STRATEGIE29. August 2019

Infrastruktur-Modernisierung: Ein adaptives Netzwerk ist ein wichtiger Wettbewerbsfaktor im Finanzsektor

Der Sektor Finanzdienstleistung erlebt eine der radikalsten Veränderungen seit mehr als 100 Jahren. Die digitale Revolution sorgt für eine enorme Beschleunigung. Neue Technologien – speziell konzipiert für Finanzdienstleistungen – ermöglichen Innovationen wie personalisiertes Banking, mobile Wallets und Realtime Payment-Systeme. Ohne moderne IT-Infrastruktur und ein adaptives Netzwerk hat der Finanzsektor kaum eine Chance.

von Eugen Gebhard, Managing Director, DACH/CEE bei Ciena

Flexible IT-Infrastruktur auf Glasfaser-Basis
kenny001/bigstock.com
Der technologische Fortschritt bringt eine Reihe neuer Herausforderungen mit sich: So sehen sich Finanzdienstleister beispielsweise einer wachsenden Flut von Datenschutzverletzungen und Hacks gegenüber. Daher ist es kaum verwunderlich, dass sich 90 Prozent der Sicherheitsexperten der Branche Sorgen um sicherheitsrelevante Schwachstellen im Unternehmen machen.

Hinzu kommt, dass es Open Banking ermöglicht, eigentlich branchenfremden Software-Entwicklern Anwendungen und Dienste rund um das Finanzinstitut über offene Programmierschnittstellen (Application Programing Interfaces, APIs) zu erstellen. Dies führt zu einer neuen Welle des Wettbewerbs durch agile Dienstleister.

Autor: Eugen Gebhard, Ciena
Eugen Gebhard sieht in der flexiblen IT-Infrastruktur (wie adaptiven Netzwerken) einen wichtigen Überlebensfaktor für Banken und Versicherer
Ciena

Eugen Gebhard ist Managing Director für die DACH- und CEE-Region von Ciena zusammen. Gebhard ist Dipl.-Ing. in Elektrotechnik/Informatik der Universität Ravensburg/Weingarten und PMP (PMI) zertifiziert.

In den 24 Jahren, in denen Eugen Gebhard in der Telekommunikationsbranche tätig war, hatte er eine Vielzahl von Positionen inne, darunter Regional Operations Leadership, Solution Marketing, Softwareentwicklung und verschiedene Sales Leadership Rollen in EMEA. Zu Ciena kam er durch die Übernahme der Metro Ethernet Networks (MEN) von Nortel Networks.

Die Kun­den sind zu­neh­mend tech­nisch ver­siert und stel­len hö­he­re An­for­de­run­gen an das Fi­nanz­diens­t­­leis­tungs­­­an­ge­bot. Zu­dem ist die Loyalität der jüngeren Kunden nicht so ver­bind­lich wie die der Ba­by­boo­mer oder der Generation X.“

Um sich diesen Gegebenheiten anzupassen, setzen Finanzdienstleister vermehrt auf Künstliche Intelligenz (KI), Machine Learning (ML), robotische Prozessautomatisierung, IoT, Analytik, Edge Computing, Blockchain und mehr. Viele dieser Lösungen sind cloudbasierte Anwendungen, so dass die IT-Infrastruktur und damit das Netzwerk mit skalierbarer Bandbreite und robusten Verbindungen ausgestattet sein muss, um in Echtzeit mit geringer Latenz ein gutes Benutzererlebnis zu ermöglichen. Jegliche Netzwerkausfälle, Staus oder Übertragungsstörungen können den Service unterbrechen, was je nach Ausmaß der Störung den Ruf des Dienstleisters erheblich beeinträchtigen kann.

Anders ausgedrückt: Ein leistungsstarkes Netzwerk, welches Umsatz generierende Anwendungen bereitstellt, sensible Daten schützt und gesetzliche Anforderungen erfüllt, stellt eine wichtige Basis für den wirtschaftlichen Erfolg eines Finanzdienstleisters dar.

Identifikation von Modernisierungspotenzialen

Doch viele Banken haben eine lange Geschichte und damit oftmals eine entsprechende Legacy-Infrastruktur. Dies spiegelt sich auch in veralteter Netzwerktechnik wider. Modernisierung ist hier dringend notwendig.

Es gibt drei entscheidende Bereiche, auf deren Ebene die Modernisierung des Netzwerks stattfinden sollte:

1. In erster Linie ist es das Rechenzentrum. Miteinander verbundene Hochleistungs-Rechenzentren senken die Kosten und sind durch Server-Virtualisierung, Storage und Konsolidierung von Rechenzentren sehr effizient.
2. Die zweite Ebene ist die Filialkonnektivität. Finanzdienstleister modernisieren ihre Zweigstelleninfrastruktur, um den Echtzeitzugriff auf kritische Cloud-basierte Anwendungen zu ermöglichen und gleichzeitig die Kosten für die Netzwerkanbindung zu senken. Diese Balance erreichen sie mit einer Kombination aus Paket-basierter Infrastruktur, virtualisierten Netzwerkfunktionen und Software-basierter Steuerung.
3. Die dritte Ebene ist die Netzwerklatenz. Die extrem kurze Latenzzeit bietet die nötige Geschwindigkeit, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen.

Ein wesentlicher Aspekt, der bei allen Modernisierungsmaßnahmen auf allen Ebenen von größter Bedeutung ist, ist die Sicherheit. Die Sicherheit und der Schutz der Daten sind insbesondere in der Finanzbranche von entscheidender Bedeutung. Da Unternehmen mehr Sensoren, Geräte und Artificial-Intelligence-/Machine-Learning-basierte Anwendungen einsetzen, müssen sie den Bedarf an Datenaustausch in einem breiteren Ökosystem mit der Notwendigkeit in Einklang bringen, Datensicherheit und Datenschutz zu gewährleisten.

Um diesen neuen Komplexitäten zu begegnen, benötigen Banken eine Netzwerkinfrastruktur, die anpassungsfähiger, dynamischer und reaktionsschneller als bisher ist. Immer mehr Anbieter bieten daher flexible Virtualisierungsdienste und skalierbare Bandbreite – basierend auf einer adaptiven Netzwerkarchitektur.“

Aufbau eines adaptiven Netzwerks

Ein adaptives Netzwerk besteht aus drei verschiedenen Komponenten:

1. Die programmierbare Infrastruktur: Eine programmierbare Paket- und optische Infrastruktur ermöglicht den Zugriff und die Konfiguration über gängige offene Schnittstellen. Die Netzwerkinfrastruktur ist hochgradig orchestrierbar, so dass Leistungsdaten in Echtzeit exportiert und Ressourcen bei Bedarf angepasst werden können. So kann das Netzwerk den Anforderungen der darauf laufenden Anwendungen gerecht werden.
2. Analytik und Intelligenz: Die Erfassung und Analyse von Netzwerkleistungsdaten durch maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz ermöglicht es, mittels Echtzeitanalyse der Datenflüsse potenzielle Netzwerkprobleme genauer vorherzusagen und Trends zu antizipieren. Die Nutzung dieser Erkenntnisse kann zur Entwicklung intelligenterer, datenbasierter Richtlinien beitragen, die sich unmittelbar an die Kundenbedürfnisse anpassen.
3. Software-Steuerung und -Automatisierung: Multi-Domain-Service-Orchestrierung (MDSO), Verbund-Inventarisierung und die zentrale Software-definierte Steuerung einzelner Domänen bilden die Grundlage für adaptive Netzwerke. Die Implementierung von SDN, Network Function Virtualization (NFV) und offenen APIs kann das End-to-End-Management und die Automatisierung von Netzwerkdiensten über herstellerübergreifende, hybride Netzwerke vereinfachen.

Der oben genannte Aspekt „Sicherheit und Datenschutz“ sollte dabei nicht vergessen werden. Der sichere und transparente Transport verschlüsselter Daten über verschiedene Architekturen hinweg lässt sich beispielsweise unter Verwendung einer FIPS-zertifizierten (Federal Information Processing Standard) Assured Networking-Lösung sicherstellen, so dass die richtigen Informationen jedes Mal an die richtigen Personen weitergeleitet werden.

Durch den Aufbau eines Frameworks um diese drei Konzepte und den Aspekt Sicherheit herum können Finanzdienstleister ihre Infrastruktur in ein selbstoptimierendes, selbstverwaltendes und selbstkonfigurierendes Netzwerk transformieren.“

Neue Services lassen sich sehr schnell in adaptive und sichere Netze integrieren, ohne diese zu überlasten und damit die Kundenzufriedenheit zu gefährden.

Beispiel: Brasilianische Banco Votorantim setzt auf Glasfasernetz

Wie dies aussehen kann, zeigt sich beispielsweise bei der Banco Votorantim, Brasiliens fünftgrößter Privatbank. Das Unternehmen modernisiert sein Netzwerk und migrierte in eine Cloud-Umgebung, um den Kapazitätsausbau zu beschleunigen, die Betriebskosten zu senken und einen „always-on“- Zugriff auf Anwendungen und Daten zu gewährleisten. Durch das Update verfügt die Bank nun über die Grundlage für die Unterstützung von bis zu 16 Tbit/s Datenverkehr und kann die Agilität, Zuverlässigkeit und extrem niedrige Latenzzeit bieten, die für die Verwaltung geschäftskritischer Anwendungen erforderlich sind. Die moderne Infrastruktur hat es der Bank ermöglicht, ihre Fibre-Channel-Konnektivität auf 32 Gbps und ihre Ethernet-Konnektivität auf 100 Gbps auf einer einzigen, kompakten Plattform zu erweitern. Für die vier Millionen Kunden von Banco Votorantim bedeutet dies eine sichere, stabile und schnellere Verbindung zu ihrem Finanzdienstleister. Und für die Bank bedeutet die Investition in Glasfaseroptik enorme Flexibilität, hohe Investitionssicherheit und einfache Integration neuer Dienstleistungen, um sich langfristig wichtige Wettbewerbsvorteile zu sichern.Eugen Gebhard, Ciena

 
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