pKYC vs. Deepfake: Wie die Bayerische Betrüger aussticht

die Bayerische
von Dunja Koelwel
Herr Dr. Herbert Schneidemann, wie passen Sie ihre internen Prozesse bis zum Stichtag am 10. Juli 2027 an das unmittelbar geltende EU-Recht an?
Die Bayerische hat ein gruppenweites Umsetzungsprojekt aufgesetzt. Auf Grundlage einer Gap-Analyse wurden notwendige Anpassungen bei Richtlinien, Prozessen und Schulungen identifiziert. Ziel ist, die neuen Anforderungen rechtzeitig in den Regelbetrieb zu integrieren.
Wie reagieren Sie auf die verschärften EU-weiten Regeln zur Identifizierung des wirtschaftlich Berechtigten (UBO)?
Der neue Prüfungsansatz erfordert eine umfassendere Betrachtung der Beteiligungs-, Organisations- und Kontrollstrukturen von Firmenkunden. Darauf bereiten wir die betroffenen Fachbereiche und Prozesse vor. Zugleich prüfen wir den Einsatz qualifizierter externer Anbieter und geeigneter Fernidentifizierungsverfahren.
Abwehr von KI-generiertem Betrug und Perpetual KYC (pKYC)
Welche Technologien nutzen Sie, um sich vor täuschend echten Deepfakes und gefälschten Ausweisdokumenten zu schützen?
Die Bayerische kombiniert organisatorische und technische Schutzmaßnahmen. Dazu gehören die Sensibilisierung der Vermittler und technische Prüfungen bei der Fernidentifizierung. Zu Einzelheiten der eingesetzten Sicherheitsverfahren äußern wir uns bewusst nicht.
Perspektivisch wollen wir verstärkt auf digitale Verfahren wie die Online-Ausweisfunktion setzen, bei der kryptografisch gesicherte Daten direkt aus dem Ausweis ausgelesen werden.“
Wie gelingt der Wechsel von starren, periodischen Aktualisierungszyklen (z. B. alle 1/3/5 Jahre) hin zu einer kontinuierlichen Echtzeit-Überwachung von Kundendaten?
Dr. Herbert Schneidemann ist Vorsitzender des Vorstands der Bayerischen (Webseite). Seine berufliche Laufbahn begann der promivierte Mathematiker 1996 bei der HUK-COBURG-Lebensversicherung. Von 2003 bis 2006 wechselte er zum Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und leitete dort die Abteilung Mathematik, Versicherungsmedizin und Produktvergleiche. Zudem war er Geschäftsführer des Ausschusses für Mathematik und Statistik sowie des Ausschusses für Versicherungsmedizin und Ärztefragen. 2007 trat er in die Bayerische ein, wurde 2008 in den Vorstand der Lebensversicherung berufen und ist seit 2012 Vorstandsvorsitzender der Gruppe.Die Bayerische arbeitet bereits mit einem einheitlichen und bewusst kurzen Aktualisierungsturnus. Zusätzlich wird die Aktualität der Daten bei jedem Kundenkontakt überprüft. Weitere Anpassungen erfolgen, sobald die finalen regulatorischen Vorgaben vorliegen.
Verkürzung der Onboarding-Zeit, Schnittstelle Versicherung und Einsatz von Managed Services
Wie balancieren Sie die strengen regulatorischen Pflichten aus, ohne Neukunden durch langwierige, komplizierte Prüfprozesse zu verschrecken?
Automatisierte Schnittstellen und qualifizierte Datenanbieter können dazu beitragen, notwendige Informationen im Hintergrund zu erheben und abzugleichen. Ziel ist, die regulatorischen Anforderungen zu erfüllen und den zusätzlichen Aufwand für Kunden möglichst gering zu halten.
Da Versicherungen oft über Makler vertreiben, stellt sich die Frage: Wie kann ein lückenloser Datenaustausch für KYC gelingen, ohne Datenschutzrechte (DSGVO) zu verletzen?
Es werden ausschließlich die gesetzlich erforderlichen Daten erhoben und übermittelt. Die Aufgaben und Verantwortlichkeiten von Makler und Versicherungsunternehmen sind klar geregelt. Datenschutz und Datenminimierung werden bei der Gestaltung der Prozesse und Schnittstellen von Beginn an berücksichtigt.
Lohnt sich das Outsourcing von standardisierten KYC-Prüfungen an spezialisierte Drittanbieter, um die internen Compliance-Teams zu entlasten?
Die Bayerische prüft den Einsatz qualifizierter externer Anbieter, etwa für standardisierte Datenabfragen und -abgleiche. Voraussetzung sind eine verlässliche Datenqualität und die Einhaltung der regulatorischen und datenschutzrechtlichen Anforderungen. dk
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