INTERVIEW4. Oktober 2019

Krypto-Assets in der Vermögensverwaltung: Ein IT‑Problem? Interview: Martin Greweldinger, Avaloq

Krypto-Assets in der Vermögensverwaltung: Ein IT‑Problem?
Martin Greweldinger, Group Chief Product Officer bei AvaloqAvaloq

Ob Bitcoin, Token oder Krypto-Asset – die meisten Einzelanleger zögern mit dem Schritt in diese Anlageformen. Oft bieten Banken und Vermögensverwalter solche digitalen Anlagen auch noch gar nicht an. Wir haben mit Martin Greweldinger, Group Chief Product Officer von Avaloq, über die technischen Probleme und Voraussetzungen gesprochen. Wie kompliziert ist es für die IT?

Herr Greweldinger, was hält denn Banken und Anleger von einer schnelleren Umsetzung ab? Ist es technisches Unverständnis?

Dafür gibt es verschiedene Ursachen. Die Komplexität der Technologie ist sicher ein Aspekt. Die zugrundeliegenden Verfahren sind nicht einfach zu verstehen. Schon daher entsteht das Gefühl, das Risiko sei hoch, Fehler zu begehen.

Zudem gab es bei einigen Dienstleistern aus dem Blockchain- bzw. Bitcoin-Bereich in der Vergangenheit ja tatsächlich große Verluste. Auch das trägt dazu bei, dass sich Banken und risikoaverse Anleger noch zurückhalten.“

Der Krypto-Markt und seine Technologie scheinen recht unreif zu sein. Wie könnten Banken und Vermögensberater ihre Portfolios so erweitern, dass ihnen die BaFin keinen Strich durch die Rechnung macht?

Es ist wichtig, etablierte Anbieter zu nutzen, die über entsprechendes Know-how verfügen. Ebenso ratsam ist es, bei der Auswahl der Partner zu berücksichtigen, ob sie schon Zertifizierungen erworben und sich entsprechenden Audits unterzogen haben.

Wie sieht das bei der Technik aus? Welche technischen Möglichkeiten gibt es?

Bei Avaloq verfolgen wir den Ansatz, die neue Krypto-Asset-Lösung nahtlos in unsere bestehenden Systeme zu integrieren. Das bedeutet: Unsere Kunden können auf unserer Plattform einfach METACO SILO für die Krypto-Assets ihrer Klienten einsetzen. SILO ist eine spezialisierte, zertifizierte und sichere Lösung zur Verwaltung der kryptografischen Schlüssel. Banken und Vermögensverwalter werden für ihre Klienten dadurch zum Custodian ihrer Digital Assets. So wird auch eine nahtlose Integration von Krypto-Assets in den gesamten Anlageprozess möglich.

Martin Greweldinger, Avaloq
Martin Greweldinger ist Group Chief Product Officer bei Avaloq, einem internationalen FinTech-Unternehmen, das Digital-Banking und Kernbankensysteme herstellt und anbietet. Als Group CPO ist er der Übersetzer zwischen Markt, Technologie und Services. Zu den Verantwortlichkeiten von Martin Greweldinger zählen unter anderem die Produktstrategie, Produktdesign, Produktmanagement sowie Produktpositionierung, -messaging und -preisgestaltung. Martin Greweldinger hat langjährige und breite Erfahrungen in der Digitalisierung der Finanzdienstleistungsbranche und verbrachte über 15 Jahre seiner Karriere bei führenden Finanzinstituten und Beratungsunternehmen in Europa und Asien (Boston Consulting Group, Commerzbank, Credit Suisse und Dresdner Bank), mit einem klaren Fokus auf der Gestaltung digitaler Lösungen. Martin Greweldinger besitzt einen MBA der IE Business School und einen B.Sc. in Wirtschaftsinformatik der Frankfurt School of Finance and Management.

Wie vermeiden Banken einen Vendor-Lock-in?

Dem lässt sich sehr effektiv begegnen, wenn man bei der Auswahl des Partners die Charakteristika berücksichtigt, die für dessen Offenheit und Flexibilität kennzeichnend sind.

Man sollte etwa darauf achten, dass er etablierte Standards nutzt. Sehr vorteilhaft ist auch eine offene Architektur, die Anbindungen per API gestattet.“

Ein großer Pluspunkt ist zudem ein Ecosystem des Anbieters, das die Integration neuer FinTech-Lösungen vereinfacht und fördert. Dies erhöht die Flexibilität angesichts des digitalen Wandels. Unser eigenes Ecosystem hat mit avaloq.one einen Marktplatz, auf dem verschiedenste FinTechs ihre Lösungen anbieten und Banken auswählen, welche Innovationen sie integrieren möchten – gleichsam ein App-Store fürs Banking. (mehr dazu im vorigen Interview bei ITFM)

Zeichnet sich schon ab, welcher Ansatz beim Krypto-Asset-Management – ein Outsourcing oder Insourcing der Krypto-Lösung – mittelfristig sinnvoller sein wird?

Mittel- bis langfristig wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Outsourcing der Krypto-Lösung als sinnvoller erweisen. Die Gründe dafür sind das größere Know-how eines spezialisierten Anbieters, dessen größere Effizienz und die Möglichkeit, Sidechains und Transaction-Pooling zu nutzen, um so Transaktionskosten zu verringern.

Gerade in Bezug auf die BAIT ist Outsourcing heikel. Wäre es da nicht sinnvoller, dass die Banken es lieber Inhouse (on-premise) lösen?

Mit den BAIT erhöht die BaFin natürlich die Ansprüche an das Outsourcing, aber diese höheren regulatorischen Anforderungen sind kein grundsätzlich unlösbares Problem. Sicherlich sind entsprechende Prozesse und vertragliche Regelungen notwendig.

Aber dennoch überwiegen die Vorteile von Outsourcing – wie höhere Sicherheit, bessere Skalierbarkeit, gesteigerte Effizienz.“

Wie aufwändig sind die beiden Lösungen?

Für die Kunden, die mit der Avaloq-Plattform arbeiten, ist es denkbar einfach. Krypto-Währungen lassen sich sehr leicht ins System integrieren. Sie werden dann einfach genutzt wie andere Währungen auch. Will man dagegen Teile der Krypto-Wertschöpfungskette an spezialisierte Anbieter auslagern, könnte eine Lösung darin bestehen, kryptobasierte Fonds von einem Vermögensverwalter oder Hedgefonds zu beziehen, um sie den eigenen Kunden zu offerieren. Dies wäre ein einfacher Zugang zum Krypto-Markt, der einen Großteil der Belastungen vermeidet. Allerdings schöpft er auch nicht alle Vorteile der zugrundeliegenden Krypto-Assets aus.

Glauben Sie, Tokens auf DLT werden dauerhaft relevant?

Tokenization und DLT sind definitiv ein Thema mit Zukunft.

Ihre künftigen Anwendungsbereiche gehen noch weit über Kryptowährungen hinaus. Davon sind alle Bereiche betroffen, in denen es bislang noch hohe Kosten für Intermediäre gibt. Tokens und Smart Contracts werden auch einen Handel mit Assets gestatten, die ansonsten nicht einfach digital handelbar wären.“

Derzeit spielt sich das meiste auf der klassischen Blockchain ab. Die wird aber immer langsamer – aktuell sollen es nur noch 2-6 Transaktionen pro Sekunde sein. Welche Systeme sind künftig für Transaktionen skalierbar genug (Thema Investitionssicherheit)? Genügt Lightning auch noch in fünf Jahren?

Skalierbarkeit ist sicher ein wichtiges Thema, aber kein K.o.-Kriterium. In Zukunft wird es mehr spezialisierte Ledger für einzelne Anwendungsbereiche geben. Ganz allgemein wird sich die Technologie weiterentwickeln, hin zu mehr Skalierbarkeit und Geschwindigkeit. Auch Pooling-Techniken werden dazu dienen, die Zahl von Transaktionen auf der Blockchain zu reduzieren.

Werden wir Wertpapiere in fünf Jahren ausschließlich per DLT handeln?

Das denke ich nicht. DLT hat sicherlich ein großes Potential, doch ein Zeithorizont von fünf Jahren für eine komplette Ablösung des herkömmlichen Handels ist sehr wahrscheinlich zu kurz gegriffen. Selbst wenn die deutsche Bundesregierung gerade ihre Blockchain-Strategie verabschiedet hat und ausdrücklich erklärt, das deutsche Recht für elektronische Wertpapiere öffnen zu wollen. Perspektivisch haben Sie aber vollkommen recht.

Ich glaube, eine komplette Substitution des klassischen Wertpapierhandels durch DLT ist denkbar.“

Herr Greweldinger, vielen Dank für das Interview.aj

 
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