STUDIEN & UMFRAGEN27. Juni 2019

Gold statt Facebook-Geld: Deutsche zeigen kaum Interesse an virtuellen Währungen

Virtuellen Währungen Studie
BearingPoint/YouGov

Deutsche sehen virtuelle Währungen skeptisch und hegen noch größere Zweifel an Bitcoin und Co. als vor einem Jahr, hat YouGov für BearingPoint herausgefunden. Das Vertrauen in Gold und Bargeld als Anlage hingegen sei gestiegen. BearingPoint sieht „fehlende Preisstabilität und Informationsmangel“ als Gründe für geringe Akzeptanz. Den Nutzen von Social-Media-Währungen wie die von Facebook angekündigte „Libra“ erkennen die meisten Befragten der Online-Umfrage nicht.

Rund 63 Prozent der Deut­schen ken­nen sich nach ei­ge­nen An­ga­ben mit so­ge­nann­ten Kryp­towäh­run­gen nicht gut aus, 94 Pro­zent ha­ben Bit­co­in und Co. bis­her nicht ge­nutzt. Zu die­sem Er­geb­nis kommt die re­prä­sen­ta­ti­ve Um­fra­ge von Be­a­ring­Point. 43 Pro­zent der Be­frag­ten ha­ben zwar schon ein­mal von Kryp­towäh­run­gen ge­hört, wis­sen aber nicht, wie die­se funk­tio­nie­ren. Drei Vier­tel der Be­frag­ten sind der Mei­nung, dass Kryp­towäh­run­gen kei­ne ge­eig­ne­te Anlageform sind.

BearingPoint

Die fehlende Preisstabilität und Informationsmangel sind Hauptgründe für die geringe Akzeptanz von Kryptowährungen. Für Verunsicherung unter den deutschen Anlegern haben vor allem die Achterbahnfahrten des Bitcoin-Kurses gesorgt. Zudem fehlt oft das grundlegende Verständnis zur Funktionalität der virtuellen Währungen.“

Dr. Robert Bosch, Partner bei BearingPoint im Bereich Financial Services

Im Vergleich zum Vorjahr – die Umfrage wurde bereits zum vierten Mal durchgeführt – ist zudem das generelle Bewusstsein für die digitalen Zahlungsmittel gesunken. Gaben 2018 noch 88 Prozent der Verbraucher an, Kryptowährungen zu kennen oder bereits davon gehört zu haben, sind es 2019 nur noch 80 Prozent.

Junge Männer nutzen Kryptowährungen am meisten

Virtuellen Währungen Studie
BearingPoint/YouGov

Wie im Vorjahr zeigt sich eine deutliche Differenz zwischen Männern und Frauen: Während 21 Prozent der männlichen Umfrage-Teilnehmer angeben, sich bereits näher mit Kryptowährungen beschäftigt zu haben oder diese zu nutzen, sind es unter den Frauen nur acht Prozent. Auch das Alter spielt bei den tatsächlichen Nutzern eine Rolle. 14 Prozent der 18-24-Jährigen benutzen Kryptowährungen. Bei den Befragten, die 55 Jahre oder älter sind, sind es nur drei Prozent.

Trotz Facebooks Libra: Kaum Interesse an Social-Media-Geld

Erst kürzlich sorgte der Internetriese Facebook mit der Ankündigung zu einer eigenen Kryptowährung, dem sogenannten Libra Coin, für Aufsehen. Zu den möglichen Vorteilen von virtuellen Zahlungsmitteln in sozialen Netzwerken befragt, zeigen sich die Deutschen jedoch skeptisch: 66 Prozent sehen keinen besonderen Mehrwert des Digitalgelds. Immerhin 20 Prozent können sich Kryptowährungen als Zahlungsmittel für Produkte in den sozialen Medien vorstellen. 16 Prozent glauben, dass man damit User für das Anschauen von Werbung entlohnen könnte.

Die Privatwirtschaft ist hier wieder einmal weiter als die deutsche Politik. Während Facebook seine eigene digitale Währung ankündigt, fehlen in Deutschland noch immer die nötigen Regularien und Gesetze. Dass viele Verbraucher Kryptowährungen als unsicher empfinden, ist auch ein politisches Problem.“

Dr. Robert Bosch, Partner bei BearingPoint im Bereich Financial Services

Preisstabilität: Vertrauen in Gold und Bargeld am größten

Das Vertrauen in die Preisstabilität von virtuellen Währungen sinkt weiter: In der Gesamtheit stufen nur 17 Prozent der Umfrage-Teilnehmer die virtuelle Währung als vertrauenswürdig ein. Das sind sechs Prozent weniger als im Vorjahr und sogar 15 Prozent weniger als 2017. Gold hingegen gewinnt gegenüber dem Vorjahr sogar noch an Vertrauen. Insgesamt 84 Prozent halten es für preisstabil. Dicht dahinter folgt das Bargeld: 81 Prozent glauben, dass sie der Preisstabilität von Bargeld vertrauen können.

Bei den bevorzugten Anlageformen scheint Gold ebenfalls die erste Wahl der Deutschen zu bleiben. 79 Prozent der Befragten halten es für eine sichere Anlage. 63 Prozent glauben, dass staatliche Währungen geeignet für eine Vermögensanlage sind. virtuellen Währungen sind unter den Anlegern hingegen unbeliebt. Dreiviertel der Befragten sind der Meinung, dass sie keine geeignete Anlageform sind. Nur drei Prozent halten es für sehr wahrscheinlich, dass Kryptowährungen staatliche Währungen ersetzen könnten.

Über die Studie

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage von YouGov Deutschland im Auftrag von BearingPoint, an der zwischen dem 17. und 19. Juni 2019 insgesamt 2020 Personen teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren. Die Erhebung wurde zum vierten Mal in Folge mit vergleichbarem Forschungsdesign durchgeführt und untersucht Wahrnehmung und Nutzungsverhalten virtueller Zahlungstechnologien in Deutschland.aj

 
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