Veraltete Kernsysteme bremsen Versicherer beim Einsatz von KI und digitaler Innovation

Roland Berger
Der Report Core insurance system transformation in the age of AI macht deutlich: Moderne, modulare und cloudfähige Kernsysteme sind die Voraussetzung dafür, dass Versicherer höhere Automatisierungsraten, bessere Datenqualität und KI-gestützte Prozesse in der Breite realisieren können. Die Investitionen seien erheblich – typischerweise zwischen 20 und 100 Millionen Euro über zwei bis fünf Jahre –, doch auch die Kosten bei Untätigkeit steigen: Legacy-Systeme binden Budgets, erschweren regulatorische Anpassungen und verlängern die Markteinführung neuer Produkte.
Modernisierungsdruck wächst deutlich
Weltweit dürfte die Zahl der Kernsystem-Modernisierungen in den kommenden fünf Jahren stark steigen. Allein im Lebensversicherungsmarkt gebe es jährlich bis zu 100 Modernisierungs- und Austauschprojekte. Dabei zähle die Kernsystem-Transformationen zu den größten Technologieprogrammen von Versicherern. Die Projektvolumina liegen meist zwischen 20 und mehr als 100 Millionen Euro; etwa die Hälfte der Programme verfehlt Zeit- oder Budgetziele.
Zwar laufen noch mindestens 75 Prozent der produktiven Kernsysteme on-premise, doch rund 90 Prozent der neuen Kernsysteme in der Lebensversicherung werden inzwischen außerhalb eigener Rechenzentren oder in der Cloud eingeführt. Bei den Projekten entscheide zudem die Datenqualität über den Erfolg. Hochwertige Daten könnten Testzyklen um bis zu 50 Prozent verkürzen, manuelle Prüfungen um 70 bis 90 Prozent reduzieren und STP-Raten von bis zu 95 Prozent ermöglichen. Generative und agentische KI können Datenprofiling, Testfallgenerierung, Dokumentation, Validierung und Fehlererkennung zusätzlich unterstützen und damit Migrationen schneller, sicherer und besser steuerbar machen.
Kernsysteme werden zur strategischen Plattform
Nach Einschätzung von Roland Berger reicht es nicht mehr, bestehende Systeme punktuell zu erneuern. Versicherer brauchen eine klare Zielarchitektur, robuste Schnittstellen, disziplinierte Umsetzung und ein belastbares Geschäftsmodell für die Transformation. Moderne Kernsysteme müssen Policenverwaltung, Schadensbearbeitung, Abrechnung, aktuarielles Arbeiten und regulatorische Anforderungen zuverlässig unterstützen – und zugleich offen genug sein, um Datenplattformen, Automatisierung und KI-Anwendungen sicher einzubinden.
Ein zentrales Risiko liege in der Migration historischer Daten und Geschäftslogiken. Versicherungsbestände unterscheiden sich stark nach Produktgeneration, Datenqualität, regulatorischen Anforderungen und Laufzeit. Der Report empfiehlt deshalb, Migrationen konsequent nach Portfolioeigenschaften zu steuern. Für viele Versicherer sind phasenweise oder hybride Ansätze der bessere Standard, während ein „Big-Bang-Vorgehen“ nur bei klar abgegrenzten, homogenen Beständen sinnvoll ist.
Datenqualität als Voraussetzung für KI und Automatisierung
Besonders deutlich zeigt die Studie die Bedeutung der Datenbasis: 88 Prozent der Versicherer berichten, dass hohe Datenqualität einen positiven Einfluss auf die Profitabilität hat. Gleichzeitig entscheidet sie darüber, ob Automatisierung, Echtzeitprozesse, regulatorisches Reporting und KI-gestützte Anwendungen skalierbar funktionieren. Wer Datenprobleme nur in das neue System verlagert, verschenkt einen wesentlichen Teil des Transformationswerts.
Die Autoren raten Versicherern daher, Datenmodernisierung als eigenständigen Arbeitsstrang mit klarer Verantwortung, Qualitätsgrenzen, kontinuierlicher Validierung und nachvollziehbarer Datenherkunft aufzusetzen. Erst dadurch wird der Austausch des Kernsystems mehr als ein technisches Ersatzprojekt – nämlich eine Plattform für nachhaltige Effizienz, bessere Kundenerlebnisse und KI-gestützte Wertschöpfung.
Den Report können Sie nach Angabe der Kontaktdaten hier herunterladen.ft
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https://itfm.link/249757


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