STRATEGIE29. März 2018

Studie zur Technologiebewertung: Nach Big Data kommen die Bots

Photonphoto / Bigstock

Dass eine Produktivitätssteigerung durch die Digitalisierung bei deutschen Unternehmen stattfindet, wird wohl niemand bestreiten. Spannender ist da die Erhebung der Auswirkungen – und hier liefert eine aktuelle Studie von Horváth & Partners interessante Einblicke. Nach der Studie „Digital Value 2018“ sind die derzeit am weitesten verbreiteten Technologien Cloud-Lösungen und Virtual Services. Doch es sind andere Technologien, die die Unternehmen in Zukunft für am wichtigsten halten.

Big Data war das Trendthema der vergangenen Jahre. Inzwischen haben 57 Prozent der Unternehmen erfolgreiche Big-Data-Lösungen im Einsatz oder zumindest in der Testphase, wie eine Studie der Stuttgarter Management-Beratung Horváth & Partners unter 200 Entscheidern im deutschsprachigen Raum zeigt. Mit den Ergebnissen sind die Unternehmen offenbar sehr zufrieden, denn nach Ansicht von 96 Prozent der Befragten wird diese Technologie auch in Zukunft den größten Beitrag zur Wertschöpfung leisten.

(Ro)Bots und deren Fähigkeiten rücken in den Fokus

Die digitale Verarbeitung großer Datenmengen findet auch in vielen Technologien zur Automatisierung von Prozessen statt.“

Rainer Zierhofer, Partner bei Horváth & Partners

Auf genau diese Automatisierung haben die Entscheider es derzeit laut Zierhofer, dem
Leiter des Beratungsbereichs IT Management & Transformation, besonders abgesehen: Neun von zehn Befragten verbinden mit robotergesteuerter Prozessautomatisierung (RPA) große Hoffnungen, wenn es um künftige Effizienzsteigerungen geht. Dabei werden Daten und Prozesse verschiedener Quellen automatisiert zusammengeführt und von Software nach festgelegten Algorithmen bearbeitet, was erhebliche Effizienz- und Qualitätsgewinne mit sich bringt. Besonders relevant ist das Thema für alle Firmen, die einen hohen Serviceaufwand haben.

Bislang hat erst jedes dritte Unternehmen eine solche Lösung im Einsatz, weitere 20 Prozent experimentieren damit. „Die Unternehmen sind relativ spät dran, denn die Bot-Technologie ist längst reif“, so Zierhofer. An dritter Stelle der To-Do-Liste stehen Smart Services, also daten- und dienstbasierte Lösungen mit hohem Nutzermehrwert für den Anwender, häufig in Form mobiler Lösungen. Auch hier stehen die Unternehmen mit 50 Prozent Anwendern und Testern noch weit am Anfang.

Das „Internet der Dinge“ wird unterschätzt

Vergleichsweise geringe Bedeutung für ihren künftigen Unternehmenserfolg räumen die Entscheider hingegen Lösungen aus dem Bereich „Internet of things“ (IoT) ein. „Diese Konzepte erfordern Kooperationen mit anderen Unternehmen, wenn sie konsequent verfolgt werden. Davor scheuen traditionelle Unternehmen aber noch zurück“, so Digitalexperte Zierhofer.

Gut etabliert haben sich mittlerweile Cloud-Anwendungen (79%). Sie können gerade in Form der Private-Cloud-Umsetzung sowie im Rahmen von Multi-Cloud-Strategien auch in Branchen wie Banken und Versicherungen, in denen mit teilweise sehr persönlichen Kundendaten agiert wird, inzwischen als ebenso vertrauenswürdig wie klassische On-Premise-Lösungen eingestuft werden. Auch Virtual Services, mit denen Informationen und Leistungen vollständig webbasiert bereitgestellt werden (immerhin in 67% der Fälle genannt) halten in immer mehr Unternehmen branchenübergreifend Einzug. Diese kommen zum Beispiel in vollständig automatisierten Rechenzentren zum Einsatz. Finanzdienstleister sind außerdem bei der tiefergehenden Analyse großer Datenmengen weit fortgeschritten und haben vielfach entsprechende Advanced-Analytics-Technologien implementiert.

Horváth & Partners

Deutlich wird aber auch: Die Finanzbranche empfindet den Umbruch und die Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt, als am stärksten unter den Branchen. Hier sagten 73%, dass die Veränderungen in ihrem Branchenumfeld stark oder eher stark seien. Lediglich in der Medienbranche sind die Werte bei der Beurteilung der Veränderungen in der Unternehmenskultur und Unternehmensorganisation ähnlich groß.

Für die Studie „Digital Value 2018 – der Beitrag der Digitalisierung zur Wertschöpfung“ wurden im Auftrag von Horváth & Partners rund 210 Entscheider auf C-Level, C-1 sowie Digitalisierungsentscheider im Rahmen von computerunterstützten Telefoninterviews befragt. Leider lässt die Fallzahl kaum belastbare Rückschlüsse auf die Einzelbranche Finanzen zu. tw

 

 
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