STRATEGIE18. Februar 2019

Digitale Identität 2019 – kommt es zu einem Mobile Payment reloaded?

Rudolf Linsenbarth
Rudolf Linsenbarth

Im letzten Jahr gab es hier beim IT-Finanzmagazin bereits eine Schwerpunktreihe zum Thema Digitale Identität. Das auch für die Finanzwirtschaft sehr wichtige Thema setzen wir 2019 fort, denn die „Digitale Identität“ rückt allmählich in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung.

von Rudolf Linsenbarth

Getrieben wird das Thema „Digitale Identität“ auf der Nachfrageseite durch eine immer stärkere Vernetzung. Vor 20 Jahren hatten nur „Power Nutzer“ mehr als 3 Portale, bei denen man sich anmelden musste. Wer sich heutzutage aktiv im Netz bewegt, kommt locker auf über 20 dieser Kontaktpunkte.

Macht das Sinn: Jedes Portal mit einem eigenen Anmeldenamen und eigenem Passwort? Eine Konsolidierung ist dringend notwendig. Spätestens beim nächsten Passwortklau wird man daran erinnert.“

Digitale Identität
BMI

Auf der Angebotsseite tut sich so langsam etwas

Die Personalausweisfunktion für die Online-Identität kommt jetzt auch außerhalb des öffentlichen Sektors an. Man darf gespannt sein, ob wir nach der Comdirect Bank weitere Geldinstitute sehen, die die vom Gesetzgeber vorgesehene Kundenidentifizierung nach dem Geldwäschegesetz über den digitalen Personalausweis anbieten. Weiterhin gibt es bei den Sparkassen jetzt eine erste Anwendung des „vor Ort Auslesen“. Das Startup AUTHADA gibt hier im Augenblick richtig Gas. Mehr dazu demnächst in einem eigenen Artikel.

 

YES in der Sneak-Preview

Ein anderer Mitspieler, der Ende letzten Jahres mit einer Meldung Furore machte, ist YES. Nach den Sparkassen wurden nun auch die Genossenschaftsbanken für die Teilnahme als Aktivbank für Digitale Identität gewonnen.

YES - die digitale Identität bei Sparkassen und VR-BankenIch konnte mir die Lösung in einem Sneak Preview bereits einmal ansehen. Für den Anwendungsfall einer höherwertigen Identitätsübermittlung kann das Verfahren durchaus überzeugen. Ich glaube aber nicht, dass die eigentliche Schlacht der Digitalen Identität auf diesem Feld geschlagen wird.

Es sind die Anwendungen entscheidend, die wir täglich oder zumindest mehrmals in der Woche verwenden.“

Sehr gespannt bin ich auch, ob und wann die Mobilfunker ihren Hut in den Ring schmeißen. Werden Sie ihr Angebot Mobile Connect als eigenständiges Angebot auf den Markt bringen? Oder begnügen Sie sich mit der Rolle des Zulieferers bei Verimi.

Der Antritt von Verimi in 2019 wird entscheidend

Verimi/NemanjaZotovic/bigstock.com

Für eben diesen Identity Provider Verimi wird 2019 ein wichtiges Jahr. Nach dem Start 2018 gilt es jetzt, den Beweis anzutreten, dass das Verfahren für die Nutzer wirklich relevant ist. Mit Samsung hat man einen ersten internationalen Partner dieser doch sehr deutschen Lösung, gewonnen. Konsolidiert Verimi mit seinem Angebot dann die Online-Ausweisfunktion, Mobile Connect und Video-Ident?

Gerade letztere, also die Video-Ident Anbieter, sind für mich das Bargeld der digitalen Identität. Ziemlich umständlich, aber derzeit noch nicht wegzudenken. Digitale Identität konsequent weitergedacht bedeutet dann, dass solche Angebote überflüssig werden. Aber so weit sind wir noch nicht. Wie so oft, Totgesagte leben länger. Zumindest IDnow hat erst mal beim Verimi-Partner G&D Unterschlupf gefunden. Ob das auch bedeutet, dass der bisherige Video-Ident Dienstleister WebID ausgetauscht wird?

Tanaonte / BigStock

Zu guter Letzt wäre dann noch netID. Die Initiative bezeichnet sich selber als den neuen europäischen Login-Standard. Was wohl als direkte Herausforderung an GAFA (hier insbesondere Google und Facebook) verstanden werden kann. Von europäisch ist dort aber weder auf Seiten der teilnehmenden Identity Provider, noch bei den diesen Service nutzenden Webseiten etwas zu spüren. Insgesamt auch eine rein deutsche Veranstaltung.

Zwischen all den Fronten bemüht sich die Initiative ID4me zumindest, einen technischen Standard zu etablieren.

Digitale Identität: Der Ausblick – fast wie 2013 im Mobile Payment

Ich erlebe hier eine Gemengelage wie 2013 beim Mobile Payment. Alle sind aufgewacht und haben erkannt, dass Digitale Identität jetzt wirklich „The next Bing Thing“ wird. Alle haben tolle Ideen und jeder meint, den Markt alleine aufrollen zu können oder zumindest die gefundene Nische erfolgreich besetzen zu können.

Wenn sich die Identity Provider weiterhin gegenseitig blockieren, kommt es zu einem „Deja Vue“ und die US Konzerne aus dem Silicon Valley räumen den Markt am Ende alleine ab. Das muss nicht so kommen, aber die Vorzeichen zeigen in diese Richtung.“

Ob ein solches Szenario am Ende eintritt, werden wir Ende 2019 noch nicht wissen. Wahrscheinlich bleiben hier noch zwei oder drei Jahre, aber die müssen auch genutzt werden, sonst übernehmen die GAFA-Unternehmen das Thema. Apple Pay und Google Pay sind 2018 ja auch nicht einfach vom Himmel gefallen!Rudolf Linsenbarth

 
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