PRODUKTE1. Juni 2018

Überweisung auf Zuruf: Coronic und PPI stellen technische Lösung für sprachbasiertes Banking vor

Andrey Suslov / Bigstock

Wir steuern inzwischen gerade unsere Mobilgeräte immer häufiger auf Zuruf, diktieren Nachrichten und Befehle – warum also nicht auch beim Banking? Eine Banküberweisung oder Kontoabfrage einfach per Sprachbefehl, von zuhause oder unterwegs ausführbar zu machen, das versprechen jetzt Coronic aus Kiel und PPI aus Hamburg. Dabei ist Voice-basiertes Banking, wenn es nach den beiden Unternehmen geht, mehr als nur eine Notlösung oder ein Workflow für Behinderte. Der technische Ansatz der Unternehmen aus Norddeutschland geht viel weiter, als nur bestehende Sprachassistenten wie Amazon Alexa oder Google Home mit Banking-Befehlen zu trainieren. Vielmehr soll jedes IT-System, das über einen Lautsprecher und ein Mikrophon verfügt, Geld überweisen können.

Chatbots und Messenger mit künstlicher Intelligenz sind die Trend-Geräte der letzten ein, zwei Jahre. Mit der neuen Bot-Technologie bieten PPI und Coronic echte Online-Banking-Funktionalitäten über Sprachbefehle – egal ob für Amazon Alexa, den Banking-Client oder die Banking-App. „Alle IT-Systeme mit einem Lautsprecher und Mikrofon Banking-fähig zu machen, mag ein wenig wie Zauberei klingen“, erklärt Frank Bock, Geschäftsführer der Coronic. Dahinter stehe jedoch solide und bewährte Hochtechnologie der beiden auf den Bankensektor spezialisierten Unternehmen: Coronic stellt die Sprachbibliothek für die Clients zur Verfügung – das gesprochene Wort wird in Text verwandelt und an einen speziellen Bot-Server gesendet. Mit Hilfe künstlicher Intelligenz (KI) wird hier aus dem gesprochenen Wort der Überweisungswunsch des Kunden herausgefiltert.

Gesprochene Befehle werden per FInTS umgesetzt

Der nächste Schritt ist die Durchführung der Überweisung im Banksystem. Hier kommen die Kompetenzen von PPI zur Geltung. Die gesprochene Überweisung findet ihren Weg per FinTS in die Zahlungsverkehrssysteme der Bank. Neben der Bank-Sprache FinTS (Financial Transaction Services) unterstützt PPI die Hausdialekte aller deutschen Banken sowie die europäischen Schnittstellen Instant Payment und Access to Account (XS2A). Bei der Ausgestaltung und Steuerung der bankfachlichen Prozesse unterstützt PPI die Kreditinstitute mit seinen Beraterteams.

Und so funktioniert der konkrete Ablauf: Der Kunde sagt einfach „Überweise bitte 50 Euro an Claudia“ und das System sucht in der Umsatzhistorie nach „Claudia“. Das funktioniert, weil Kontodetails, Kundendaten und Umsätze der letzten Monate im Rechenzentrum der Bank hinterlegt sind. Bei mehreren Treffern gibt es eine Rückfrage zum Nachnamen von Claudia. So findet das System die richtige Zielkontonummer für Claudia und fertig ist die Sprachüberweisung. Natürlich muss die Überweisung noch mit einer TAN bestätigt werden. Diese bekommt der Kunde wie gewohnt auf sein Handy und liest sie einfach vor. Dann ist das Geld unterwegs, ganz ohne Maus, Bildschirm und Tastatur.

Paradigmenwechsel in der Kundenkommunikation

In den letzten 15 Jahren haben sich die Deutschen daran gewöhnt, mit ihrer Bank per Bildschirm und Smartphone zu kommunizieren. Wahrscheinlich erinnern sich nur noch die Älteren unter uns daran, wie es davor gewesen ist: In einem persönlichen Gespräch mit dem Bankberater konnte man einen Überweisungswunsch äußern – natürlich vor allem vor Ort in der Filiale. Dieser hat ihn dann – wie von Zauberhand – auch gleich ausgeführt.

Bevor es das Internet gab, waren mündlich gegebene Bankaufträge Normalität in jeder Bankfiliale. Und genau dahin wollen wir wieder zurück – zu einem natürlichen Umgang mit dem Geld, weg von Tastaturbefehlen, hin zum gesprochenen Wort.“

Dr. Thorsten Völkel, Vorstand der PPI Hamburg

Viele Kunden sprechen schon heute mit ihrem Handy oder mit ihrer Alexa-Box im Wohnzimmer. Meist geht es dabei jedoch eher um einfache Steuerbefehle, die Erweiterung der Einkaufsliste oder ums Wetter, aber eben nicht um personenbezogene Daten, Kontoinformationen oder echtes Geld. Sicherheit und Datenschutz sind daher beim sprachbasierten Banking ein ausschlaggebender Punkt für den Erfolg des Produktes. Alle Server, die Kundendaten und Kontoinformationen verarbeiten, stehen in Deutschland im Rechenzentrum der Bank.

DSGVO-konformer Prozess, der Alexa und Co. zum Diktiergerät degradiert

Die gesamte Auswertung des gesprochenen Wortes erfolgt allein auf Serversystemen, die sich in der Hoheit eines deutschen Rechenzentrums befinden. „Nur Metainformationen wie ‚überweise Claudia 50 Euro‘ gehen durch die IT-Systeme von Amazon oder Google“, sagt Bock. „Die US-Konzerne wissen jedoch nicht, wer sich hinter dem Namen Claudia verbirgt, nicht welches Konto dazugehört und haben auch keine Kenntnis über Namen und Kontodetails des Auftraggebers“, so Bock. Um das zu gewährleisten, geht die Softwarelösung von PPI und Coronic ganz bewusst einen datentechnischen Umweg und führt die gesamte KI-Auswertung auf eigenen Servern durch. So schlagen die Partnerunternehmen Google & Co. ein Daten-Schnippchen, denn wer hier was an wen überweist, können die US-Konzerne technisch nicht belauschen. Damit erfüllt das technische Konzept auch die aktuellen Vorgaben der europäischen Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) und kann problemlos in ganz Europa eingesetzt werden.

Doch auch für die US-Konzerne kann das technische Konzept des norddeutschen IT-Duos ein attraktives Angebot sein. Denn würden Amazon und Google selbst die Auswertung und Verarbeitung der Überweisungsdaten übernehmen, wären sie ein Kandidat für die Bankenregulierung gemäß europäischer PSD2-Norm (Payment Service Directive 2). Das Bot-Banking nutzt daher explizit nicht die Funktionen der amerikanischen IT-Giganten, sondern verwendet diese nur als Zulieferer für die vom Mikrofon aufgenommenen Worte. „Wenn man es ganz genau nimmt“, so Bock, „degradieren wir Alexa zu einem besseren Diktiergerät.“

Mit dem eigentlichen Bankprozess hat der Heimlautsprecher dann nichts mehr zu tun. Fest steht, dass Amazon bereits vor einigen Monaten angekündigt hat, keine Bankdienstleistungen über das Alexa-System zu erlauben – wahrscheinlich aus Sorge vor der europäischen Bankenaufsicht. Mit der Lösung von PPI und Coronic lässt sich diese Lücke schließen. tw

 
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