STRATEGIE29. März 2021

Mehr Transparenz bei PRIIPs KIDs – per automatisiertem Reporting Kosten senken

Gerhard Jovy, Gründer und CEO von acarda acarda

Die Re­gu­lie­rungs­dy­na­mik am Ka­pi­tal­markt bleibt auch in den kom­men­den Jah­ren un­ge­bro­chen: 2022 tre­ten nach Frei­ga­be der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on und des Par­la­men­tes die neu­en tech­ni­schen Re­gu­lie­rungs­stan­dards (RTS) für Ba­sis­in­for­ma­ti­ons­blät­ter (KIDs) von ver­pack­ten An­la­ge­pro­duk­ten (PRIIPs) mit ei­ner über­ar­bei­te­ten Per­for­man­ce-Bbe­rech­nung und ver­schie­de­nen Me­tho­den zur Be­rech­nung der Trans­ak­ti­ons­kos­ten in Kraft. Gleich­zei­tig wird die zwei­te Stu­fe der Sustainable Fi­nan­ce Dis­clo­sure Re­gu­la­ti­on (SFDR) mit der not­wen­di­gen Be­reit­stel­lung von vor­ver­trag­li­chen und jähr­li­chen ESG-Do­ku­men­ten wirk­sam. Um al­len An­for­de­run­gen ge­recht zu wer­den und im dy­na­mi­schen Re­gu­lie­rungs­um­feld trotz er­höh­ten Re­porting-Auf­wands wett­be­werbs­fä­hig zu blei­ben, ist es für As­set Ma­na­ger und ih­re Dienst­leis­ter jetzt an der Zeit, ihr Da­ten­ma­nage­ment und Re­porting ganz­heit­lich aufzustellen.

von Gerhard Jovy, Gründer, CEO acarda

Im Detail stellen die neuen Regulierungs­standards Asset Manager vor folgende Herausforderungen: Sie müssen ihr Datenmanagement, ihre Kostenstrukturen und Distributionskanäle so anpassen, dass sie Produkte mit möglichst geringen Reaktionszeiten anpassen, steuern, optimieren und verkaufen können. Dabei gilt es, die Konsistenz zwischen Produktbeschreibungen der PRIIP KIDs und den SFDR-Vorlagen zu gewährleisten sowie PRIIPs Updates mit den Nachhaltigkeitsindikatoren im Rahmen der periodischen SFDR-Berichterstattung abzustimmen. Wem das gelingt, der kann sowohl die Änderungen der PRIIPs als auch die SFDR nutzen, um sein Kundenportfolio um nachhaltige Produkte zu erweitern, Angebote transparenter und attraktiver zu gestalten und so das Vertrauen der Kunden zu stärken.

Verständliche Kosteninformationen und realistische Performance-Szenarien

Bei der Überarbeitung der Basisinformationsblätter rücken vor allem Anlageprodukte mit anhaltender positiver Marktperformance in den Fokus.

Im Sinne maximaler Transparenz sollen die neuen RTS verhindern, dass Kleinanleger mit übermäßig positiven Renditeaussichten in die Irre geführt werden. Sie sehen daher die Offenlegung zusätzlicher Details zu den Annahmen vor, die zur Erstellung der Performance-Szenarien führen.“

So solle laut des Reports der EIOPA das Risiko verringert werden, unangemessene Erwartungen hinsichtlich möglicher zukünftiger Erträge zu wecken. Ein weiterer Hebel auf dem Weg zu mehr Transparenz liegt in der angepassten Darstellung von Kosteninformationen, angelehnt an die Darstellungen bei MiFID II. Bei verpackten Anlageprodukten, die eine Reihe von Anlageoptionen anbieten, sollen zukünftig eindeutige Kosteninformationen (z. B. costs over time, composition of costs) dabei helfen, das Verständnis der Kleinanleger für die Kostenauswirkungen dieser verschiedenen Anlageoptionen zu verbessern.

Die überarbeiteten RTS sehen zudem eine Änderung der Berechnung des Performance-Szenarios von der Cornish Fisher-Methode hin zu einer Backtest-Methode vor, die eine direkte Schätzung auf Basis der Preise der PRIIPs einführt. Wie schon bei den Basisinformationsblättern geht es dabei in erster Linie darum, unangemessen positive Performance-Szenarien in Anlegerinformationen zu vermeiden. Insbesondere für sogenannte Non-Stress-Szenarios sehen die neuen Standards daher einen erweiterten Datenerhebungszeitraum vor. Bei der Berechnung der historischen Performance müssen zukünftig bis zu zehn Jahre zurückliegende Daten und nicht realisierte oder potenzielle Verluste berücksichtigt werden. Die Ergebnisse müssen dann in für Kleinanleger leicht verständlichen Balkendiagrammen ausgewiesen werden.

Mehr Flexibilität bei Berechnung von Transaktionskosten

Autor Gerhard Jovy, acarda
Experte für PRIIPs KIDs: Gerhard Jovy Gerhard Jovy, Gründer und CEO von acarda (Webseite). Der Finanzexperte verfügt über mehr als 30 Jahre Berufserfahrung als Unternehmer sowie Berater von Asset-Management-Firmen mit den Schwerpunkten regulatorisches Reporting, Datenmanagement, Risikoüberwachung und Systemkonzeption. Vor der Gründung des RegTech-Unternehmens acarda, das seit September 2020 der LPA-Gruppe angehört, war Jovy u. a. beim internationalen Technologieunternehmen IBM sowie als Berater bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC tätig.

Während die Be­schaf­fung his­to­ri­scher Da­ten al­le As­set Ma­na­ger im Rah­men der Per­for­mance-Sze­na­ri­os vor neue Her­aus­for­de­run­gen stellt, ver­ein­fa­chen die ge­än­der­ten Re­gu­lie­rungs­stan­dards die Be­rech­nung der Trans­ak­ti­ons­kos­ten er­heb­lich. Die An­wen­dung des bis­lang schwer er­mit­tel­ba­ren Markt­prei­ses (Ar­ri­val Pri­ce) bei der Or­de­rertei­lung von In­vest­ments lässt sich zu­künf­tig fle­xi­bler ge­stal­ten. Ab 2022 kann, wenn der ex­ak­te Ar­ri­val Pri­ce nicht ver­füg­bar ist, der zu­letzt ver­füg­ba­re Preis für die Be­rech­nung der Trans­ak­ti­ons­kos­ten oder al­ter­na­tiv ein über ei­ne Dritt­par­tei be­rech­ne­ter ver­tret­ba­rer un­ab­hän­gi­ger Preis ver­wen­det wer­den. Das ist auch als Ab­sa­ge ei­ner per­manen­ten Ver­wen­dung der Half-Spre­ad-Me­tho­de zu ver­ste­hen, die bis­lang den Markt­stan­dard bei na­tio­nal tä­ti­gen As­set Ma­na­gern bil­det. Ein Auf­schub der neu­en Be­rech­nungs­stan­dards bis 2024 ist zwar mög­lich, je­doch nicht un­be­dingt emp­feh­lens­wert. As­set Ma­na­ger soll­ten be­reits heu­te mit der Eva­lua­ti­on des Markt­prei­ses an­hand der Ar­ri­val-Pri­ce-Me­tho­de be­gin­nen, um durch kon­ti­nu­ier­li­che Er­fas­sung die ab 2024 er­for­der­li­che drei­jäh­ri­ge Da­ten­his­to­rie auf­zu­bau­en und zum Über­gangs­zeit­punkt ho­he Ab­wei­chun­gen so­wie ab­rup­te Kos­ten­sprün­ge zu vermeiden.

Der Konkurrenz einen Schritt voraus: Asset Manager profitieren von frühzeitigen Anpassungen

Mit Blick auf die angestrebte Transparenz bei der Ausweisung der Kennzahlen gegenüber Kleinanlegern besteht das Risiko, Kunden durch zu langes Aufschieben der Anpassungen und den dadurch ausgelösten sprunghaften Kostenerhöhungen zu verärgern oder an Wettbewerber zu verlieren.

Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit den Herausforderungen aber auch Chancen der neuen technischen Regulierungsstandards ermöglicht es Asset Managern nicht nur, sich mit attraktiven Angeboten am Markt zu positionieren, sondern zudem, sich bei Anbietern für Marktdaten und -analysen die besten Konditionen zu sichern.“

Ob PRIIPs KIDs, MFID oder SFDR – die anhaltend hohe Regulierungsdynamik lässt sich am besten mit einer modularen und zentralen Reporting-Plattform steuern, die Asset Managern, ähnlich wie bei einem Cockpit im Flugzeug, einen Überblick über alle notwendigen Parameter verschafft und als Cloud-Lösung kontinuierliche und individuelle Anpassungen der Kalkulationen, des Monitorings sowie der notwendigen Dokumente im Rahmen der Compliance ermöglicht.

Trotz der von Branchenverbänden, allen voran EFAMA, BVI, CFA Institute und Better Finance, vorbereiteten Schreiben zur Verlängerung und Rücknahme der PRIIPs RTS sollten sich alle Finanzmarktteilnehmer auf die finale Zustimmung der Europäischen Kommission und des EU-Parlaments in den kommenden Monaten einstellen. Es muss also im Interesse eines jeden Unternehmens sein, mit der Berechnung der Vergleichszahlen zu beginnen, Kosten und Qualität der Daten zu optimieren und die notwendige Historie und Expertise aufzubauen.Gerhard Jovy, acarda

 
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