MEINUNG4. Dezember 2017

Überweisungen in Sekunden? 10 Haken, warum Bank­kunden länger auf Instant Payments warten werden

Ralf Ohlhausens, Business Development Director PPROPPRO Group

Instant Payments (SCT Inst) in Europa kommt – aber noch fällt es dem Großteil der Banken schwer, das seit 21. November mögliche Verfahren anzuwenden – und für den E-Commerce sieht Ralf Ohlhausen, Business Development Director der PPRO Group, zunächst mal vollkommen schwarz. Wichtiger sei der schnelle Informationsfluss. Der Kommentar.

Seit wenigen Tagen sind in acht europäischen Ländern – darunter auch Deutschland – SEPA-Überweisungen in Echtzeit möglich. SEPA Instant Credit Transfers (SCT Inst) bezeichnet eine Lösung, Geld in Sekunden, und nicht wie üblich in Tagen, von einem auf das andere Konto zu transferieren. Klingt gut und nur konsequent in Zeiten, in denen alles immer und sofort verfügbar ist.

Die Sache hat aber noch einige Haken, die ich hier kurz beschreiben möchte:

1. Dass schon fast 600 der über 4.000 Banken in Europa beim Start dabei sind, klingt gut. Es wird aber verschwiegen, dass rund 95 Prozent davon der deutschen Sparkassengruppe oder der österreichischen Raiffeisengruppe angehören.

PPRO Group
Die PPRO Group wurde 2006 in London gegründet und ist ein EU-zertifiziertes Finanzinstitut mit einer E-Geld-Lizenz der britischen Bankenaufsicht FCA. PPRO hat sich auf länderübergreifendes elektronisches Bezahlen spezialisiert. Dabei will das Unternehmen die Komplexität von E-Payment-Prozessen im internationalen E-Commerce lösen. Es bietet PSPs und Finanzdienstleistern Acquiring-, Collecting- und Processing-Dienstleistungen für eine Vielzahl alternativer Zahlarten in mehr als 100 Ländern an. Im Rahmen eines einzigen Vertrags, einer technischen Schnittstelle, einer Plattform und einer Abrechnung werden sämtliche Zahlungen für Kunden von PSPs und Finanzdienstleistern abgewickelt, eingesammelt und konsolidiert. Damit vereinfache PPRO den Online-Händlern elektronische Bezahlvorgänge, baue ihre E-Commerce-Reichweite aus und erziele so höhere Konversionsraten.
2. Will ich Geld in Echtzeit von meinem Konto auf das einer anderen Bank transferieren, geht das nur, wenn auch beide Institutionen SCT Inst anbieten. Es bleibt zu hoffen, dass die lückenlose Verfügbarkeit von SCT Inst nicht so viel Zeit benötigt wie seinerzeit die flächendeckende Verbreitung des Faxgerätes.

3. Ähnlich beim Thema ‚Clearing und Settlement’. Während die bekanntesten Clearing- und Settlement Mechanismen (CSMs) angekündigt haben, SCT Inst zu unterstützen, ist dies nicht bei allen der Fall.

Also selbst wenn Sender- und Empfängerbank an SCT Inst beteiligt sind, wird es möglicherweise nicht funktionieren, weil sie unterschiedliche CSMs verwenden.“

4. Um dieses CSM-Problem zu lösen, hat die Europäische Zentralbank (EZB) beschlossen, ihr Interbanken-Realtime-Abwicklungssystem (TARGET2) um ein spezielles ‚TARGET Instant Payment Settlement’ (TIPS) System zu erweitern, welches im November 2018 kommen soll.

5. Aus Verbrauchersicht kommt im schlimmsten Fall das Geld halt erst am nächsten Tag als Standard-SCT an. Unternehmen hingegen brauchen Verlässlichkeit und von daher ist zu hoffen, dass SCT Inst in nicht allzu ferner Zukunft verbindlich vorgeschrieben wird.

Ralf Ohlhausen, PPRO Group
Ralf Ohlhausen, Diplom-Mathematiker und Master of Telecommunications Business, verfügt über 25 Jahre Berufserfahrung in den Bereichen E-Commerce, Financial Services, mobile Telekommunikation und IT. Zuletzt war er als President Europe bei SafetyPay tätig. Bei PPRO verantwortet Ohlhausen die weltweite Expansionsstrategie des Payment-Lösungsanbieters, ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem weiteren Ausbau des Portfolios an alternativen Bezahlarten.
6. Banken eröffnet sich mit der Einführung von SCT Inst natürlich die Chance, diesen ‚Luxus’ als kostenpflichtigen Service anzubieten. Es ist zu hoffen, dass sie es mit den Gebühren nicht allzu sehr übertreiben. Andernfalls werden insbesondere Verbraucher bei der altgedienten Lösung bleiben.

7. Online-Händlern ist es im Zweifel von geringerer Bedeutung, das Geld sofort auf dem Konto zu haben. Viel wichtiger ist für sie nur zu wissen, dass eine Zahlung erfolgt ist, damit die Ware umgehend versendet werden kann. Dies wird schon seit Jahren von sogenannten Echtzeit-Zahlungsmethoden gewährleistet.

8. Um das nun mit SCT Inst zu verbessern, müssen die Banken dafür sorgen, dass Händler auch in Echtzeit über eingehende Zahlungen informiert werden.

9. So eine Echtzeit-Information ist bei SCT Inst zwar prinzipiell vorgesehen, funktioniert aber nur, wenn sie in das E-Commerce-System des Händlers integriert ist. Und diese Verbindung geht in der Regel über den Payment Service Provider (PSP).

10. Zudem lassen mehr und mehr E-Commerce-Betreiber ihre Zahlungen von einem PSP einsammeln und sind damit gar nicht der Empfänger einer SCT Inst.
 
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