MEINUNG29. Mai 2018

Digitalisierung: Warum die Deutsche Bank keine junge Digitalbank braucht

Tobias Weidemann, Redakteur IT Finanzmagazin privat

Die Deutsche Bank hat, so berichten die Wirtschaftswoche und andere Medien, bekannt gegeben, dass sie (anders als im Herbst vergangenen Jahres angekündigt) nun doch keine Digitalbankmarke für eine junge Zielgruppe launchen will. Statt dessen will der Konzern eine Plattform schaffen, die mehr als nur ein Konto bietet, – ein Produkt, das auch für externe Partner, insbesondere aus dem FinTech-Lager offen ist. Das beweist mitnichten, wie einige Kommentatoren uns weis machen wollen, die anti-digitale Neuland-Mentalität des Hauses, sondern vielmehr, dass die Deutsche Bank von der Plattform-Idee inspiriert wurde, die gerade in vielen Branchen der E-Commerce-Welt en vogue ist. – Ein Kommentar von Tobias Weidemann.

Der Schritt beweist, dass selbst eine etablierte Großbank, die mit ganz anderem Ballast in Bezug auf ihre Unternehmenskultur an das Thema Digitalisierung heran geht als Digital- und Direktbanken, verstanden hat, wie tiefgreifend ein digitaler Wandel erfolgen muss. Dabei, das kann man wohl mit Sicherheit sagen, wird auch die Deutsche Bank sich Schnitzer erlauben, Flops landen und hoffentlich aus Fehlern lernen. Denn digitale Transformation bedeutet in aller Regel auch eine Verkürzung der Entwicklungszklen, in kurzem Abstand neue Features oder auch solche, die später in einem anderen Produkt aufgehen, wie etwa der Fall des Robo-Advisors Robin zeigt. Klar ist, dass gerade die PSD2 den Banken neue Freiheiten eröffnet, die sie auch nutzen müssen. Denn die diversen FinTechs werden sie zu nutzen wissen.

Deutsche Bank ist digitaler als viele denken

À propos FinTechs: Keine Bank, selbst nicht eine vom Kaliber der Deutschen Bank, wird alles in Zukunft selbst entwickeln müssen (und können). Der Schulterschluss mit den FinTechs ist daher mehr als nur eine Notlösung. Und wenn man entsprechende Veranstaltungen besucht, wird deutlich, dass die Scouts der Deutschen Bank (ähnlich wie die Mitarbeiter anderer Großbanken) hier durchaus präsent sind.

Und keiner Bank wird es (anders als früher) mehr gelingen, den Kunden in der Loyalität einer Hausbank vom Schulsparen bis zum Tod zu betreuen. Der Kunde ist heute eher bereit, seine Bank zu wechseln und hat eben auch nicht mehr nur eine Bank oder einen Versicherungsmakler.

Insofern ist der Schritt der Deutschen Bank, in Zukunft auch auf externe Partner in Form einer Plattformökonomie mit Vergleichsportalen vom Schlage Zinsmarkt zu setzen, nur vernünftig.“

Tobias Weidemann, IT Finanzmagazin

Affiliate Marketing und Provisionierung funktionieren zumindest im Bereich der Finanzdienstleistungen nämlich immer noch vergleichsweise gut, wie große Player in diesem Segment beweisen.

Die Deutsche Bank ist keine N26 – und kann es auch nicht werden

Erstaunlich an dem Vorfall ist weniger, dass das Bankhaus seine Pläne in Hinblick auf die Ansprache jüngerer, digital affiner Kundensegmente ändert, sondern vielmehr die Tatsache, dass sie das so offen kommuniziert. Dass die Deutsche Bank mit besagtem Produkt in die Reihe der stylishen Digitalbanken vom Schlage N26 oder Revolut eingedrungen wäre, darf ohnehin bezweifelt werden. Einem etablierten Dickschiff wie der Deutschen Bank trauen gerade jüngere Kunden nun mal einfach nicht die Leichtigkeit und Innovationskraft von N26 oder Revolut zu. Da ist es stimmiger und ehrlicher, authentisch zu bleiben und die Digitalstrategie des eigenen Hauses so voran zu treiben, wie einem das die Kunden abnehmen. Und, seien wir ehrlich: Eine Me-too-Direktbank à la ING Diba, Comdirect und Co. brauchen wir nicht noch, der Markt ist seit mindestens einem Jahrzehnt mehr oder weniger verteilt – übrigens auch unter Mitwirkung der Deutschen Bank, die Mitte der 90er Jahre mit der Bank24 eine der ersten war, die auf diesen Zug aufgesprungen sind.tw

 

 
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