Online-Handel weltweit stark zugenommen. Dabei manipulieren Betrüger Dritte dahingehend, neue Konten zu eröffnen, um diese für betrügerische Zwecke zu verwenden. Die Anforderungen an Banken im Kampf gegen Kriminalität sind somit gestiegen.“

N26 erklärt aber, dass man nicht nur mit dem Sonderermittler entsprechend zusammenarbeiten wolle – was auch sonst – sondern auch, dass man illegale Transaktionen besser identifizieren und blockieren will:

In den kommenden Wochen werden wir betrügerische Aktivitäten in Echtzeit und somit sofort feststellen und blockieren können. Wir werden verstärkt daran arbeiten, unsere Verifizierungsprozesse weiter auszubauen.“

Erklärung des Managements von N26

Dazu gehöre auch der gezielte Einsatz von Systemen, Prozessen und Instrumenten, um potenzielle Betrüger schon vor dem eigentlichen Sign-up Prozess zu identifizieren und zu blockieren.

Zudem plane man die Vergrößerung der Teams im Bereich der Kriminalitätsbekämpfung um 150% und werde dazu auch auf externe Ressourcen zugreifen sowie die Teams im Bereich Business Operations weiter ausbauen. „Gleichzeitig werden unsere Teams die frühzeitigen Warnsysteme für die Bekämpfung von Geldwäsche und Finanzkriminalität weiterentwickeln, damit wir potenzielle betrügerische Aktivitäten noch schneller erkennen können“, erklärt das Unternehmen.

Unklar ist, ob die Maßnahmen mit der angekündigten Umwandlung in eine Finanzholding zusammenhängen. Dadurch stünde nicht mehr nur die Bank selbst, sondern auch die übrigen Teile des Unternehmens stärker im Fokus der BaFin. Billig ist all das freilich nicht. Die Bank erklärt, die Investitionen im Kampf gegen die Finanzkriminalität und Geldwäsche seit 2019 verdoppelt zu haben. Zuletzt wies die Bank für 2019 einen Jahresfehlbetrag von 217 Mio. Euro aus – und das bei etwa 100 Mio. Euro Ertrag.

Mehr als nur ein Schuss vor den Bug

N26

Die BaFin-Maßnahmen sind dieses Mal wohl mehr als nur ein Schuss vor den Bug. Denn dass die Aufsichtsbehörde gerade die Berliner in dieser Härte abstraft, obwohl es sicherlich auch bei anderen Challenger-Banken Defizite im Betrugsmanagement gibt, dürfte eigentlich nicht nur mit deren Größe zu tun haben. Schon 2019 gelobte die Neobank Besserung, hat hier aber offenbar nicht genug getan. Die Begründung „steigende Cyberkriminalität durch Corona“ klingt wenig plausibel – denn was davon wirkt nicht auch auf andere Banken und was davon hat mit geänderten Prozessen durch Homeoffice zu tun?

Mehr Mitarbeiter im Bereich der Betrugsprävention werden das Problem angesichts des schnellen Wachstums in unterschiedlichen Märkten nicht alleine und dauerhaft lösen. Und auch wenn Deutschland immer noch der größte Markt ist, wird die Internationalisierung mit ihrer wachsenden Komplexität noch für mehr Probleme in dieser Hinsicht sorgen. Pikantes Detail am Rande: Der oberste Geldwäschebekämpfer von N26 Thomas Ball (der den schönen Titel Group Money Laundering Officer trug) verkündete auf Linkedin in dieser Woche seinen Abschied, löschte den Beitrag offenbar kurz darauf aber wieder.

Tamás Künsztler / N26

Doch die Frage bleibt: Warum beißt sich die BaFin gerade an N26 fest, obwohl, wie man übereinstimmend aus der Branche hört, viele Workflows gerade beim Onboarding hier nicht grundlegend anders laufen als bei einer Vielzahl anderer Neobanken? Entweder übersehen die Vertreter der Aufsichtsbehörde hier gerade einiges oder wir werden im Laufe der Zeit auch bei den kleineren Vertretern ähnliche Vorfälle finden.

Vielleicht hoffen die Verantwortlichen auch darauf, dass die anderen Banken nun gleichermaßen alarmiert sind – wohl wissend, dass N26, so formuliert es ein mit diesem Teil der Branche Vertrauter, in den letzten Jahren einen Teil des Weges bereits zurückgelegt hat, der vor den Mitbewerbern noch liegt. Denn klar ist, dass diejenigen, die Sicherheitslücken im Hinblick auf Geldwäsche und Betrug bislang über diesen Weg genutzt haben, dieselben Workflows auch bei anderen Instituten nutzen werden.tw

 
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