ZAHLUNGSVERKEHR21. August 2023

Genossenschaftsbanken setzen auf Bankkarten aus Holz – ist das wirklich nachhaltig?

DG Nexolution

Die Volks- und Raiffeisenbanken wollen ab Oktober eine neue Girocard aus Holz herausgeben. Die soll besonders nachhaltig und umweltschonend sein und wird mit dem üblichen Co-Badge der Visa-Debitkarte geliefert. Hergestellt wird die neue Holzkarte von der DG Nexolution, der Raiffeisen Druckerei und der Swiss Wood Solutions AG. Doch auch wenn das Holz aus nachhaltig bewirtschafteten und FSC-zertifizierten Wäldern in der EU und der Schweiz stammt, stellt sich die Frage, ob all das wirklich nachhaltig ist – oder nicht doch eher eine Mogelpackung im Sinne des Umweltgedankens.

Die Volks- und Raiffeisenbanken sind nicht die erste Bankengruppe, die sich für eine Bezahlkarte aus Holz entscheidet – schon vor gut einem Jahr berichteten wir über eine ähnliche Initiative der GLS Bank, die naturgemäß höhere Ansprüche an die Nachhaltigkeit haben muss. Diese lässt inzwischen verlauten, man wolle komplett auf Holzklasse umsteigen, was für die immerhin 250.000 Kunden passend erscheint. Schon im vergangenen Jahr hatten wir gemutmaßt, dass die von DG Nexolution gefertigte Karte bald auch bei weiteren Instituten der genossenschaftlichen Bankenwelt kommen könnte.

Jetzt erklären die ersten Volks- und Raiffeisenbanken, dass sie in Zukunft ebenfalls auf Girocard-Lösungen aus Holz setzen wollen. Rund 15 der Institute sind es laut dem Dienstleister DG Nexolution, die auf die neue Karte setzen wollen, was aber natürlich nur ein kleiner Teil der etwa 700 Institute ist. Insgesamt sind 27 Millionen Girocards bei den Genossen in Umlauf, rein rechnerisch werden somit jeweils Jahr für Jahr ein Viertel (zuzüglich Neukunden und Umstellungen) getauscht. Immerhin 50.000 Karten sollen in diesem Jahr auf Hölzchen und Stöckchen kommen, mehrere Millionen plant man im kommenden Jahr.

Dass die gute alte Plastikkarte hier nicht der Weisheit letzter Schluss ist, haben auch andere Banken schon verstanden – die Deutsche Bank etwa hat sich auf recycleten Kunststoff verlegt, andere Banken setzen auf einen Mix aus recyceltem PVC sowie Biokunststoff auf Basis von Maisstärke. Dennoch: Chip, Antenne und Magnetstreifen bleiben aber dennoch weiterhin ein Umweltproblem.

FSC-zertifiziertes Ahorn – und einiges mehr

Zu 90 Prozent besteht die neue nachhaltige Karte dennoch aus Holz (Ahorn aus FSC-zertifiziertem Anbau aus der Schweiz, Deutschland) und zu zehn Prozent aus Papier und biologisch abbaubarem Kleber, wie es heißt. Furnier soll dafür sorgen, dass die Karte widerstandsfähig genug ist, um mit der alten Plastikvariante in Sachen Stabilität mithalten zu können. Künftig sollen aber auch andere heimische Holzarten wie beispielsweise Kirschholz genutzt werden.

Nachhaltigkeit bewegt uns, unsere Kunden und deren Endkunden gleichermaßen. Bei der Entwicklung und im Angebot nachhaltiger Zahlungsverkehrskarten vorne dabei zu sein, ist unser Anspruch, um den genossenschaftlichen Verbund, aber auch neue Kunden aus Märkten weltweit mit innovativen Lösungen zu versorgen.”

Marco Rummer, Mitglied des Vorstandes von DG Nexolution

Bei den Genossen kommt die Karte in Zukunft mit der üblichen Co-Badge-Lösung, die das alte Maestro-System ersetzen soll. Eine Tochterfirma der DG Nexolution namens Copecto soll die Karten bald auch international anbieten und hat hierfür bereits dem Vernehmen nach Nachfragen ausgemacht. Mittelfristig ließen sich auch Mitarbeiterausweise und Geschenkkarten auf diese nachhaltige Weise fertigen. Nach Angaben des designierten Copecto-Chefs Christian Lehringer haben die US-Zahlungsdienstleister Mastercard und Visa, über deren Systeme internationale Zahlungen an der Ladenkasse und Online-Zahlungen laufen, die Holzkarten zertifiziert.

Nachhaltiges Verhalten oder Greenwashing?

VR-Banken

Ist all das wirklich nachhaltig oder lediglich Greenwashing? Immerhin haben die Genossen in Sachen Kreditvergabe an klimaschädliche Unternehmen und im Hinblick auf sonstiges ESG-konformes Verhalten wohl eine grünere Weste als gewisse Großbanken – und so nimmt man ihnen die Bemühungen für mehr Nachhaltigkeit ab. Deutlich wichtiger in Sachen Nachhaltigkeit wäre indes, würden Banken auf Chip und Antenne verzichten, bei denen hochwertige, umweltschädlich zu fertigende Rohstoffe und Metalle zum Einsatz kommen. Das würde den CO2-Fußabdruck deutlicher reduzieren als die Frage, ob Plastik oder Holz (plus Kleber).

Doch DG Nexolution geht nach eigenen Angaben davon aus, dass Bezahlkarten sowie andere Karten noch über Jahre von den Kunden nachgefragt und stark genutzt werden – und eben nicht so schnell durch Smartphone-Apps ersetzt werden, wie das sinnvoll wäre. Halten wir fest, dass die Holzkarte ein erster Schritt in die richtige Richtung ist, der komplette Verzicht auf physische Karten allerdings der weitaus umweltschonendere Schritt wäre.

Denn ein Großteil der Kundinnen und Kunden hat ja tatsächlich stets das Smartphone mit dem darauf befindlichen Chip griffbereit. Das freilich würde Umstellungen bei Geldautomaten und nicht zuletzt auch Zugangsschranken in den Filialen erfordern (oftmals können zwar die Geldautomaten bereits mit Smartphones, der Kunde kommt aber gar nicht durch die Tür, ohne seine (oder eine andere) Karte einzuschieben.tw

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