STRATEGIE22. Januar 2018

„Echtzeit-Zahlungsmodelle revolutionieren den Markt“ Jussi Mekkonen, CEO der Ferratum Bank im Interview

Jussi Mekkonen, CEO der Ferratum BankMarlene Bleicher, lenislens.com/Ferratum Bank

N26, Revolut, Fidor, Yomo, Bankomo, Monzo … und aus Finnland kommt Ferratum (Website) nach Deutschland. Die Digitalbank tritt (man möchte fast sagen ‚typisch finnisch‘) sehr zurückhaltend auf – überrascht aber im Gegenzug mit weiten Geschäftsmodellen und ruhiger Professionalität. Wir haben Jussi Mekkonen, CEO der Ferratum Bank und ehemalige Führungskraft der Nordea Bank (22 Jahre), zu Strategie und Zielen befragt.

Herr Mekkonen, heißt die Zukunft „Vertikale Bank“ – oder anders gefragt: Nach Sumo (hier mehr …), will Ferratum nun zum B2B-Bank-Macher werden?

Unser Ziel ist es, neue Partnerschaften für die weitere Erschließung des Marktes zu finden.

Bei der Wahl der Partnerunternehmen ist es wichtig, dass deren Geschäftsmodell ergänzende Bankdienstleistungen unterstützt. So kommen die Endkunden in den Genuss einer neuen, einfachen, schnellen und wettbewerbsfähigen Benutzererfahrung, welche traditionelle Banken mit ihren traditionellen Tools nicht anbieten können.“

Ist die PSD2 für Sie eher ein Vor- oder Nachteil? Sind Sie nun eher eine B2B-BackEnd-Bank mit Hub-Charakter (vergleichbar mit der solarisBank) oder sehen Sie sich doch eher im B2C-Bereich?

PSD2 ist ein klarer Vorteil für Ferratum, denn die Richtlinie ermöglicht die Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen. Mit Zustimmung der Kunden können Informationen zu den Kunden-Accounts und den Transaktionen gesammelt werden, was den Kreditprozess beschleunigt. PSD2 bietet außerdem die Möglichkeit, vollkommen neue Zahlungsdienste zu entwickeln und somit die Kundenerfahrung noch weiter zu verbessern.

Unser Geschäft besteht darin, Kunden Dienstleistungen anzubieten. Diese können entweder über unsere eigenen Kanäle, oder im Sinne von White-Label-Kooperationen für Verbrauchermarken auch über Partnerunternehmen angeboten werden. Wir sind sowohl im B2B- als auch im B2C-Bereich tätig.

Wen sehen Sie als Ihre größten Wettbewerber?

Der Sektor der Finanzdienstleistungen ist heutzutage ein weites Feld. Wir betrachten alle traditionellen Banken sowie neue Marktteilnehmer als unsere Konkurrenz.

Wir wollen unser Geschäft so auszurichten, dass wir uns klar von unseren Mitbewerbern abgrenzen und uns somit in einem Feld mit weniger Wettbewerb bewegen können.“

Jussi Mekkonen, CEO Ferratum Bank
Marlene Bleicher, lenislens.comJussi Mekkonen ist seit November 2017 CEO von Ferratum Bank p.l.c.. Zuvor war er über 22 Jahre lang für Nordea Bank AB in unterschiedlichen Führungspositionen tätig, zuletzt als Vizepräsident und Leiter Personal Banking. Mekkonen konnte sich im Laufe der Jahre einen großen Erfahrungsschatz in den Bereichen Business Development und Change Management aneignen. Studiert hat er Agrarökonomie an der Universität Helsinki.

Wechseln wir zum B2C-Bereich: Was macht Ferratum als Girokonto für Endkunden besonders? Wo schlagen Sie Banken und Mitbewerber?

Zunächst ermöglicht unsere Mobile Bank ein unkompliziertes, digitales und völlig papierloses Onboarding. Das Besondere an der Mobile Bank ist, dass mehrere Accounts in unterschiedlichen Währungen eröffnet werden können.

Unsere Kunden können somit in der jeweiligen Landeswährung ihres Aufenthaltsortes unabhängig vom aktuellen Wechselkurs direkt bezahlen.“

Auslandsüberweisungen können entweder über ein Konto in der Fremdwährung oder zum aktuellen Wechselkurs vollzogen werden. Das klare Interface der Mobile Bank garantiert bei allen Aktivitäten einfache Navigation. Zusätzlich ist unser Kundenservice per Telefon und per Chat in der jeweiligen Sprache des Kunden verfügbar.

Unser Geschäft ist gut aufgestellt und profitabel. Wir können unser Wachstum durch unsere eigenen Einnahmen finanzieren und sind nicht auf Wagniskapitalgeber angewiesen. Dies ermöglicht uns eine stabile und langfristige Entwicklung.“

Wo sehen Sie Ihren Kernmarkt? Was kann Ferratum besonders gut?

Wir haben die komfortable Situation, dass unser Kernmarkt kontinuierlich wächst. Immer mehr Menschen legen Wert darauf, finanzielle Angelegenheiten komplett digital zu erledigen. Innerhalb dieser großen Kundengruppe eignen sich unsere Angebote hervorragend für Kunden, die viel reisen und auf flexible Dienstleistungen, die orts- und zeitunabhängig sind, angewiesen sind. Auch Menschen, die im Ausland arbeiten und dort dieselben Bankdienstleistungen nutzen möchten wie zu Hause, sind bei Ferratum bestens aufgehoben.

Was sind die Zukunftspläne für die Mobile Bank? Mit welchen innovativen Funktionen dürfen wir rechnen?

Wir haben mehrere interessante Projekte am Laufen und werden diese auch verkünden, sobald wir etwas Neues auf den Markt bringen. Im Moment möchten wir uns nicht im Detail zu diesen Plänen äußern.

Wir wissen, dass einige FinTechs und Banken bereits in der Erprobung von AndroidPay für 2018 sind. Werden Sie auch beim AndroidPay-Start in 2018 dabei sein?

Der Einsatz mobiler Zahlungsweisen nimmt sehr schnell zu und wir prüfen einige Möglichkeiten, um die Benutzererfahrung mit Zahlungen zu verbessern.

Wo geht der Trend im Zahlungsverkehr hin?

Wir glauben, dass die mobilen Zahlungen die Kartenzahlungen innerhalb der nächsten Jahre ersetzen wird, der Gebrauch von Bargeld nimmt sowieso rapide ab.

Echtzeit-Zahlungsmodelle revolutionieren den Markt. Dies haben wir bereits in Finnland und Schweden gesehen, wo inländische Echtzeit-Zahlungsmodelle die Mehrheit der Bevölkerung als aktive Nutzer gewonnen haben.“

Echtzeit-Zahlungen ermöglichen ebenfalls neue Dienstleistungen, die den E-Commerce-Bereich revolutionieren können. So zum Beispiel mobiles Online-Shopping, welches auch im physischen Laden erfolgen kann.

Noch ein wenig Technik: Welches Kernbanksystem setzen Sie ein und auf welche Programmiersprachen und Tools setzen Sie?

Unser Kernbanken-Back-End-System ist Misys Essence und unsere Haupt-Programmiersprache ist Java. Das Kernbanken- und Integrations-Layer basiert ebenfalls auf Java und das Front-End-System auf Java Script. Wir veröffentlichen keine Details über die Anwendungsbereiche unserer Tools und Technologien. Dennoch können einige Namen genannt werden: Swagger, SpringBoot, Kafka, Camunda DMN, Docker, Angular.

2018 wird für die FinTech-Banken in Deutschland sicher ein äußerst wichtiges. Ihre Konkurrenten legen da ordentlich und vor allem laut vor. Wollen Sie auch der Marktführer werden? Wie werden Sie sich in dem Markt durchsetzen?

Wir definieren den Markt nicht im traditionellen Sinne, sodass beispielsweise der inländische Marktanteil für uns nicht von großer Bedeutung ist. Wir schreiten an unterschiedlichen Fronten voran. Die Märkte ändern sich so rapide, dass diejenigen Unternehmen, welche die Marktveränderungen am schnellsten zu ihrem Vorteil nutzen können, zu den Gewinnern zählen werden. Unser Geschäft ist gut aufgestellt und unser Geschäftsmodell ist profitabel.

Wir können unser Wachstum durch unsere Einnahmen finanzieren und wir sind nicht von Wagniskapitalgebern abhängig. Dies ermöglicht uns eine stabile und langfristige Entwicklung.“

Herr Mekkonen, vielen herzlichen Dank für das Interview.aj

 
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