FINTECH27. September 2017

Revolut macht auf Randale – ist im Kern aber schlicht innovativ: E‑Geld‑Institut startet in Deutschland

Revolut

Ganz schön großspurig will Revolut in den deutschen Markt starten: Sprüche wie „um die Party der traditionellen deutschen Banken zu beenden“, „Die großen Banken haben ihren Spaß gehabt“ und „Europas führende Banking App“ hörte man nur in der Anfangsphase von N26. Nun will ‚Randale‘-Revolut also nach Deutschland kommen. Nur: So ‚Randale‘ wie Revolut tut, ist das Unternehmen gar nicht. Im Gegenteil: Revolut rechnet per renommierter Lloyds Bank ab und hat einige gute Ideen. Und Revolut selber ist ein E-Geld-Institut, dass von der britischen FCA beaufsichtigt wird. Auch sonst scheint eine ganze Menge Vernunft im Spiel zu sein. Also nur Effekthascherei? Mitnichten. Revolut bedrängt eingesessene FinTechs wie Transferwise, Fidor und N26 und sät Zweifel am Nutzen von IDnow & Co.

In der Pressemitteilung, die zur Effekt-Steigerung noch mit einer Sperrfrist von 6:00 Uhr morgens versehen ist, greift Revolut​ ​tief in die Kiste: „Revolut​ ​startet​ ​in​ ​Deutschland,​ ​um​ ​die​ ​Party​ ​der​ ​traditionellen​ ​deutschen​ ​Banken​ ​zu beenden​ ​und​ ​eliminiert​ ​Kontoführungs-,​ ​Geldtransfer-​ ​sowie​ ​Auslandseinsatzgebühren – Europäisches FinTech greift nach 66 Millionen US-Dollar Finanzierungsrunde in Deutschland an und investiert in deutschen Standort samt Team in Berlin –kostenloses Girokonto mit eigenem IBAN in weniger als 3 Minuten direkt am Smartphone eröffnen und komplett per App verwalten – Mehr als 25 Währungen zum echten Wechselkurs halten und international gebührenfrei Geld senden sowie empfangen – In 120 Währungen mittels Revolut Mastercard kostenfrei bezahlen und weltweit gebührenfrei an Geldautomaten Bargeld abheben – Zum offiziellen Start von Revolut in Deutschland erhalten Kunden zum kostenlosen Konto zusätzlich die Revolut Mastercard gratis“ – und so weiter. Auch das man gleich beim Marktstart (ohne einen einzigen Kunden in Deutschland zu haben)  „Europas führende Banking App“ sein will, buchen wir ebenfalls auf Marketing. Kleine Gegenfrage: Wie viele Apps haben nochmal die Sparkassen und Genos bei ihren Kunden alleine in Deutschland derzeit am Laufen?

Zieht man das Marketing ab, bleibt ein spannender N26-Wettbewerber

Revolut

Reduziert man das Schreierische auf die Fakten, dann bekommt N26 neben der finnischen Ferratum (mehr…) nun auch durch das britische Revolut Konkurrenz. Die Leistungsbereiche sind bei den dreien ähnlich. Eine iOS- und Android-App gehört bei allen zum Standard-Lieferumfang. Allerdings hat Revolut ein paar geschickte Trümpfe und USPs in der Hand. So soll Revolut:

1. bei der Anmeldung keine Videoidentifzierung benötigen, sondern dies unter Einhaltung der Vorgaben mittels Lichtbildausweis und Selfie lösen. Diese Lösung bringe nicht nur eine leichtere Handhabung für Kunden. Damit stellt es die Lösungen von IDnow- und WebID in Frage!
2. Die App erlaube es, mehr als 26 Währungskonten zu halten. Wenn dem so ist, dann fallen keine Kosten für Geldtransfer-, Wechsel und Auslandseinsatzgebühren an. Das könnte Trasferwise & Co. Schmerzen bereiten.
3. Die Anzahl der Abhebungen am Geldautomaten hat keine monatliche Limitierung der Anzahl der Abhebungen – sondern der monatlich kostenfrei abhebbare Gesamtbetrag ist auf 200 bzw. 400 Euro („Premium-Modell“) limitiert. Hier dürften bisherige FinTech-Banken kopfschütteln, die mit Anzahl-Begrenzungen und Belohnungssystemen die Kunden zum Geldautomaten-meiden bewegen möchten, aber damit höhere Geldbeträge ermöglichen.

Revolut-Gründer Vladyslav Yatsenko und Nikolay StoronskyRevolut

Außerdem wolle Revolut In den nächsten Wochen und Monaten zahlreiche Produkterweiterungen vorstellen, dass das Unternehmen deutlich vom Mitbewerber abheben werden. So soll es beispielsweise  möglich werden, mit einem Klick in Aktien und Anleihen zu investieren, Sparkonten mit hoher Verzinsung abzuschließen, Krypto-Währungen zu halten, handeln und zu transferieren. Auch der Abschluss von Versicherungen werde über die App mit wenigen Klicks funktionieren. Yes, hier sollten einige Entwickler aus der Schweiz hellhörig werden.

Revolut

Revolut – die Hintergründe

Revolut wurde vor zwei Jahren in London gegründet und soll bisher 850.000 Kunden in 42 europäischen Ländern gewonnen haben. Im Sommer 2017 erhielt es eine Finanzierungsrunde in Höhe von 66 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen will bis Ende des Jahres in Deutschland 100.000 neue Nutzer gewinnen und hat eine Niederlassung in Berlin. Spannend ist auch noch der Punkt, dass Revolut eine eigene API sowohl für Privat- als auch Businesskonten anbietet. Insbesondere im Rahmen der PSD2 werde das Unternehmen eine umfangreiche API zur Verfügung stellen und es Dritten ermöglichen, sich mit unserem System zu verbinden. Als Kerninfrastruktur baut die Bank auf eine eigens programmierte Multi-Currency-Plattform auf, wobei sie mit jeweils lokalen Partnern zusammenzuarbeiten will. Derzeit hängt Revolut regulatorisch an der Lloyds Bank – will da aber in Zukunft auch ganz auf eigenen Beinen stehen.

Zum Schluss darf es dann auch noch einmal wildes Marketing geben, denn etwas Aufmerksamkeit hat sich das Unternehmen tatsächlich verdient:

Die großen Banken haben ihren Spaß gehabt. Von hohen und intransparenten Gebühren bis hin zu veralteter Technologie wird auf Kosten der deutschen Verbraucher schon viel zu lange eine Party gefeiert. Wir sind die Einzigen, die diese Party beenden können, und tun das umgehend, indem wir nach Deutschland kommen, um Konsumenten mit Revolut endlich eine echte tägliche ​Alternative zu ihrer aktuellen Bankverbindung zu geben – direkt vom Smartphone aus und im Vergleich zu allen anderen Anbietern ganz ohne Kosten für Bargeldbezug oder Geldtransfer- und Auslandseinsatzgebühren weltweit. Kein Stein bleibt auf dem anderen, die Karten der deutschen Bankenwelt sind ab heute neu gemischt”.

Claudio​ ​Wilhelmer,​ ​Revolut​ ​Country​ ​Manager​ ​Deutschland​ aj

 
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