FINTERVIEW / FINTECH IM INTERVIEW4. Oktober 2018

Holvi, Tuomas Toivonen: „Wir entwickeln etwas, das man als kontextuelles Banking bezeichnen könnte“

Tuomas Toivonen, Holvi
Tuomas Toivonen, HolviHolvi

Die Idee hinter Holvi wurde von Co-Founder Tuomas Toivonen entwickelt. Als leidenschaftlicher Unternehmer und visionärer Techie ist Tuomas selbst ein erfahrener Entrepreneur. Vor Holvi gründete er mehrere Payment- und Technologie-Unternehmen, darunter die Software-Beratung Fishpool und die Peer-to-Peer-Geld-Plattform Scred. Als interessierter Hacker und ausgebildeter Informatiker hat Tuomas es schon immer genossen, Dinge von Grund auf zu entwickeln. Nachdem er 15 Jahre lang Regierungen und Mobilfunkbetreiber auf der ganzen Welt zum Thema Zahlungsinfrastruktur beraten hat, beschloss er, eine eigene, überlegene Business-Banking-Lösung zu entwickeln: Holvi.

Warum habt Ihr Holvi gegründet?

Unsere Gründer und viele der Holvi-Mitarbeiter sind ehemalige Selbstständige und Kleinunternehmer. Wir haben mit der Lösung alltäglicher Probleme angefangen, die Event-Veranstalter, Verbände und Projektarbeiter bei der Verwaltung ihrer Finanzen hatten. Uns war schnell klar, dass es noch mehr Menschen mit ähnlichen Herausforderungen gibt und eine größere Nachfrage nach einem Service wie unserem besteht. Es gibt zahlreiche Freelancer und Selbstständige – oder “Maker and Doer”, wie wir sie nennen – die derzeit von traditionellen Banken und anderen Anbietern schlecht betreut werden.

Die Idee hinter Holvi wurde von Co-Founder Tuomas Toivonen entwickelt. Als leidenschaftlicher Unternehmer und visionärer Techie ist Tuomas selbst ein erfahrener Maker und Doer. Er benötigte einfache und effiziente Finanzmanagement-Tools für die Verwaltung seiner eigenen Unternehmen – und entwickelte Holvi.

Welches Kundenproblem möchtet Ihr lösen?

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet in der Regel viel bürokratischen Aufwand – vor allem bei der Verwaltung der Finanzen. Freelancing ist für uns das Geschäftsmodell der Zukunft, entsprechend möchten wir Freelancern die Arbeit so einfach wie möglich gestalten.

Durch die Kombination von Bank- und Business-Tools können wir den administrativen Aufwand unserer Kunden im Tagesgeschäft deutlich reduzieren.“

Es ist von Anfang an unser Ziel gewesen, unseren Kunden die Möglichkeit zu geben, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – ihr Geschäft. Daher arbeiten wir täglich daran, Europas Nummer 1-Anbieter von Entrepreneurship-as-a-Service für Freelancer, Selbstständige und Kleinunternehmer zu sein.

Was ist Eure Value Proposition?

Was wir anbieten, ist ein Business-Banking-Service für europäische Freelancer und kleine Unternehmen.

Was uns von anderen unterscheidet, ist, dass wir die üblichen Banking-Dienstleistungen bündeln, die von Unternehmern benötigt werden: Rechnungsstellung, einen Online-Shop, Echtzeit-Reporting – kurzum alles, was Selbstständige benötigen in einem Paket und papierlos.“

So können sich unsere Kunden auf ihre Kernkompetenz konzentrieren und nicht auf das Sortieren von Rechnungen und Belegen. Wir arbeiten darüber hinaus mit Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Steuerberatern zusammen, wollen aber keineswegs behaupten, dass wir die Software für die Buchhaltung bereitstellen oder dass wir die eigentliche Buchhaltung im Namen unserer Kunden durchführen würden.

Wie finanziert sich Holvi heute? Gibt es bereits Erträge?

In der Anfangsphase wurden wir durch den finnischen Publikumsfonds Tekes und private Angel-Investoren finanziert. Darüber hinaus haben wir Startkapital von einem österreichischen VC namens Speedinvest aufgenommen. Im Jahr 2016 wurden wir von der spanischen Bankengruppe BBVA übernommen. Seitdem sind wir Teil der neuen digitalen Business-Unit.

Bitte beschreibt kurz Euer Geschäftsmodell?

Holvi ist der erste digitale Banking-Service für Freiberufler, Selbstständige und kleine Start-ups und vereint alles, was moderne Unternehmer benötigen, in einer einzigen, einfach zu bedienenden Lösung. Das digitale Geschäftskonto bringt Tools zum Geldeinnehmen und für das Ausgabenmanagement zusammen: Rechnungserstellung, einen Online-Shop, eine Business-Mastercard sowie die papierlose Buchhaltung zeigen, dass Holvi das Gegenteil zum klassischen Bankerlebnis anbietet.

Holvi

Wie setzt sich Euer Team zusammen?

Das Holvi-Team ist nach verschiedenen Kernfunktionen organisiert: Produkt & Design, Software Engineering, Technical Operations, Marketing & Kommunikation, Business Development, Customer Success & Operations and Control, Finance & Legal. Wir widmen rund 50 Prozent unserer Zeit diesen funktionalen Teams und arbeiten darüber hinaus in funktionsübergreifenden Teams zusammen, um neue Produkte zu entwickeln.

Seht Ihr die Banken als Kooperationspartner und falls ja: Was kann man in der Zusammenarbeit voneinander lernen; falls nein – warum ist eine Kooperation nicht angedacht oder nicht sinnvoll?

Wir sind Teil der BBVA und unsere Erfahrungen sind sehr positiv.“

Wir pflegen eine enge Kommunikation sowohl mit der Bankengruppe als auch mit anderen Portfolio-Unternehmen, in die BBVA investiert oder die BBVA erworben hat. Dies gibt uns Zugang zu einer Vielzahl von Branchenkenntnissen und hilft uns bei unserem Wachstum.

Was könnt Ihr besser als Banken?

Traditionsgemäß haben Banken ihr Kernangebot rund um ein One-size-fits-all-Produkt oder eine entsprechende Dienstleistung herum gebaut und versuchen, eine Lösung für jeden parat zu haben.

Wir bieten dagegen eine maßgeschneiderte Lösung an: Unser großer Vorteil ist, dass es ein reales Bedürfnis nach einem einfachen Geldmanagement-Tool gibt. Unser Team kennt die Wünsche unserer Kunden sehr genau und weiß, worauf es bei der Verwaltung und Ordnung ihrer Finanzen ankommt. Wir versuchen, unseren Entwicklungszyklus nahe an unseren Kunden auszurichten und ihr Feedback und ihre Kommentare bei der Produktentwicklung zu integrieren, um unser Serviceangebot weiter zu verbessern.

Holvi konzentriert sich darauf, etwas zu entwickeln, das man als kontextuelles Banking bezeichnen könnte – ein maßgeschneiderter Service für Freelancer, Selbstständige und Kleinunternehmer, der es ihnen ermöglicht, das Produkt für ihre spezifischen Bedürfnisse zu nutzen.“

Hier spielen wir einen weiteren Vorteil aus: die Nähe zu unseren Kunden – wir kennen ihre speziellen Bedürfnisse und können sie deshalb in unseren Service integrieren.

 Wo seht Ihr die größten Herausforderungen in der Zukunft? Für FinTech und die Finanzbranche?

FinTech hat derzeit vor allem im Consumer-Bereich großes Potenzial bei der Kundengewinnung gezeigt …

… es wird interessant zu sehen sein, wie die Player den Kundenstamm in Gewinne umwandeln, die langfristig nicht durch 0-Euro-Produkte erzielt werden können.“

Die Digitalisierung und der Abgleich der Verbraucherbedürfnisse mit maßgeschneiderten Produkten wird weiterhin eine Herausforderung für die Finanzindustrie sein.

Die Fragen stellte Boris Janek
Boris Janek wurde 1967 in Gummersbach geboren. Ein Studium der So­zi­al­wis­sen­schaf­ten, Organisationswissenschaften und Psychologie brachte ihn nach Wuppertal. Seine Karriere startete er als Personalberater bei apriori. Anschließend wurde er Leiter guide Entwicklung bei der guide guide ag Rolandseck. 2001 wurde Janek Mitarbeiter der VR-NetWorld, danach Digital Innovation Strategist. Heute ist er bei der ADG – Akademie Deutscher Genossenschaften tätig. Ein Insider, der Innovationen vorantreibt, Startups kennt und die Bankensicht damit vereinbart. Janek betreibt das Blog financezweinull.de und ist auch auf Twitter aktiv (@electrouncle).

Finterview im IT FINANZMAGAZIN

Mit dem ‚Finterview‚ ist nun das FinTech-Interview von Boris Janek im IT Finanzmagazin angekommen.
Du hast selber ein FinTech oder InsurTech Startup oder beabsichtigst eines zu gründen und hast Interesse am Finterview, dann melde Dich einfach bei Boris (boris.janek@it-finanzmagazin.de).

Wie erfolgt eure Marktbearbeitung/-eroberung?

Wir verfügen über eine eigene, unabhängige Betriebsgenehmigung. Das bedeutet, dass wir schnell innerhalb der EU expandieren können und keine separate Lizenz benötigen.

Welche Pläne habt Ihr konkret für die nächsten 12 Monate

Wir arbeiten täglich an unserer Vision, Europas Nummer 1-Anbieter von Entrepreneurship-as-a-Service für Freelancer, Selbstständige und Kleinunternehmer zu sein und eine starke Community aufbauen, um unsere Kunden in allen Bereichen ihres beruflichen Alltags zu unterstützen. In den nächsten 12 Monaten werden wir zudem weitere Märkte erschließen.

Wer sind Eure Wettbewerber?

Mehr als mit Unternehmen konkurrieren wir mit Prozessen. Unser Kundensegment mischt traditionell private Finanzen mit Geschäftsfinanzen. Zunächst müssen wir potenzielle Kunden davon überzeugen, ein Geschäftskonto zu eröffnen.

Darüber hinaus stehen wir mit altmodischen Methoden in Konkurrenz: Rechnungen in Word erstellen, Zahlungen in Excel verfolgen und Quittungen in einem Schuhkarton aufbewahren.“

Wir wollen das ändern und zeigen, dass sich Bankgeschäfte leicht mit der Unternehmensführung kombinieren lassen und die gesamte Geldverwaltung problemlos in einem digitalen Format erfolgen kann. Aus Unternehmensperspektive konkurrieren wir mit Unternehmen, die sich auf unser Kernsegment konzentrieren; europäische Kleinunternehmer, die nach Möglichkeiten suchen, ihre Finanzen zu verwalten.

Welche Auswirkungen wird die PSD2-Richtlinie auf die Finanzbranche haben? Erwartet Ihr Euch davon Vorteile?

Das klassische Bankwesen, wie es heute ist, wird es mittelfristig nicht mehr geben. Dank PSD2, die Drittanbietern den Zugang zu Bankkonten ermöglicht, können Kunden je nach Bedarf unterschiedliche Dienstleister nutzen – und nicht mehr die eine Bank haben. Darin sehen wir weitere Geschäftschancen, wenn Kunden ihre Dienste ganz nach ihren Wünschen zusammenstellen können. Das schafft zwar neue Möglichkeiten, kostet die Kunden aber Zeit.

Hier wollen wir ansetzen und zusätzlich zu den unseren eigenen Angeboten Dienstleistungen Dritter integrieren, von denen wir annehmen, dass sie der Kundschaft zugutekommen. Aus Kundensicht wirkt es dann so, als würden sie nur mit Holvi (Website) interagieren und alle Finanzmanagement-Tools in einem Service erhalten.

Mal abgesehen von FinTech: Welches komplexe Problem möchtet Ihr für diese Welt lösen?

Das ist eine große Frage! Lassen Sie uns zuerst die Herausforderungen lösen, die Freelancer im Umgang mit ihren Finanzen haben. Im nächsten Schritt können wir dann schauen, was darüber hinaus zu erledigen ist.

Tuomas, vielen Dank für das Interview.Boris Janek

Ein Holvi-Produktvideo gibt es hier.

 
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https://itfm.link/78584
 
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