STRATEGIE14. April 2026

Open Finance: Junge Kunden treiben Nachfrage nach vernetzten Finanzservices voran

Mit der geplanten Financial Data Access Regulation (FiDA) wird ein europaweit einheitlicher Rahmen für den Zugang zu Finanzdaten geschaffen. Für Banken ergibt sich daraus eine zentrale strategische Fragestellung: Wer wird künftig die Kontrolle über die Wertschöpfung im Finanzdaten-Ökosystem ausüben? Die auf Finanzdienstleister spezialisierte Management- und Technologieberatung Cofinpro beleuchtet diese Entwicklung und liefert in ihrem aktuellen Whitepaper „Open Finance – Vom Produktdenken zur Plattformstrategie“ entsprechende Impulse und Handlungsempfehlungen.

Cofinpro Open Finance Matrix
Cofinpro

Open Finance ist mehr als eine reine Technologiefrage rund um Schnittstellen oder Datenfreigaben. Es ist der Startschuss für eine strategische Positionsentscheidung“, sagt Norman Philipp, Manager bei Cofinpro. Die geplante Regulierung bringe neue Möglichkeiten der Datennutzung. Banken, FinTechs und Technologieunternehmen werden dabei stärker miteinander konkurrieren und miteinander zusammenarbeiten. „Entscheidend wird sein, wer diese Möglichkeiten aktiv gestaltet. Wer passiv abwartet, wird von anderen im Ökosystem positioniert“, erklärt der Zahlungsverkehrs-Spezialist.

Open Finance reicht deutlich über die bisherigen Ansätze des Open Banking hinaus. Künftig lassen sich Daten zu Krediten, Wertpapierdepots und Versicherungen institutsübergreifend enger miteinander verknüpfen und ganzheitlich nutzen. Unterstützt wird diese Entwicklung durch neue regulatorische Vorgaben wie die Payment Services Regulation (PSR) sowie die überarbeitete EU-Zahlungs­dienste­richtlinie PSD3. Parallel dazu verschärft sich der Wettbewerb in der Finanzbranche spürbar, da große Technologieunternehmen wie Apple, Google oder PayPal zunehmend die Kundenschnittstelle besetzen und eigene Zahlungs- und Finanzservices etablieren.

Hohe Wechselbereitschaft unter Jüngeren

Cofinpro Open Finance Matrix
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Eine aktuelle, bevölkerungs­repräsentative Untersuchung von Cofinpro zeigt darüber hinaus, dass insbesondere jüngere Verbraucher den durch FiDA eröffneten Möglichkeiten sehr aufgeschlossen gegenüberstehen. So erkennen etwa 71 Prozent der 18- bis 34-jährigen Bankkunden in Deutschland einen klaren Vorteil in einem zentralen Finanzdashboard, das Informationen verschiedener Institute bündelt und damit die Basis für eine umfassende Beratung schafft. Noch bemerkenswerter ist die Wechselbereitschaft: 63 Prozent dieser Altersgruppe wären bereit, ihre Bank zu wechseln, um Zugang zu einem vollständig digitalen Finanzprofil zu erhalten.

Infrastrukturanbieter oder Plattform-Orchestrator – genau hier liegt die strategische Kernfrage für Banken. Das Whitepaper von Cofinpro skizziert unterschiedliche Rollenbilder. Einerseits können Institute als Infrastrukturanbieter auftreten, indem sie Daten und grundlegende Services bereitstellen, während andere Marktteilnehmer die Kundenschnittstelle kontrollieren und die Wertschöpfung koordinieren. Andererseits besteht die Möglichkeit, selbst als Plattform-Orchestrator zu agieren, eigene Angebote mit Leistungen von Partnern zu kombinieren und so integrierte Finanzlösungen aus einer Hand bereitzustellen. In diesem Modell bleibt die direkte Beziehung zum Kunden erhalten. „In der Praxis werden viele Institute einen hybriden Ansatz verfolgen. Entscheidend ist jedoch, dass die Positionierung bewusst gewählt wird“, erklärt Marie-Chantal Becker, Expert Consultant bei Cofinpro.

Banking wird zum integrierten Service im Alltag

Ein Ausblick auf das Jahr 2030 verdeutlicht, wie sich Open Finance aus Kundensicht weiterentwickeln könnte: Ein digitaler Finanzassistent übernimmt im Hintergrund die Steuerung von Konten, Versicherungen und Zahlungsflüssen, identifiziert Optimierungspotenziale und bereitet Entscheidungen proaktiv vor. Nutzer greifen nur noch situativ ein, wenn sie aktiv Einfluss nehmen möchten. Banking entwickelt sich damit von einer bewussten Handlung hin zu einem integrierten Service im Alltag. „Dieses Szenario macht deutlich, welches Potenzial in der intelligenten Vernetzung von Finanzdaten steckt“, so Philipp.

Marie-Chantal Becker Cofinpro
Cofinpro

Innovation entsteht nicht auf dem Papier, sondern in der praktischen Umsetzung. Wer frühzeitig sichtbare Use Cases realisiert, gewinnt strategische Freiräume – wer abwartet, verliert Einflussmöglichkeiten.“

Marie-Chantal Becker, Expert Consultant bei Cofinpro.

Für den Weg von der Idee zur Umsetzung empfiehlt Cofinpro ein strukturiertes, mehrstufiges Vorgehen. Zunächst gilt es, die eigene strategische Rolle im entstehenden Ökosystem klar zu definieren. Darauf aufbauend wird ein erster konkreter Anwendungsfall entwickelt. In weiteren Schritten werden Partner integriert, KI-gestützte Services produktiv gesetzt und geeignete Governance-Strukturen aufgebaut.

Das Whitepaper „Open Finance – Vom Produktdenken zur Plattformstrategie“ steht zum kostenlosen Download bereit.tw

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