ANWENDUNG1. September 2026

Digitale Transformation der GKV kommt nur schleppend voran

Ein Smartphone wird gehalten, auf dessen Bildschirm das Logo der elektronischen Patientenakte (ePA) sichtbar ist. Im Hintergrund ist eine Person in einem weißen Kittel zu erkennen, die in einem medizinischen Kontext agiert. Die digitale Transformation der GKV wird thematisiert.
KI, DALL-E

Die Umsetzung der digitalen Transformation der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) kommt nur schleppend voran. Laut der aktuellen Studie „Digitale Transformation in der gesetzlichen Krankenversicherung: Der Beitrag der GKV zur Modernisierung des Gesundheitswesens“ des Marktforschungsunternehmens Lünendonk seien die Kassen zwar bereit für den Wandel, würden aber durch politische Rahmenbedingungen und verzögerte Leitprojekte wie die elektronische Patientenakte (ePA) ausgebremst.

Obwohl die digitale Transformation für 88 Prozent der befragten Kassen höchste Priorität hat, erschweren zunehmende Kosten sowie politische und regulatorische Rahmenbedingungen die Umsetzung. Demnach bewerten 94 Prozent die steigenden Gesundheits- und Pflegeausgaben als größtes strategisches Risiko.

78 Prozent sehen die Politik als Bremsfaktor der Digitalisierung. Kritisiert werden in der Studie vor allem regulatorische Vorgaben, die als zu restriktiv und praxisfern empfunden werden und notwendige IT-Investitionen verzögern.

Lünendonk-Studie zur digitalen Transformation der GKV; erhoffte Impulse
Lünendonk

Besonders deutlich zeigt sich laut der Studie der Handlungsbedarf am Beispiel der elektronischen Patientenakte (ePA). So seien die Nutzungszahlen seit der Einführung für rund 73 Millionen Versicherte im Januar 2025 ernüchternd: Nur rund 5 Millionen Versicherte hätten ihre Akte bisher aktiviert.

Dementsprechend bewerten 81 Prozent der befragten Krankenkassen den Rollout als schlecht oder sehr schlecht. Als größte Hürden nennen sie den komplizierten Registrierungsprozess (87 %) sowie die geringe Akzeptanz bei Versicherten (77 %) und Leistungserbringern (65 %).

Obwohl die Telematik-Infrastruktur und die ePA technologisch gut gemacht sind, bieten sie aktuell nur geringe Mehrwerte für Patienten, Leistungserbringer und Kassen. Vor allem die ePA gleicht derzeit eher einer Dokumentenablage. Es fehlt an relevanten Funktionen für die Versicherten und Leistungsträger, die echte Mehrwerte in der ePA-Nutzung erzeugen würden, wie beispielsweise die KI-gestützte Volltextsuche in der ePA-Dokumentenablage.”

Mario Zillmann, Studienautor und Senior Partner bei Lünendonk & Hossenfelder

Voraussetzung für die Akzeptanz der ePA und KI-gestützte Funktionen sei ein verändertes Mindset vieler beteiligter Akteure. Dies gelte insbesondere im Hinblick auf praxistaugliche regulatorische Vorgaben und deren Auslegung durch die Krankenkassen.

Lünendonk-Studie zur digitalen Transformation der GKV; ePA-Rollout
Lünendonk

KI spart nicht zwingend Kosten

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Nahezu alle befragten Kassen (97 %) sehen künstliche Intelligenz als unverzichtbar an, um dem demografischen Wandel und dem zunehmenden Fachkräftemangel zu begegnen. Angesichts der bevorstehenden Ruhestandswelle soll KI-gestützte Automatisierung vor allem dazu beitragen, Prozesskapazitäten und Leistungsfähigkeit langfristig zu sichern.

Mit kurzfristigen Kostensenkungen rechnen die Kassen dagegen kaum. Vielmehr schätzen sie realistisch ein, dass hohe Investitionen sowie Lizenz- und Betriebskosten die erzielten Effizienzgewinne teilweise wieder aufzehren. Der strategische Nutzen von KI liege daher vor allem in der Sicherung der betrieblichen Resilienz und nicht in schnellen Einsparungen, so die Studienautoren.

Innovationen nicht vorschnell begrenzen

„Die Kassen wollen gestalten, doch ihnen sind an vielen Stellen die Hände gebunden“, ergänzt Mario Zillmann. „Es braucht eine Regulierungskultur, die Risiken differenziert bewertet, statt Innovationen vorschnell zu begrenzen. Nur so kann die Digitalisierung ihr Potenzial für eine effizientere und stärker versichertenorientierte Versorgung entfalten.“

Für die Studie wurden laut Lünendonk & Hossenfelder insgesamt 32 gesetzliche Krankenkassen befragt. Sie repräsentierten rund 44 Millionen Versicherte und damit etwa 60 Prozent aller gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland. Beteiligt hätten sich Krankenkassen aller Kassenarten. Die Befragten stammten überwiegend aus den strategisch relevanten Bereichen Digitalisierung und IT.

Die Studie entstand in Kooperation mit adesso, AOK Systems, Bitmarck, HeptaSphere und PwC. Sie kann hier kostenlos heruntergeladen werden.dw

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