FINTECH2. Mai 2018

In zwei Jahren: 5 Millionen N26-Kunden und bald ein Design 2.0 – Valentin Stalf, N26-CEO im Interview

Valentin Stalf, N26-CEON26

Valentin Stalf, N26-CEO (Website) wechselt von „Hau drauf“-Mentalität zum diplomatischem „Understatement“. Während Mitbewerber von 100 Millionen Kunden träumen, zielt Stalf auf realistische 5 Millionen Kunden in zwei Jahren – doch interessanterweise treibt das den Unternehmer weit weniger um als handfeste Aufgaben. Wichtiger sind ihm intelligente Erweiterungen des Leistungsspektrums und ein Design 2.0 für das Smartphone-Banking. Das Interview.

Herr Stalf, sie sprachen kürzlich in einem Interview von einer Million Kunden. Wenn man die N26-Entwicklung beobachtet, dann ist das aber keine wirkliche Überraschung, oder?

Wir haben ja die eine Million Kunden noch nicht erreicht. Die letzte Zahl, die wir kommuniziert haben, sind die 850 000.

Wir befinden uns auf dem Weg zur Million Kunden. Insgesamt sollte es angesichts unseres Wachstums für niemanden überraschend sein, dass wir jetzt in Richtung eine Million Kunden gehen.“

Wir haben immer wieder berichtet, mit welchen Zahlen wir täglich wachsen. Es ist allerdings natürlich schon etwas, was uns zeigt, dass unsere Kunden die Produkte gerne verwenden. So haben wir uns das vor drei Jahren nicht vorgestellt, vor allem nicht in dem Ausmaß. Wir sind natürlich sehr glücklich darüber.

Nun kommuniziert ihr Mitbewerber Revolut höhere Wachstumszahlen. Werden Sie da nicht ausmanövriert?

Wir konzentrieren uns sehr auf unser eigenes Business.

Insgesamt sehe ich, dass wir in den Märkten, in denen wir vertreten sind, ein zehnmal höheres Wachstum haben als unsere Konkurrenz.“

Über die Länder, in denen wir selbst nicht sind, kann ich natürlich kein Urteil abgeben. Wir sind ja heute nicht in Großbritannien, deswegen kann ich über dieses Land nichts sagen, aber in unseren Kernmärkten Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich wachsen wir deutlich stärker als der Wettbewerb.

Ich glaub auch nicht, dass es auf dem Markt nur Platz für eine neue Bank gibt. Ich glaube, dass es da in Zukunft mehrere Player geben wird.“

Am Ende geht es darum, ob wir es schaffen können, mit dem Produkt 5 oder 10 Millionen Kunden von den traditionellen Geldhäusern zu gewinnen, die heute die meisten Kunden haben. Ob es dann vielleicht zwei oder drei neue Player gibt, die jeweils 10 Millionen Kunden haben, oder einen, der vielleicht 5 oder 10 Millionen hat, ist nicht so wesentlich. Das ist wohl eher ein Medienthema, aber es ist für unser Business nicht entscheidend.

N26 ist ein extrem technologiegetriebenes Unternehmen. Verraten Sie uns doch mal, was wir in Bälde von N26 erwarten können? Woran arbeitet CTO Patrick Kua mit seinen 90 Leuten gerade?

Wir entwickeln unser Produkt ständig weiter. Im letzten Jahr stand bei uns im Fokus, die Kunden auf unsere eigene Plattform zu migrieren. Wir haben intensiv daran gearbeitet, zusätzliche Produkte auf die Plattform zu bringen – Kreditprodukte, Überziehungsrahmen etc., Dinge, die man schon kennt. In den nächsten zwei, drei Quartalen gehen wir noch einen Schritt weiter und werden Produkte bringen, die nicht jede Bank bietet.

Auch unser Interface entwickeln wir immer weiter. “

Wir werden weiter an unserer App arbeiten und weitere Funktionen integrieren, die es heute in der Form bei traditionellen Banken noch nicht gibt. Zusätzlich arbeiten wir an traditionelleren Produkten z.B. einem Gemeinschaftskonto, aber nicht so kompliziert wie bei den meisten Anbietern, sondern so einfach, wie man es von N26 gewohnt ist.

Heißt das auch, dass Sie sich in Richtung Allfinanz bewegen?

Ein App für alle finanziellen Themen  war immer unsere Vision. Wir glauben ganz stark daran, dass es zukünftig – und das sieht man ja heute schon – nur einige Apps geben wird, die man täglich öffnet und dazu gehören vielleicht dann eine Navigationsapp, etwas wie WhatsApp zur Kommunikation, eine Social Media App und vielleicht eine Musik-App.

Eine der Apps, die man täglich öffnet, wird in Zukunft eine App zu Finanzen, für Zahlungen und Finanzthemen sein. Da sehen wir uns klar in die Richtung gehen, dass N26 diese App sein wird, die der Kunde jeden Tag öffnet, um jegliche finanzielle Entscheidungen zu treffen.“

Das werden in erster Linie finanzielle Entscheidungen im engeren Sinne sein, wie Kontoumsätze oder Daueraufträge. Das kann in einem weiteren finanziellen Bereich Kreditentscheidungen betreffen oder Sparentscheidungen und wenn man noch weiter geht, kann es natürlich auch Entscheidungen im Bereich Versicherungen betreffen, die auch noch finanziell getrieben sind.

Ich würde sogar noch weiter gehen, dass man am Ende insgesamt alle Effizienzen und Tipps rund um Ausgaben bei uns in der App finden sollte. Wenn Sie zum Beispiel einen Handy-Vertrag haben, der von ihrem Konto abgebucht wird, der aber dreimal so teuer ist wie der Marktdurchschnitt, dann sollte Ihnen N26 irgendwann einmal sagen „das ist nicht so smart“.“

Wir können sicher in den nächsten 12 Monaten noch Themen angehen, die den Kunden deutlich größeren Mehrwert generieren. Die über dem Angebot einer traditionellen Bank liegen, wo man sich sehr stark als Transaktionsverbucher gesehen hat. Ich glaube, in Zukunft muss man aber mehr zum Problemlöser werden. Das passiert wie gesagt in erster Linie in den finanziellen Bereichen im engeren Sinne, mit denen wir auch begonnen haben und die wir heute bedienen. Es kann aber in der Zukunft auch weitergehen in Richtung Versicherungen, Vertragsmanagement und andere Dinge.

12 Monate ist ein gutes Stichwort. Die 12 Monate, mit denen wir mit dem Apple-Pay-Start gerechnet hatten, sind längst vorbei. Wann startet Apple denn nun endlich?

Ich kann zu dem genauen Start von Apple Pay in Deutschland nichts sagen. Die Information und Kommunikation liegt allein bei Apple.“

Sie wissen ja, dass wir in verschiedenen anderen Ländern vertreten sind, wie Frankreich und Italien, wo unsere Kunden bereits Apple Pay verwenden können, und dass wir auch dadurch die volle technische Bereitschaft haben, um Apple Play in jedem unserer Länder an den Start zu bringen. Es hängt allein von Apple ab, wann Deutschland startet, wir sind ready.

Ist bei N26 mittlerweile der Bitcoin-Handel möglich?

Nein, wir haben heute noch keine Bitcoins bei N26. Heute kann ich ein Konto in Euro halten, habe aber keine Möglichkeit, dort auch Crypto-Currencies zu traden.

2018 soll der Bitcoin-Handel aber kommen – sagten Sie in unserem vorigen Interview.

Ein weiteres Thema, an dem wir heute arbeiten ist, dass wir in einem Konto künftig verschiedene Unterkonten ermöglichen werden. Im Zuge dessen überlegen wir uns natürlich auch, dass diese in verschiedenen Währungen gehalten werden können – oder Bitcoin als eine weitere Möglichkeit – und dass man auch verschiedene andere Commodities dort halten  kann.

Ende diesen Jahres könnte es bei N26 Konten in verschiedenen Währungen geben inklusive Bitcoin. „

Unsere aktuellen Kernthemen sind eher: Wie kann ich meine vorhandenen Finanzen besser strukturieren? Wie kann ich besser finanzieren? Wie kann ich besser überhaupt Geld anlegen? Wir haben z.B. bislang noch kein Tagesgeldkonto, das heißt, es gibt da noch ein paar Quick-Wins, die wir noch gerne vorher machen würden.

Tencent ist jetzt an N26 beteiligt. Es ist eine kleine Beteiligung. Wie wirkt sich das auf N26 aus? Wirkt sich das überhaupt aus?

Alle Unternehmen, die sich hier bei uns in dieser Finanzierungsrunde beteiligt haben, sind grundsätzlich klassische Finanzinvestoren. Das heißt, sie machen Investments, weil sie daran glauben, dass unser Unternehmen in Zukunft mehr wert sein wird. Das funktioniert nur, wenn unsere Kunden unsere Produkte schätzen. Sie glauben daran, dass wir die Branche verändern. Wir versuchen natürlich mit allen Investoren – mit Allianz, die jetzt neu dazu gekommen sind, aber auch mit Tencent – darüber hinaus auch die Erkenntnisse, die wir aus deren Business gezogen haben, wirksam einzusetzen.

Die Allianz hat ein extrem großes Verständnis für den Versicherungsmarkt. Tencent wiederum versteht den gesamten Internetmarkt von Kommunikation bis Social Media über Suchmaschinen und hat in China über 1 Mrd. Kunden monatlich.“

Dieses übergreifende Know-how, das man in den letzten zehn Jahren bei Tencent aufgebaut hat, ist etwas, von dem wir sicher vieles lernen können.

Was treibt sie denn im Moment für die Zukunft von N26 am meisten um?

Unser Wachstum, also von derzeit 850 000 Kunden in den nächsten Jahren auf über 5 Millionen Kunden zu kommen, ist ein großer Fokus.“

Wir haben jetzt 3 Jahre daran gearbeitet, von Null auf 850.000 und bald auf eine Million Kunden zu kommen. Unser Ziel ist es, in den nächsten zwei Jahren in Europa auf um die 5 Millionen Kunden zu kommen. Ein realistisches Ziel, auf das wir fokussiert sind.

Das ist das eine Thema; das zweite, das uns umtreibt, ist die Frage, wie wir den nächsten Schritt im Mobile-Banking gehen können.“

Wir haben mit N26 vor drei Jahren ein Produkt auf den Markt gebracht, dass einen neuen Standard gesetzt hat. Jetzt arbeiten wir schon wieder daran, das nächste Stadium zu erreichen. Was können wir mit Artificial Intelligence in einem Account machen?

Wir arbeiten auch intensiv an einem Chatbot, um unsere Service-Qualitäten zu erhöhen. Ich hab vorhin ein wenig darüber gesprochen, dass wir uns darüber Gedanken machen, wie wir das Interface individueller gestalten können. Das sind so die Themen, an denen ich im Produktbereich mit dem Team arbeite. Im Wachstumsbereich entwickeln wir unsere Markenbekanntheit weiter. Gerade läuft eine Marketingkampagne in den U-Bahnen in Berlin und München. Hier sehen wir sehr schnell, wie sich das auf unsere Brand-Recognition auswirkt. Der nächste Schritt ist dann, die Kampagne auch europaweit auszurollen.

Herr Stalf, vielen herzlichen Dank für die Einblicke!aj

 
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