FINTECH8. Januar 2018

Nach dem treefin-Exit an W&W kommt jetzt Company Builder Finconomy – CEO Reinhard Tahedl im Interview

Reinhald Tahedl, CEO FinconomyFinconomy

Das Münchner FinTech treefin ist verkauft – an W&W. Das dabei ein größerer Betrag im Raum stand, darf angenommen werden. Doch das sich nun Gründer Reinhard Tahedl zur Ruhe setzt, ist nicht zu erwarten. Er startete mit Finconomy gleich einen B2B FinTech und InsurTech Company Builder. 7 Fragen zum treefin-Exit und Start des neuen Projektes.

Herr Tahedl, treefin ist verkauft. Ein offenbar erfolgreicher Exit. An W&W. Das war doch Ihr Kind? Ist das nicht schwer, es loszulassen?

Lassen Sie mich bei der Bildsprache bleiben: Zum Kinderkriegen gehören immer noch zwei.

Ohne ein hervorragendes Team wäre es uns nicht gelungen, ein tolles Leistungsspektrum zu entwickeln und ein S-DAX-Unternehmen wie den W&W-Konzern zu überzeugen.“

Und wie auch im richtigen Leben ist es spätestens mit Eintritt in das Erwachsenenalter Zeit, als Eltern loszulassen. Dennoch ist treefin nicht aus den Augen aus den Sinn, da wir mit unserem Venture BANKSapi treefin auch weiterhin als Banking-as-a-Service Dienstleister unterstützen.

 Was machen Sie jetzt mit dem Geld? Wie viel war es eigentlich?

Die Idee, das Gründen von Unternehmen und die Begleitung über sämtliche Unternehmensphasen zu industrialisieren, hatten meine Finconomy-Kollegen und ich schon deutlich vor der mehrheitlichen Übernahme von treefin durch die W&W.“

Zum Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Die aus dem Exit erzielten Mittel geben uns die Chance, in erfolgsversprechende B2B-Geschäftsmodelle zu investieren. Wir planen hier je Engagement mit einem initialen Investment zwischen 250k und 2,5 Mio. EUR.

Wir sind doch unter uns – da können Sie doch sagen, wie teuer treefin war.

Sich an Absprachen und erst recht Verträge zu halten, erachte ich – vor allem wenn man der Branche noch ein paar Jahrzehnte angehören möchte – als absolut zentral.

Finconomy verfügt über ein Eigenkapital im niedrigen achtstelligen Bereich. Der Aufbau und Verkauf von treefin war für uns also kein Verlustgeschäft.“

Welche Technologie hat treefin erfolgreich gemacht? 

Da der Kunde von heute immer online ist und zwischen den verschiedenen Endgeräten beliebig wechselt, hatten wir uns im Rahmen der Vorprojekte für einen cross-device fähigen IT-Stack unter Nutzung der maximal skalierbaren NoSQL-Datenbank Cassandra sowie eine Best-of-Breed Anwendungslandschaft für Machine Learning entschieden. Durch eine über alle Plattformen einheitliche Codebase erhöhten wir die Agilität und reduzierten gleichzeitig die Entwicklungskosten.

Was hätten Sie noch besser machen können?

Als Learning aus treefin konnten wir mitnehmen, dass es ob Time-to-Market-Aspekten sicherlich besser gewesen wäre, auf das eine oder andere Feature beim Launch zu verzichten. Ein typisch deutscher Ingenieurs-„Fehler“, den es bei den nächsten Ventures von Finconomy so nicht mehr geben wird.“

Sie sprachen gerade von Finconomy – was haben Sie da vor?

Auch in den nächsten Jahren glauben wir weiter an den „hybriden Kunden“. Wir sehen aber auch, dass sich die traditionellen Finanzdienstleister aufgrund immensen Aufwands für regulatorische Compliance und Legacy-Thematiken schwer tun, die digitalen Herausforderungen zu meistern. Hier wollen wir mit unseren auf B2B fokussierten Unternehmen helfen. Das Framework unseres FinTech- und InsurTech-Company Builders bietet dafür durch die Kombination von IT-Know-How, Industrieexpertise und engagierten Gründungsteams ideale Voraussetzungen.

Im nächsten Jahr stehen für uns der Ausbau von BANKSapi sowie der Start eines neuen Ventures im Fokus. Für BANKSapi erwarten wir aufgrund PSD2-Effekten eine weiterhin große Nachfrage nach Banking-APIs und den dazugehörigen Analytics. Und auf das neue Venture mit Fokus auf das Wealth-Management Umfeld dürfen Sie schon mal gespannt sein.

Welche Ideen und Technologien werden in 2018/ 2019 entscheidend sein?

Wir sind der Überzeugung, dass sich die Art, wie wir Menschen Finanzdienstleistungen nutzen, grundlegend verändern wird. Für uns als Company Builder sind damit grundsätzlich die Themen relevant, die diese Veränderung treiben.

Dazu gehören definitiv die Themen Data Analytics, Artificial Intelligence und Machine Learning. Wir glauben, dass diese Technologien zu einer immer stärkeren Individualisierung von Finanzdienstleistungsprodukten führen werden.“

Darüber hinaus sind für uns Ideen und Technologien interessant, die gerade den hybriden Kunden begeistern. Dazu gehören intuitive Lösungen, mit denen der Kunde sein Vermögen wie auch finanzielles Leben unter Einbeziehung eines Beraters einfach managen kann. Auf der Produktebene glauben wir daran, dass sich Einfachheit, Nutzerfreundlichkeit und Transparenz langfristig durchsetzen wird.

Wir beobachten außerdem potenzielle Anwendungsfälle der Blockchain-Technologie, wohingegen Cryptocurrencies und ICOs für uns kein Thema sind.“

Herr Tahedl, vielen herzlichen Dank für das Interview.aj

 
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