MEINUNG1. April 2019

N26 die Teflon Bank: Kommentar von Rudolf Linsenbarth

Rudolf Linsenbarth
Rudolf Linsenbarth

Valentin Stalf, Geschäftsführer der N26 GmbH, segelt seine N26 Bank GmbH hart am Wind. Das gewählte „Try and Error“ Verfahren hilft ihm bei der schnellen Einführung von Innovationen. Leider bleibt diese Vorgehensweise auch nicht ohne Kollateralschäden. Der Kommentar

von Rudolf Linsenbarth

Im Mai 2016 erkannte man zum Beispiel in Berlin, dass die Möglichkeit unbegrenzt und kostenlos Geld abzuheben, wirtschaftlich in den Ruin führt. Daraufhin wurde diese Möglichkeit limitiert und man trennte sich einfach von einem Portfolio nicht lukrativer Kunden. Die weitere Kommunikation von Herrn Stalf zu diesem Vorgang war dann sagen wir einmal etwas unglücklich.

Vincent Haupert: Online-Banking-Mängel

Ende 2016 deckte der Sicherheitsexperte Vincent Haupert eklatante Mängel im Sicherheitsbereich des Online Banking auf. Auch wenn diese groben Schnitzer mittlerweile hoffentlich behoben worden sind, darf man sich schon fragen, auf welcher Basis die Bank ihre Sicherheitsbewertungen vornimmt.

Kenishirotie / Bigstock

BaFin: Geldwäscheprüfung-Mängel

Im Oktober 2018 musste die BaFin prüfen, ob N26 seinen Pflichten zur Prüfung der Geldwäsche Prüfung nachkommt. Hier hatten mehrere Tester im Auftrag der „Wirtschaftswoche“ Konten mit schlecht gefälschten Pässen eröffnet, was eigentlich hätte auffallen müssen.

Kunden: Support-Mängel

Jüngste „Aufreger“ sind nun eine Reihe Betrugsfälle von mehreren Kunden. Exemplarisch ist das Beispiel eines Geschäftskunden, dem anscheinend 80.000 € von seinem Konto abhandengekommen sind und der tagelang den Support seiner „No-Bullshit-Bank“ nicht erreicht hat. Man wolle daraus lernen, versicherte Stalf gegenüber IT Finanzmagazin (N26 und die Phishing-Probleme: ‚Sportlich können wir das nicht sehen‘)

Zunächst habe ich erst einmal gestutzt und mich versichert, ob denn die Nutzung von N26 für Geschäftskunden überhaupt möglich ist. Tatsächlich gibt es ein sogenanntes N26 Business Konto.

N26 Business Mastercard
N26
Wesentliches Feature ist eine Commercial Mastercard, für die N26 dann auch einen ordentlichen Interchange von deutlich über einem 1 Prozent kassiert. Großzügig wird der Kunde dann mit einem Cashback von 0,1 % an diesem Deal beteiligt. Weitere Unterschiede zu einem normalen Konsumenten-Konto sind nicht erkennbar. Das Konto wird von N26 auch kostenlos angeboten und folgendermaßen beworben.

Wieso ist das N26 Geschäftskonto im Vergleich so viel günstiger als andere Geschäftskonten?

Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, ein mobiles Geschäftskonto zum wettbewerbsfähigsten Preis anzubieten. Wenn du das grundlegendste Geschäftskonto der Deutschen Bank nutzt, zahlst du monatlich 8,90€ Gebühr und weitere 29€, um eine Bankkarte zu haben. Wir möchten Freelancer und Selbstständige unterstützen, indem wir eine bessere Möglichkeit bieten, online ein Geschäftskonto zu eröffnen…“

Autor Rudolf Linsenbarth
Rudolf LinsenbarthRudolf Linsenbarth be­schäf­tigt sich mit Mo­bi­le Pay­ment, NFC, Kun­den­bin­dung und di­gi­ta­ler Iden­ti­tät. Er ist seit über 15 Jah­ren in den Be­rei­chen Ban­ken, Con­sul­ting, IT und Han­del tä­tig. Lin­sen­barth ist pro­fi­lier­ter Fachautor und Praktiker im Fi­nanz­be­reich und kom­men­tiert bei Twit­ter un­ter @holimuk die aktuellen Entwicklungen. Alle Beiträge schreibt Linsenbarth im eigenen Namen.
OK, das ist also die Ansage, wer billig will, bekommt es auch. Worin die bessere Unterstützung für Geschäftskunden liegt, bleibt dann doch irgendwie im Dunklen. Wahrscheinlich benötigt N26 auch hier einige Iterationen bis zur Erkenntnis, dass ein Geschäftskunden-Konto wahrscheinlich doch mehr ist, als die bloße Herausgabe einer Commercial Kreditkarte!

Ich sehe in N26 in erster Linie keine Bank, sondern eine Plattform, die aussieht wie eine Bank.“

Das heißt, der N26 Bank GmbH wird es nicht gelingen, allein über klassische Bankgeschäftsfelder profitabel zu werden. Schon gar nicht wird man darüber die erwarteten Renditen der Geldgeber befriedigen können.

Ohne wirkliches Geschäftsmodell?

N26 hat noch kein wirkliches Geschäftsmodell und das ist auch kein Problem, solange man im bisher begonnenen Tempo weiter wächst und von Finanzierungsrunde zu Finanzierungsrunde Venture Kapital ins Unternehmen fließt.

N26 arbeitet als Plattform
diBronzino/bigstock.com

N26 möch­te den Kun­den und In­ves­to­ren glau­ben ma­chen, dass man über pu­re Tech­no­lo­gie der­art ef­fi­zi­ent sei, dass die der­zei­ti­gen Bank­ge­schäf­te den De­ckungs­bei­trag zum Be­trieb er­wirt­schaf­ten können.“

Das Startup ist zwar auf der grünen Wiese entworfen worden und frei von Altlasten, die der Wettbewerb noch mit sich herumtragen muss. Aber jede Op­ti­mie­rung hat auch ihre Grenzen, sonst besäße Valentin Stalf ein Perpetuum mobile.

Ein gutes Beispiel ist die Kundenkommunikation: Man habe die Telefonhotline eingestellt, weil die meisten Kunden den Chat bevorzugen würden. Das ein Chat sich sehr viel günstiger als eine Telefonhotline realisieren lässt, kommt der eigentlichen Motivation für diesen Move wahrscheinlich erheblich näher. Die Rohdaten der Kundenumfrage, wo diese einem Chat den Vorzug gegenüber einer gut funktionierenden Telefonhotline geben, würde ich gerne einmal sehen.

Ich denke aber, dass N26 auch dieses Problem meistern wird und als Stachel im Fleisch der etablierten Banken erhalten bleibt.“

Noch hält die BaFin bei N26 still ...
BaFinKai Hartmann Photography / BaFin

Zur Strategie des Startups gehört es, nicht nur viele verschiedene Dinge auszuprobieren, sondern nach dem Erkennen von Fehlern diese sehr schnell zu beheben und wenn nötig auch die komplette Strategie zu ändern. Das ist derzeit für eine Bank noch ungewöhnlich. Doch daran müssen sich die Kunden und auch der Wettbewerb gewöhnen.

Die Bankenaufsicht hat das anscheinend schon verinnerlicht, vonseiten der BaFin gab es bisher erkennbar jedenfalls keine Signale, dass es hier Bedarf für ein Eingreifen gibt.“Rudolf Linsenbarth

 
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