KURZ NOTIERT10. Juli 2026

Bankenverband fordert schnellere Bankenregulierung für wettbewerbsfähige Digitalisierung

Heiner Herkenhoff, Hautgeschäftsführer Bundesverband deutscher Banken
Bankenverband

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) begrüßt, dass die Europäische Kommission die Bankenregulierung überprüfen will. Zugleich warnte Hauptgeschäftsführer Heiner Herkenhoff davor, weiter Zeit zu verlieren, und forderte, konkrete Maßnahmen deutlich schneller umzusetzen, damit Europas Banken wettbewerbsfähiger werden. Die Europäische Kommission will ihren Bericht zur Bankenregulierung und zur Wettbewerbsfähigkeit der Institute am 17. Juli vorlegen. „Europa braucht starke Banken, um die gewaltigen Investitionen in Digitalisierung, Energieversorgung, Verteidigung und industrielle Transformation zu finanzieren. Die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Institute darf deshalb nicht zum Nebenprodukt politischer Kompromisse werden“, betonte Herkenhoff.

Aus Sicht des Bankenverbandes droht die Reform der Bankenregulierung durch den angekündigten Zeitplan der Kommission weiter hinausgeschoben zu werden. Nach Veröffentlichung des Berichts soll der eigentliche Gesetzgebungsprozess erst im Frühjahr 2027 beginnen. Dies würde bedeuten, dass 2025 und 2026 weitgehend verloren gingen – in einer Zeit, in der andere Wirtschaftsregionen wie die USA oder Großbritannien ihre Regeln für die Institute bereits anpassen und gezielt vereinfachen. Der Bankenverband warnte zudem eindringlich davor, Entlastungen in der Regulierung mit der europäischen Einlagensicherung (EDIS) zu verknüpfen.

Erleichterungen sollten zügig und unabhängig von möglichen EDIS-Fortschritten umgesetzt werden. Nur so lässt sich die Wettbewerbsfähigkeit des Bankensektors wirksam stärken und das volle Potenzial der geplanten Reformen ausschöpfen. Werden beide Themen entkoppelt, entstehen die Voraussetzungen für schnelles Handeln und einen nachhaltig starken Finanzstandort Europa.“

Heiner Herkenhoff, Hautgeschäftsführer Bundesverband deutscher Banken

Mehr Regulierung soll Stabilität schaffen

Nach einer aktuellen Studie von Oliver Wyman im Auftrag der European Banking Federation beläuft sich der zusätzliche Investitionsbedarf Europas in den kommenden fünf Jahren auf rund 1,4 Billionen Euro – pro Jahr. Ohne leistungsfähige Banken und starke Kapitalmärkte werde es nicht gelingen, Wachstum, Resilienz und strategische Autonomie in Europa nachhaltig zu stärken, sagte Herkenhoff.

Die Forderung des Bankenverbandes zielt damit auf einen zentralen Zielkonflikt der europäischen Finanzpolitik: Einerseits soll Regulierung Stabilität sichern und Risiken im Bankensektor begrenzen, andererseits klagen viele Institute seit Jahren über hohe Kosten, komplexe Vorgaben und lange Umsetzungsfristen. Gerade im Vergleich zu den USA und Großbritannien wächst in der Branche die Sorge, dass europäische Banken bei Digitalisierung, Plattformmodellen und der Finanzierung großer Transformationsvorhaben ins Hintertreffen geraten. Politisch heikel bleibt dabei vor allem die Frage, ob regulatorische Erleichterungen unabhängig von der europäischen Einlagensicherung vorangetrieben werden können – oder ob damit ein zentrales Druckmittel in den Verhandlungen um die Bankenunion verloren ginge.tw

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