STRATEGIE11. September 2018

Werden Banken und FinTechs jetzt Freunde? So sehen die FinTech-Week-Veranstalter die Szene von morgen

Carolin Neumann und Clas Beese, Gründer von finletter und Organisatoren der Fintech Week
Carolin Neumann und Clas Beese, Gründer von finletter und Organisatoren der FinTech WeekKatrin bpunkt

Erst wurde lange ein regelrecht evo­lu­tio­nä­rer Konkurrenzkampf zwischen Banken und ihren Herausforderern, den FinTechs, heraufbeschworen. Nun wird gerne eine neue Freundschaft propagiert. Man spricht dann von der „Coopetition“ oder davon, dass Banken und FinTechs  „Frenemies“ seien, also irgendwie Friends und Enemies zugleich. So sehen es die FinTech-Week-Veranstalter:

von Carolin Neumann und Clas Beese, finletter-Gründer und Organisatoren FinTech Week

Hinter den Phrasen steckt schlicht der Wandel des Marktes. Früher hatten die Banken Angst vor den FinTech-Startups. In den angestaubten Finanzelfenbeintürmen waren die FinTechs irgendwie zugleich kleine Fliegen, die es zu zerquetschen galt, und Herausforderer, die zum Nachdenken anregen:

Fintech Weekfinletter

Was hatten die [FinTechs], was man nicht hatte? Inzwischen haben Banken das begriffen: Die FinTech-Startups bieten kundenorientierte Produkte und Kanäle, teilweise einfach die besseren Produkte.“

Und die FinTechs bliesen vor allem in ihren Anfangstagen zur Revolution, auch wenn das selten mehr als Marketingsprech war (mehr hier). Sie dachten, sie könnten alles selbst und besser, stießen aber schon schnell an ihre Grenzen und erkannten:

Die Banken haben das, was wir brauchen: Kundenzugänge und -vertrauen, Geld und nicht zuletzt begehrte Banklizenzen.“

finletter: Die Autoren Carolin Neumann und Clas Beese
Carolin Neumann ist Grün­dungs­her­aus­ge­be­rin des FinTech-Fach­ma­ga­zins fin­let­ter und Mit­grün­de­rin der Fin­Tech Week (Website). Als Jour­na­lis­tin, Spea­ke­rin und Be­ra­te­rin be­schäf­tigt sie sich au­ßer­dem mit In­no­va­ti­on und En­tre­pre­neurship in den Me­di­en. 2010 hat sie das Busi­ness-Netz­werk Di­gi­tal Me­dia Wo­men mit­ge­grün­det, des­sen On­line-Com­mu­ni­ty in­zwi­schen mehr als 20.000 Frau­en und Män­ner stark ist.

Clas Beese ist Grün­dungs­her­aus­ge­ber von fin­let­ter und hat Deutsch­lands grö­ß­te FinTech-Ver­an­stal­tung er­fun­den, die FinTech Week (Website). Er ist als Be­ra­ter un­ter­wegs und lei­tet für den Fi­nanz­platz Ham­burg e.V., Bran­chen­ver­band der Fi­nanz­wirt­schaft in Ham­burg, die FinTech-In­itia­ti­ve FinTech Ham­burg. Auch in sei­nem Re­per­toire: übers Schei­tern spre­chen, denn En­de 2015 trug Clas sein ers­tes Start-up, die Crowd­len­ding-Platt­form fin­mar, zu Gra­be.

Heute konkurrieren Banken und FinTechs immer noch, aber sie kooperieren überall dort, wo es Sinn ergibt. Es gibt kaum mehr eine deutsche Bank, die nicht irgendwie mit einem Neuankömmling verbandelt ist. Was psychologisch dabei sicherlich hilft, ist ein gemeinsames Feindbild zu haben: die Tech Giants. Denn vor GAFA und BAT haben Banken und FinTechs gleichermaßen Angst – und womöglich viel mehr, als jemals voreinander.

Doch aller aktuellen Freundschaft zum Trotz wird auch das „Coopetition-Zeitalter“ zu Ende gehen. Nicht nächstes Jahr und vielleicht auch nicht im Jahr darauf, aber der Markt wird auch hier bestimmen, wie es weitergeht.

FinTechs als App im Store der Bank

Wenn wenige große Banking-Plattformen sich herauskristallisieren und wenige Oligopole in den Teilmärkten übrig bleiben, werden nicht mehr alle mit allen kooperieren können. Was, wenn es in Deutschland nur noch drei Plattformen gibt? Heute kann das FinTech noch zwischen 3.000 Banken in Deutschland wählen, um seine Produkte im Sinne einer Kooperation unterzubringen. Zukünftig wird es so sein wie heute, wo man als App-Entwickler in die App Stores von Apple und Android (und vielleicht noch in den von Windows) möchte. Bei einer solchen Konzentration hört die Freundschaft – zumindest von Seiten der FinTechs – dann womöglich schnell wieder auf.

Der Wandel in Richtung Plattformökonomie ist rasant und nicht aufzuhalten (mehr dazu hier). Doch wer das Rennen in Deutschland macht, ist völlig offen.

Eine Bank? Ein FinTech, das wir heute noch als Startup bezeichnen würden? Oder eben ein Tech Giant? Und zumindest eine Weile wird diese dritte Option die Frenemies noch bei gemeinsamer Laune halten.“

 
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