FINTECH26. September 2017

Vorzeige-FinTech Outbank ist insolvent: Der radikale Kurswechsel hat nicht geholfen

Outbank

Mit Outbank meldet jetzt eine der bekanntesten deutschen Banking-Apps Insolvenz an. Dabei hatte sich das Unternehmen noch vor wenigen Monaten einem radikalen Kurswechsel unterzogen.

Trotz stetiger Updates und erster Schritte in Richtung Monetarisierung mussten wir gestern schweren Herzens einen Insolvenzantrag stellen“, teilte das Startup aus Dachau seinen Kunden mit. Ob und in welcher Form es die Banking-App in Zukunft geben wird, ist noch völlig unklar. Das von Tobias Stöger 2005 gegründete Unternehmen hatte noch im Frühjahr sein gesamtes Geschäftsmodell umgekrempelt. CEO Anya Schmidt hatte damals die Unternehmensleitung von Stöger übernommen und angekündigt, vor allem auf klassisches Affiliate-Marketing und die Einbindung externer Partner setzen zu wollen. Das in der Vergangenheit promotete Abo-Modell dagegen sei klar gescheitert, wie sie im Interview mit t3n zugibt. Von den monatlich rund 100.000 aktiven Nutzern hätten demnach weniger als ein Prozent für die App bezahlt.

Breite Nutzer-Community, aber häufige Umstellungen

Hinzu kamen offenbar ein zu früher Release einer noch nicht fertigen Version der App und Nutzerprobleme, die in der Vergangenheit vor allem bei den bestehenden Kunden für Verdruss und schlechte Presse gesorgt hatten.

Die App Outbank hatte es sich zum Ziel gesetzt, alle Bankkonten eines Nutzers in einer aggregierten Form auf dem Smartphone zu präsentieren. Neben den reinen Daten sollte der Nutzer durch Outbank auch auf zusätzliche Sparpläne oder Kreditangebote aufmerksam gemacht werden. Erst kürzlich hatte das Unternehmen daher eine Kooperation mit Smava bekanntgegeben. Zuletzt war man offenbar auf einem guten Weg, wie Schmidt der Gründerszene erklärte:

Leider haben die vergangenen Monate nicht gereicht, um das Provisionsmodell profitabel auszubauen.“

Anya Schmidt, CEO Outbank

Auch neue Geldgeber habe man bisher nicht vom Potenzial des FinTechs überzeugen können.

Neues Geld für Outbank: Investor verzweifelt gesucht

Dass sich die Investorensuche aktuell so schwierig gestaltet, ist bemerkenswert, weil noch 2015 die bekannten Investoren Frank Thelen („Die Höhle der Löwen“) und Christian Reber (Wunderlist) ins Boot geholt werden konnten – und das, bevor das öffentliche Interesse an den B2C-FinTechs so richtig losbrach. Immerhin kann das Unternehmen auf ein eingespieltes Team und eine gesunde Nutzer-Community zurückgreifen – zwei starke Argumente, mit denen sich hoffentlich ein neuer Investor überzeugen lässt.

Wie es jetzt weitergeht, ist unklar: Entweder findet sich ein Käufer – denkbar ist beispielsweise ein Zusammenschluss mit dem Berliner Robo-Adivsor Quirin, über den finanz-szene.de kürzlich berichtet hatte. Ansonsten wird die App wohl eingestellt. Dass das Aus zumindest für das operative Team überraschend kommt, zeigen einige Updates, die in den letzten Tagen freigegeben wurden. tw

 
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