PAYMENT/ MOBILE PAYMENT9. Januar 2018

Wearables mit Persistent Authentification: Nur einmal am Tag einloggen und 100 % PSD2-kompatibel

Payment per Wearables
leungchopan/bigstock.com

Ein Wearable ist ein ‚Computersystem, das während der Anwendung am Körper des Benutzers befestigt ist‘ (sagt Wikipedia ein wenig umständlich). Oder einfacher: Es geht um Smartwatches, Fitnesstracker & Co. Die nützlichen Helfer verdrängen oft klassische Armbanduhren und sollen mehr Lebensqualität und Funktionen bringen. Aber es gibt Wearables auch als Ringe, Brillen, Schlüsselanhänger oder Kleidungsstücke. In jedem Fall ist ihre Zukunft rosig – glaubt man den Statistiken. Rudolf Linsenbarth forscht im Gespräch bei Arne Pache Head of Digital Payments & Labs Continental Europe im Bereich Global Products & Services von Mastercard nach.

von Rudolf Linsenbarth

Wearables als Fitness-Tracker
Satura/bigstock.com
Die Zahlen im Wearables-Markt sprechen eine deutliche Sprache und zeigen sehr steil in Richtung Wachstum. In Großbritannien beispielsweise sind 2016 über 13 Millionen Wearables verkauft worden. Laut dem „Connected Device Payments Report“ von BI Intelligence waren davon bereits 40 Prozent paymentfähig. Dieser Anteil soll bis zum Jahr 2020 auf über 60 Prozent steigen. Eine wohl durchaus realistische Annahme.

Gut möglich, dass Wearables auch beim Bezahlen das Mobile Payment abhängen

Der Preis eines Fitness Trackers liegt unter 100€ und die Geräte sind sowohl in der Android- als auch in der iOS-Welt nutzbar. Eine Blockade durch die iPhone Company ist somit ausgeschlossen.

Dieses Potenzial hat das Interesse von Mastercard und VISA geweckt. Ihre Tokenisierungs- Technologie passt bestens in die Strategie, Dinge des alltäglichen Lebens für Bezahlvorgänge zu ertüchtigen. Erste Produkte gab es schon 2017. Mit Fitbit und Garmin konnten zwei attraktive Partner gewonnen werden.

Arne Pache, MasterCard
Arne Pache Head of Digital Payments & Labs Continental Europe im Bereich Global Products & Services von MastercardMasterCard

Wir wollten von Mastercard wissen, wie es in 2018 weitergeht und ob diese Produkte auch mal den Weg nach Deutschland finden. Das Interview führten wir mit Arne Pache Head of Digital Payments & Labs Continental Europe im Bereich Global Products & Services von Mastercard.

Herr Pache, wann sehen wir denn die ersten neuen Wearables 2018?

Im März findet die „Baselworld“, die bedeutendste Uhrenmesse der Welt, statt. Dies ist immer ein guter Zeitpunkt, um solche Produktinnovationen zu präsentieren.

Wir sind mit vielen bedeutenden Uhrenherstellern im Gespräch und fast alle haben das Thema Payment jetzt auf der Agenda.“

Wie gelingt es, eine so große Anzahl von Anbietern gleichzeitig an Bord zu bringen. Beim Mobile Payment dauerte der Zertifizierungsprozess fast immer ein ganzes Jahr.

Hierbei helfen uns Standardisierung und Konzentratoren. Mit Tokenisation haben wir nun einen einfachen Prozess, der es den Banken erlaubt, ihre Karten einfach und schnell für neue Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Damit die entsprechenden Token Requestor, als  Geräte bei denen die Kartendaten abgelegt werden, einfach integriert werden können, gibt es nun sogenannte Konzentratoren. Die Firma FitPay etwa ist ein solcher Konzentrator.

Mastercard

Das bedeutet, nicht jeder Hersteller eines Wearables muss sich einzeln für das Programm zertifizieren. Wir reduzieren hier die Aufwände im erheblichen Umfang.“

FITPAY, die unter anderem Garmin-Devices mit Payment ausstatten, ist ein Beispiel für ein erfolgreiches Projekt. Wir werden aber auch weiterhin Hersteller wie z.B. Fitbit direkt integrieren, das hängt immer von der jeweiligen Konstellation ab.

Wie kommen Banken und Uhrenhersteller jetzt zusammen.

Alle Banken, die auf MDES von Mastercard setzen, können ohne technische Anpassung ihres Backend-Prozesses sofort loslegen.“

Das heißt, ihnen stehen alle Wearables zur Verfügung, die sich bereits bei Mastercard zertifiziert haben und sie entscheiden aber, welche sie für ihre Kunden freischalten möchten. Das Aufwändigste ist für sie dann nur noch, gegebenenfalls gemeinsame Marketingmaßnahmen mit dem Hersteller abzustimmen.

In welchen Ländern Europas gibt es bereits Kooperationen zwischen Fitbit und oder Garmin?

Das ist schon heute eine lange Liste: Großbritannien, die Schweiz, Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen, Polen, Spanien, Irland, Italien und Russland. Die Entwicklung schreitet hier schnell voran und in 2018 werden noch einige dazu kommen.

Auch Deutschland?

Ich gehe davon aus, dass Deutschland dieses Jahr ebenfalls am Start ist. Deutsche Banken zeigen definitiv Interesse und viele haben schon eine Anbindung an unser MDES-System.“

Die Fragen stellte Rudolf Linsenbarth
Rudolf LinsenbarthRudolf Linsenbarth beschäftigt sich mit Mobile Payment, NFC, Kunden­bindung und Digitaler Identität. Er ist seit über 15 Jahren in den Bereichen Banken, Consulting, IT und Handel tätig. Linsenbarth ist profilierter Blogger der Finanzszene und kom­men­tiert bei Twitter unter @holimuk die aktuellen Ent­wick­lungen. Alle Beiträge schreibt Rudolf Linsenbarth im eigenen Namen.
Wie wird das Bezahlen mit einer Smartwatch funktionieren? Ist die Benutzerführung genauso wie bei Apple Pay auf der Apple Watch.

Absolut! Der Kunde gibt beim Anlegen der Uhr einen Code ein und der ist 24 Stunden gültig oder bis die Uhr vom Arm genommen wird. Genau wie bei der Apple Watch erkennt das Wearable, ob noch eine Verbindung zum Handgelenk besteht.

Wir sprechen hier von der sogenannten „Persistent Authentification“. Der Kunde muss sich nur einmal authentifizieren und dann am Terminal auch keine weitere PIN mehr eingeben. Damit ist dieses Verfahren auch 100% PSD2-kompatibel.“

Wenn hier die Vorteile so deutlich überwiegen, werden passive Lösungen wie von Watch2Pay oder die bisherige Swatch-Lösung vom Markt verschwinden?

Nein, auch hier gibt es Weiterentwicklungen. Wir werden Tokenisierung auch für passive Elemente zur Verfügung stellen. Und der Ablauf einer Kreditkarte soll künftig nicht die Payment-Funktion der Uhr unbrauchbar machen. Der Markt verlangt nach solchen Lösungen. Die Hersteller von hochwertigen mechanischen Uhren wollen ihren Kunden auch zukunftsträchtige Lösungen anbieten, und dabei weiter auf die Werte setzen, weshalb ihre Produkte gekauft werden.

Eine Lösung sind da sogenannte Retrofits z.B. über den Austausch des Armbands bei klassischen Modellen, wodurch die schon beim Kunden vorhandenen Uhren „aufgerüstet“ werden.“

Da wird es in Zukunft eine große Vielfalt an Lösungen geben.

Herr Pache, vielen herzlichen Dank für den Einblick!Rudolf Linsenbarth

 
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