EVENTS & MESSEN9. Februar 2017

Dauerbrenner Telematik: Kunden seien bereit, Daten zu geben – doch die Branche ringt um Lösungen

Versicherungsforen Leipzig

Die Fahrzeugtelematik wird seit Jahren in der Assekuranz heiß diskutiert. Vorige Woche fand unter der fachlichen Leitung der Versicherungsforen Leipzig die siebte Fachkonferenz „Telematik in der Kraftfahrtversicherung“ statt. Ein Trend zeichnet sich ab: Es gibt keinen.

Michael Bokemüller, AachenMünchener VersicherungVFL
Mit den Worten „Selten ist sich der Markt so uneinig gewesen bei der Beurteilung eines Themas“ eröffnete der erste Referent Michael Bokemüller (AachenMünchener Versicherung) die Fachkonferenz.

Wie sehr seine Worte zutreffen, zeigte sich im Verlauf der zweitägigen Veranstaltung mit rund 70 Teilnehmern. In anderen Ländern schon länger ein großes Thema, hat die Telematik auch in Deutschland mittlerweile ordentlich an Fahrt aufgenommen. Nicht zuletzt aufgrund des geplanten eCalls und der Brancheninitiative des GDV, dem UMD-Stecker, kann sich auch der deutsche Markt nicht mehr um die Auseinandersetzung mit Telematik drücken.

Dass sich die Branchenprimusse Allianz und HUK im vergangenen Jahr mit Produkten an den Markt gewagt haben, zeigt ebenfalls die Relevanz. Die Erfahrungsberichte auf der Konferenz „Telematik in der Kraftfahrtversicherung“ spiegelten zudem die breiten Möglichkeiten wider, die Versicherer im Bereich Hard- und Softwarelösungen haben. Von Smartphone- bzw. App-Only-Lösungen über OBD-Dongle bis zu Lösungen mit festverbauten Telematikboxen wurde das breite Spektrum deutlich.

Zwischen Services und Rabatten

Für welche Lösung sich ein Versicherer entscheidet, hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise ob den Kunden zusätzliche Leistungen und Services wie Bonuspunkte zum Tarif angeboten werden oder ob nur das „Erfahren“ von Rabatten durch gute Fahrweisen im Fokus steht. Ein Bericht der Allianz Suisse zu Telematik im Gewerbekundengeschäft zeigte z. B., dass für Flottenmanager Kosteneinsparungen weniger wichtig sind. Hier sind Funktionen wie Standortlokation oder ein Überblick über gefahrene Kilometer zur Streckenoptimierung wesentlich bedeutsamer.

VFL

Die Bedeutung der Telematik ist mittlerweile allen Marktteilnehmern klar. Nun kommt es darauf an, passende Produkte zu gestalten und die Potenziale des Themas bestmöglich auszunutzen.“

Diana Teubert von den Versicherungsforen Leipzig

Kunden wollen Telematik, aber Daten müssen sicher sein

Versicherungsforen Leipzig

Auf der Kundenseite ist und bleibt das Thema Telematik von großer Emotionalität geprägt. Obwohl die Versicherer einheitlich berichten, mit dem Thema Datenschutz keine großen Probleme zu haben, bleibt dies eine große Baustelle. Kunden, die sich für einen Telematiktarif entscheiden, scheinen sich damit arrangiert zu haben, dass ihre (Fahrt-)Daten vom Versicherer verwendet werden und beschweren sich darüber nicht. Trotzdem muss die Versicherungswirtschaft, nicht zuletzt aufgrund gesetzlicher Anforderungen, sicherstellen, dass die gesammelten Daten sicher verwendet und verwahrt sind.

Wie und wann die Kundendaten anonymisiert und Fahrtenscores berechnet werden, ist dabei eine der größten Herausforderungen.“

Markt zwingt Versicherer zum handeln

Das Thema Telematik scheint aktuell zwar nicht mehr zu den Topthemen der Assekuranz zu gehören, doch hat es sich im Laufe der letzten Jahre zu einem unverzichtbaren Diskussionspunkt gemacht. Versicherer können es sich nicht mehr leisten, Telematik für das eigene Haus wenigstens zu durchdenken. Welche Geschäftsmodelle aufgrund der sich entwickelnden Technologie in Zukunft möglich sind, ist heute noch nicht absehbar. Experten plädieren daher zu einer schnell umsetzbaren Lösung, die in einigen Jahren mit nicht allzu großen Kosten auf den neuesten Stand der Technik aktualisiert werden kann. Es bleibt abzuwarten, welche Funktionen sich dadurch entwickeln und wie Kunden weiterhin vom Nutzen von Telematik überzeugt werden können.

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https://www.it-finanzmagazin.de/?p=44928
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