STUDIEN & UMFRAGEN20. September 2021

Deutschland versagt im Kampf gegen Geldwäscher

Geldwäsche
Yury_K Bigstock

Deutschlands Schlagkraft gegen Geldwäscher nimmt immer weiter ab. Das gehe aus einer aktuellen Untersuchung von Pequris, einer auf Geldwäscheprävention spezialisierten Unternehmensberatung, hervor. Pequris (Website) habe dafür die Jahresberichte der Financial Intelligence Unit (FIU) und die polizeilichen Kriminalstatistiken (PKS) von 2017 bis 2020 miteinander verglichen und eine immer stärker werdende Diskrepanz zwischen eingehender Verdachtsmeldungen und polizeilicher Aufklärung festgestellt.

Seit der Verlegung der Financial Intelligence Unit zum Zoll seien die Zahlen der eingegangenen Meldungen über den Verdacht der Geldwäsche jedes Jahr deutlich gestiegen. Laut dem Jahresbericht 2017 erhielt die Zollbehörde in diesem Zeitraum insgesamt 59.845 Verdachtsmeldungen. Im Jahr 2018 waren es 77.252 Meldungen und 2019: 114.914. Im Jahr 2020 haben sich die Zahlen dann verglichen mit 2017 mehr als verdoppelt:

Insgesamt wurden der Financial Intelligence Unit im letzten Jahr 144.005 Meldungen über den Verdacht der Geldwäsche vorgelegt.“

Aus dem Report der FIU gehe auch hervor, dass nur 0,25 Prozent der an die Ermittlungsbehörden weitergeleiteten Verdachtsmeldungen nachweislich zu einer Aufdeckung von Geldwäsche-Straftaten beigetragen haben. Werden die Zahlen mit allen bei der Zollbehörde abgegebenen Verdachtsmeldungen verglichen, entspricht das einem Anteil von nur 0,05 Prozent.

Pequris

Die steigende Zahl an Verdachtsmeldungen an die FIU wirkt auf den ersten Blick ermutigend,  zeigt sie doch eine gesteigerte Sensibilität für das Thema Geldwäsche in Deutschland. Andererseits führt ein so drastisch gestiegenes Meldeaufkommen zu deutlichen Herausforderungen bei der Auswahl, Bewertung und Weiterleitung von Verdachtsmeldungen.“

Christina Reinhardt, Juristin und Geschäftsführerin von Pequris

FIU liefert den Behörden kaum mehr Fälle- trotz rasant steigender Verdachtsmeldungen

Da die Financial Intelligence Unit selbst keiner Strafverfolgungsbehörde zugehörig ist, werden eingehende Verdachtsmeldungen nach einer ersten Beurteilung durch die FIU an Polizei und Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

Trotz der um 140 Prozent gestiegenen Anzahl von Verdachtsmeldungen zwischen 2017 und 2020 wurden von der FIU kaum mehr Fälle an die verantwortlichen Strafverfolgungsbehörden gemeldet. Waren es im Jahr 2017 noch insgesamt 66 Prozent aller Verdachtsmeldungen (23.478), sind es im Jahr 2020 nur noch 17,2 Prozent (24.700 Meldungen) gewesen.

Verdachtsmeldungen schlagen sich nicht in polizeilicher Kriminalstatistik nieder

Im Jahr 2017 wurden 10.015 Geldwäsche-Straftaten in der polizeilichen Kriminalstatistik erfasst, im Jahr 2020 waren es hingegen nur noch 8.942 Delikte. Das entspricht einem Rückgang von 10,7 Prozent.

Laut Pequris deuten die Fallzahlen in einigen Bundesländern jedoch auch auf lokale Ermittlungserfolge hin.“

So seien die in der PKS erfassten Geldwäsche-Delikte in Thüringen (+79,3 Prozent), Schleswig-Holstein (+77,1 Prozent), Bayern (+23,5 Prozent), Baden-Württemberg (+23,1 Prozent), Sachsen-Anhalt (+22,4 Prozent) und Niedersachsen (+21,5 Prozent) von 2017 bis 2020 deutlich gestiegen. In Berlin (-63,73 Prozent) und Brandenburg (-51,0 Prozent) hingegen haben sich die Fälle von 2017 bis 2020 mehr als halbiert. Auch in Hessen (-22,1 Prozent) sind die erfassten Straftaten im Zusammenhang mit Geldwäsche gesunken.

Mehr Informationen zu den angegebenen Zahlen und Daten finden sie hier.ft

 
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